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Vater der Knautschzone war seiner Zeit voraus

Der geniale Erfinder Béla Barényi machte Autos sicherer Seinen Erfindungen verdanken Unfallopfer ihr Leben

Stuttgart Das DaimlerChrysler-Werk Untertürkheim feiert 100-jähriges Bestehen. Es ist die Wiege des Automobils. Bahnbrechende Erfindungen von Gottlieb Daimler, Karl Benz und Wilhelm Maybach verhalfen dem Auto zum weltweiten Siegeszug. In der Folgezeit entwickelten geniale Tüftler und Konstrukteure der Marke Mercedes-Benz epochale Neuerungen. Diese Pioniere der Zeit stellen wir vor.

Untertürkheimer Zeitung vom 5.8.2004
Heute: Béla Barényi.

Von Mathias Kuhn
Knautschzone, stabile Fahrgastzelle, Sicherheitslenksäule und Seitenaufprallschutz sind heute nicht mehr wegzudenkende Bestandteile unserer Fahrzeuge. All diese Standards gehen auf ein Genie zurück, dem tausende Menschen ihr Leben verdanken: Béla Barényi, der langjährige Leiter der Vorentwicklung bei Mercedes-Benz. 2500 Patente zeugen von dem unerschöpflichen Reservoir des umtriebigen Vordenkers, der seiner Zeit oft Jahrzehnte voraus war.
Geboren wurde Béla Viktor Karl Barényi am 1. März 1907 in Hirtenberg bei Wien. Sein Großvater besaß eine der größten Metallwarenfabriken Österreichs. Der junge Béla wuchs in feudalen Verhältnissen auf, zum Besitz der Familie gehörte auch ein Automobil der Marke Austro-Daimler. Doch im ersten Weltkrieg fiel sein Vater und sein Großvater verlor ein Großteil seines Vermögens. Seine Mutter konnte das Schulgeld nicht mehr bezahlen. Dennoch nahm der Automobilfan 1924 ein Studium am Wiener Technikum auf. In seiner Abschlussarbeit entwarf das Genie bereits das Konzept des späteren VW-Käfers. Beruflich sah seine Zukunft anfangs düster aus. Jobs bei verschiedenen Unternehmen folgten Perioden der Arbeitslosigkeit. Erst als der damalige Daimler-Benz-Vorsitzende Wilhelm Haspel ihn 1939 einstellte, schien sich das Blatt für den umtriebigen Erfindergeist zum Guten zu wenden. Es war die Zeit der erfolgreichen Silberpfeile, doch den österreichischen Querdenker interessierte vor allem die Sicherheit der Insassen.


Stabile Fahrgastzelle als Schutz

Er wollte das Verletzungsrisiko im Falle eines Autounfalls minimieren. Seine 100 Quadratmeter große Holzbaracke in Sindelfingen sollte somit zur Keimzelle der passiven Sicherheitsentwicklung werden. Doch wieder sorgte der Krieg für einen Bruch in seiner Karriere. Das Daimler-Benz-Werk wurde nahezu vollständig zerstört, Barnyi war arbeitslos oder musste als Straßenfeger arbeiten. Doch sein Erfindergeist sprühte weiter. In seinem privaten Kämmerlein im Stadtteil Rohr entwickelte er das Automobilkonzept Terracruiser. Etliche Sicherheitsdetails dieses Wagens der Zukunft konnte er in die Tat umsetzen, nachdem ihn 1948 Haspel wieder zu Daimler-Benz holte.
Bis dato galt das eiserne Gesetz, dass ein sicheres Auto stabil sein müsse. Visionär Barnyi erkannte jedoch, dass die Energie, die bei einem Unfall auf ein Auto wirkt, durch Verformung abgebaut werden muss, damit die Wucht die Insassen weniger verletzt. Sein Zukunftsauto hatte eine stabile Fahrgastzelle und eine verformbare Hinter- und Vorderfront. 1951 ließ er seine Idee der Knautschzone patentieren. Das revolutionäre Konzept brauchte jedoch acht Jahre, um von den Konstrukteuren übernommen zu werden. 1959 verlässt mit dem 220-er Mercedes das erste Auto mit Knautschzone die Fabrik und passive Sicherheit wurde zum Markenzeichen der Autos mit dem Stern.

Erfindergenie mit 2500 Patenten

Seinen nächsten Kampf führte Sicherheitsapostel Barnyi für sein Sicherheitslenkrad. Bereits 1947 wetterte er gegen die starren Lenkspieße und propagierte ein knickschwaches, nachgiebiges Glied, das das neue, topfartige Lenkrad mit dem Lenkgetriebe verband. 29 Jahre später, 1976, wurde der Geniestreich in der Baureihe W123 umgesetzt. Zu dem Zeitpunkt war Barnyi schon vier Jahre im Ruhestand. Doch ein Erfinder aus Leidenschaft wie er hörte nie auf zu tüfteln. 2500 Patente nannte er am Ende seines Lebens sein Eigen darunter kuriose Erfindungen wie den Gewürzstreuer oder ein Einhandfeuerzeug, praktische wie den Überrollbügel und viele wegweisende. Barnyi war der Wegbereiter der passiven Fahrzeugsicherheit. Seine Erfindungen machen das Autofahren sicherer und bieten Insassen einen größeren Schutz.1994 nahm ihn die Automotive Hall of Fame in Detroit in den erlauchten Kreis der Pioniere auf. 1997 starb er 90-jährig. Doch seine Enkel führen die Tradition fort. Mercedes-Ingenieure setzen mit weltweit bahnbrechenden Erfindungen wie Gurtstraffer, Airbag, Antiblockier-System oder ESP weiterhin Maßstäbe in Sachen Sicherheit.

PIONIERE DER ZEIT

Aus Anlass des hundertjährigen Bestehens des DaimlerChrysler Werks Untertürkheim startet die Untertürkheimer Zeitung die zehnteilige Serie „Pioniere der Zeit". Festgemacht an den Tüftlern und Erfindern im Hause DaimlerChrysler lassen wir hundert Jahre Geschichte des Motorenwerks Revue passieren.

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