Untertürkheim www.wirtemberg.de zu den Favoriten STARTSEITE Rotenberg
HOME
ORTSRUNDGANG
VERANSTALTUNGSKALENDER
NEUES
SUCHEN
KURIOSES SEHENSWERT FOTOS+KARTEN WEIN + BESEN PERSONEN VEREINE
DIVERSES WANDERUNGEN SCHULEN+BÄDER NACHBARORTE ZEITUNGEN KIRCHEN

"Wilhelm Maybach - der König der Konstrukteure"W. Maybach

Folge 2 unserer Serie: Untertürkheimer Zeitung vom 09.06.2004

Sein Bienenwabenkühler und der Spritzdüsenvergaser sind richtungsweisend in der Automobiltechnik

Stuttgart: Das DaimlerChrysler-Werk Untertürkheim feiert in diesem Jahr 100-jähriges Bestehen. Bahnbrechende Erfindungen von Gottlieb Daimler, Karl Benz und Wilhelm Maybach verhalfen dem Automobil zum weltweiten Siegeszug. Geniale Tüftler und Konstrukteure in Untertürkheim entwickelten epochale Neuerungen. Wir lassen die 100 Jahre Unternehmensgeschichte in einer zehnteiligen Serie Revue passieren und stellen jene Erfinder und Tüftler als Pioniere ihrer Zeit vor.

Heute: Wilhelm Maybach

Wilhelm Maybach

Von Mathias Kuhn

Erst spät, zu seinem 150. Geburtstag empfing ein fast vergessenes Genie die Ehre, die ihm gebührt: Wilhelm Maybach wurde 1996 in die Automotive Hall of Fame in Detroit aufgenommen, am 2. März 2004 wurde er dann auch in der European Automotive Hall of Fame für seine herausragenden technischen Leistungen im Automobilbau gewürdigt. Der König der Konstrukteure steht damit auf Augenhöhe mit zwei anderen Pionieren: Karl Benz und Gottlieb Daimler, an dessen Seite Maybach den Weg für die weltweite Motorisierung bereitete.
Dabei deutet zehn Jahre nach seiner Geburt wenig auf eine Karriere hin:
Nach dem Tod seiner Mutter stirbt 1856 auch der Vater. Maybach ist Vollwaise. Doch er darf im Reutlinger Bruderhaus in die Schule gehen. In dem Waisenhaus mit eigener Maschinenfabrik zur Ausbildung der Jugendlichen, erkennen die Lehrer schnell sein technisches Talent. 1865 kommt es zu einer Begegnung, die die Welt verändern sollte. Gottlieb Daimler leitet die Maschinenfabrik. Er nimmt den 19-jährigen Maybach unter seine Fittiche und die Geschichte zweier genialer Männer, die sich ideal ergänzen, nimmt seinen Lauf.



Daimler ist der Visionär, Maybach der kongeniale Konstrukteur, der Daimlers Ideen realisiert.

Bis zu Daimlers Tod sollten sich ihre Wege nicht mehr trennen.Die beiden Schwaben sind ab 1872 bei der Gasmotorenfabrik Deutz

in Köln tätig und bringen den von Nikolaus Otto erfundenen Viertaktmotor zur Serienreife. Als Daimler 1882 Deutz verlässt, um in Cannstatt seine visionären Ideen zu verwirklichen, folgt Maybach seinem Ziehvater. Gemeinsam entwickeln sie den ersten schnell laufenden Verbrennungs- motor. Als Innovation nutzt Maybach die Glührohrzündung, die bis 900 Umdrehungen zulässt. Auch der zweite Daimler-Motor wird zum Meilenstein der Automobil- geschichte. Maybach entwirft einen Schwimmer-Vergaser, der den problemlosen Betrieb mit Benzin erst ermöglicht. Im Gewächshaus von Daimlers Cannstatter Villa baut das Duo den weiterentwickelten Motor 1885 zunächst in ein hölzernes Reitrad, das erste Motorrad der Welt, und 1886 in eine Kutsche ein. Die Motorkutsche ist jedoch nur eine Zwischenstation zum ersten Automobil: dem vierrädrigen Stahlradwagen von 1889, dem Maybach ein Viergang-Zahnrad-Getriebe ebenfalls eine Weltpremiere und Prototyp aller späteren Getriebe verpasst. Auch weitere Patente gehen auf das Konstruktionsgenie an Daimlers Seite zurück: 1893 stellt Maybach den Spritzdüsenvergaser, den Urahn der heutigen Vergaser, vor und während sich
Daimler um Querelen in der Daimler-Motoren-Gesellschaft kümmern muss, verbessert sein Weggefährte kontinuierlich das Kühlsystem. 1892 ersinnt Maybach die Rückkühlung über die Innenseite des Schwungrades und erhält 1895 das Patent auf den Röhrchenkühler. Er bildet die Basis für die revolutionäre und bis heute im Grundsatz unveränderte Neuerung: Maybachs Bienenwabenkühler.

Erste Personenwagen mit 35 PS

Diese Erfindung erfolgt in einer für ihn wichtigen Phase. Sein Mentor Gottlieb Daimer stirbt im März 1900, gleichzeitig bestellt Emil Jellinek 36 Fahrzeuge: Die neuen Rennwagen sollen einen leistungsfähigeren, leichteren Motor haben, für den Jellinek ein leichteres Fahrgestell mit längerem Radstand und niedrigerem Schwerpunkt vorschlägt. Die Heraus- forderung lässt Maybach den ersten Personenwagen bauen: den Mercedes mit vorn eingebautem 35-PS-Aluminiummotor, zwei Nockenwellen und Bienenwabenkühler. Er bringt Maybach den respektvollen Titel König der Konstrukteure ein.

Simplex
Maybach Simplex 40 PS von 1902

Auf dem Höhepunkt seines Erfolges beginnt jedoch Maybachs Demontage als Technischer Direktor der DMG. Er wird das Opfer von Intrigen, verlässt 1907 verbittert das Untertürkheimer Unternehmen und gründet die Luftfahrzeug-Motorenbau- Gesellschaft. Fortan produziert er mit seinem Sohn Karl leistungsfähige Motoren für die Luftschiffe des Grafen Zeppelin.

Bau von luxuriösen Autos

Als Deutschland nach dem ersten Weltkrieg keine Motoren für Luftschiffe mehr bauen darf, besinnt sich Maybach auf seine Wurzeln. In Friedrichshafen stellt er mit Sohn Karl eigene Autos her. Von Anfang an setzten sie auf luxuriöse Autos, für die sie kraftvolle, laufruhige Motoren entwickeln. Ein Höhepunkt ist der Maybach Typ 12 von 1929, das erste Automobil mit V12-Motor. Zur Legende wird der Maybach Typ Zep-pelin, die Konkurrenz zum Rolls-Royce. Am 29. Dezember 1929 stirbt Wilhelm Maybach 83-jährig, doch sein Name und der Mythos der Marke Maybach leben weiter.
1960 erwirbt die Daimler-Benz AG die Friedrichshafener Motorenbau, die seit 1969 als Motoren und Turbinen Union Friedrichshafen, kurz MTU, firmiert. Unter dem Namen Maybach und mit dem legendären Doppel-M-Signet lässt DaimlerChrysler 2002 zudem eine Tradition aufleben: Der Weltkonzern produziert höchst individuelle Luxuslimousinen mit bekannter handwerklicher Präzision und innovativer Mercedes-Technik. Die Unterürkheimer Autobauer erinnern damit an einen Stammvater ihres Erfolgs, Wilhelm Maybach, den König der Konstrukteure.

Karl MaybachTechnik und Motor

Nicht nur Automobile - Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.07.2004
Zur Feier des 125. Geburtstags von Karl Maybach

Heute jährt sich der 125. Geburtstag eines der bedeutendsten deutschen Konstrukteure. Am 6. Juli 1879 wurde Karl Maybach als Sohn des nicht minder bekannten Konstrukteurs und langjährigen Weggefährten Gottlieb Daimlers, Wilhelm Maybach, in Köln-Deutz geboren. Seine Sechs- und Zwölf-Zylinder-Automobile galten in den zwanziger und dreißiger Jahren als die "deutschen Rolls-Royce". Seinen ersten Wagen, den Maybach Typ 22/70, zeigte er auf der Berliner Automobilausstellung 1921. Acht Jahre später präsentierte Maybach als Hommage an seinen Vater Deutschlands ersten Zwölf-Zylinder-Wagen: den Maybach Typ 12. Insgesamt wurden nur etwa 1800 Maybach-Automobile zwischen 1921 und 1941 gebaut. Autos zu konstruieren, lernte Karl Maybach bei seinem Vater. Nach einem ersten Praktikum bei der Daimler-Motoren-Gesellschaft studierte er an der Königlichen Baugewerkschule in Stuttgart und hier in der Abteilung Maschinenbau, um danach in Berlin bei Ludwig Loewe & Co., einem im Waffen- und Maschinenbau tätigen Konzern, zu arbeiten. Nach einem weiteren beruflichem Intermezzo in Potsdam/Neubabelsberg bei der "Centralstelle wissenschaftlich-technischer Untersuchungen" kehrte Maybach 1904 zurück in das neue Daimler-Werk in Untertürkheim und arbeitete mit seinem Vater zusammen.
Karl Maybach

Aber Automobile waren nicht das einzige Thema im Konstrukteursleben Karl Maybachs. Als am 6. August 1908 das Luftschiff LZ 4 des Grafen Zeppelin havarierte, diente Wilhelm Maybach dem Grafen seinen Sohn als neuen Motorenkonstrukteur an. Der Graf war von der Idee begeistert, und so begann Karl Maybach im November 1909 als technischer Leiter des Luftschiffmotorenbaus Bissingen an der Enz mit der Konstruktion des ersten Luftschiffmotors. 1912 zog das Unternehmen nach Friedrichshafen um, 1918 wurde es in Maybach-Motorenbau umbenannt. In Friedrichshafen wurde auch der erste leistungsfähige Maybach-Höhenflugmotor für Flugzeuge entwickelt. Die Zeppeline fuhren mit Maybach-Motoren. Karl Maybach erlebte in den zwanziger Jahren viele Ehrungen. 1924 verlieh ihm die Technische Hochschule Stuttgart die Ehrendoktorwürde, später wurde er Ehrenbürger von Friedrichshafen. Einen ewigen Rang im Technikwesen dieser Welt hat Karl Maybach sowieso.

HARRY NIEMANN

PIONIERE DER ZEIT

Aus Anlass des hundertjährigen Bestehens des DaimlerChrysler Werks Untertürkheim startet die Untertürkheimer Zeitung die zehnteilige Serie „Pioniere der Zeit". Festgemacht an den Tüftlern und Erfindern im Hause DaimlerChrysler lassen wir hundert Jahre Geschichte des Motorenwerks Revue passieren.

Stuttgarter Zeitung, 23.12.2004

Gerhard Raff: Der "König der Konstrukteure'' aus Cannstatt

Unser Kolumnist erinnert heute an seinen Urgroßonkel Wilhelm Maybach. Der Pionier des Automobilbaus ist vor 75 Jahren in Cannstatt gestorben.

Sei Ururgroßmutter isch dui Maria Dorothea Hahn (1713-1780) gwä von Sielmenge uff de Filder, dui Schwester von dem "wahrhaft Newtonschen Kopf'' Philipp Matthäus Hahn (1739-1790) seim Vatter. Ond uff d'Welt komme isch'r am 9. Februar 1846 en Heilbronn als zwoitältester von dene fönf Buebe vom Schreinermeister Christian Carl Maybach (1813-1856) aus Löwenstein ond dem Böblenger Schuehmachersmädle Louise Barbara, geborene Dannwolf (1814-1854).

Ond en dene schlechte Zeite seinerzeit isch dui Schreinerei eigange, ond die Maybach send anno 1850 uff Stuegert zoge, ond der Vatter hat en dr Klavierfabrik Schiedmayer gschafft. Ond der Wilhelm isch acht Jahr alt, da stirbt ihm sei Muetter weg, ond er isch zehn, da zieget se sein Vatter aus dem Böblenger See, ond se saget gnädigerweis, der verzweifelte Ma sei "ertrunken''.

Ond en dr Zeidong kommt a herzergreifende Annonce mit der "Bitte an edle Menschenfreunde für 5 vater- und mutterlose Knaben von 12 bis 4 Jahren''. Ond Gott sei Dank liest dui der edle Menschenfreund Gustav Werner (1809-1887) ond holt die Woisekender en sei Bruderhaus nach Reutlenge, ond nach dr Schuel ond Konfirmation därf der Wilhelm a Lehr mache en dr "Maschinenfabrik zum Bruderhaus'' ond wird technischer Zeichner. Ond der Fabrikdirekter hoißt grad Gottlieb Daimler (1834-1900), ond der merkt glei, was der jonge Kerle für a Käpsele isch, ond lässt ihn voll seiner Lebtag bei sich schaffe, en Karlsruhe, en Deutz ond seit 1882 en Cannstatt, wo die zwoi em Gottlieb seim Gartehäusle mit Erfolg an ihrer Weltrevolution romtüftlet.

Ond des därf mr ruhig sage, ohne den geniale ond schwäbisch bescheidene Maybach hätt dr Gottlieb jedefall sicher heut no koi Auto erfonde, denn onter ons: "Die meisten Patente von Maybach laufen auf Daimlers Namen.''

Ond wie dr Gottlieb des Maulbronner Apothekerstöchterle Emma Pauline Kurz (1843-1889), heiratet, lernt dr Wilhelm bei dr Hochzich dere ihr Freundin, des Maulbronner Wirts- ond Posthalterstöchterle Bertha Wilhelmine Habermas (1851-1931), kenne, ond nach zehn Jahr (!) Verlobungszeit därf'r se no endlich heirate, ond en ihrer "sehr glücklichen Ehe'' hend se oi Mädle ond zwoi Buebe, ond dr oine drvo isch der seim Vatter kongeniale Konstrukteur Karl Maybach (1879-1960).Wilhelm Maybach

Anno 1890 hend se dui "Daimler-Motoren-Gesellschaft'' (DMG) gründet, ond dort hend sich jetz so kapitalistische Krämerseele ohne jeden technische Verstand broitgmacht ond den Gottlieb uff d'Seite druckt ond dem Wilhelm so en miese Vertrag gebe, dass der von selber gange isch ond a Versuchswerkstatt en Cannstatt uffgmacht hat. Aber wie's mit dere DMG abersche gange isch, hend se ihn glei wieder gholt ond em Dezember 1895 zom Technische Direkter gmacht. Ond zom Dank baut er den erste Daimler-Lastwage, des erste Daimler-Taxi ond den erste Daimler-Omnebus. Ond anno 1900 - dr Gottlieb isch grad gstorbe gwä ond hat den Welterfolg nemme verlebt - konstruiert dr Maybach den erste Mercedes ond wird jetz weltberühmt als "König der Konstrukteure''.

Ond vor lauter Tag- ond Nachtschafferei, nach "jahrzehntelangem Raubbau mit seinen Kräften'' ond dem ewige Gehändel mit dene Schärhoulderwälljuhschlurger wird'r herzkrank, ond die Intrigante ond Neider en dr Firma mobbet ihn 1907 voll naus, ond em Ruhestand hilft'r seim Karl bei seine Zeppelin- ond Flugzeugmotore, ond lebt als "Vater des Automobilismus von der Gesellschaft hochgeachtet und verehrt'', vom Kaiser ond Keenich mit hohe Orde vollghängt en Cannstatt en seim Haus en dr Freiligrathstraß 7. Ond dort stirbt der gscheite ond fromme Ma am 29. Dezember 1929 an're Longeentzöndong ond wird uffm Uffkirchhof net weit weg von seim Gottlieb vergrabe.
Ond en dr Zeidong hend se gmoint, "in der Geschichte des Automobilbaus wird ihn die Welt als einen der genialsten Konstrukteure ehren.''
En scheene Christtag ond bleibet xond.

KURIOSES SEHENSWERT FOTOS+KARTEN WEIN + BESEN PERSONEN VEREINE
DIVERSES WANDERUNGEN SCHULEN+BÄDER NACHBARORTE ZEITUNGEN KIRCHEN
HOME
ORTSRUNDGANG
VERANSTALTUNGSKALENDER
NEUES
SUCHEN
www.Enslinweb.de  |   www.wirtemberg.de
Feedback an Webmaster Klaus Enslin  |  ©2015  |  info@wirtemberg.de
Google
Web www.wirtemberg.de