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Stuttgarter Zeitung, 28.10.1994

Bomberabsturz vor 51 Jahren - Pfeifkonzert im Weinberg

Jugendlicher Polizeihelfer hilft einem verletzten britischen Flieger

Die Geschichte vom Abschuss und Absturz eines britischen Bombers über dem nächtlichen Stuttgart im April 1943, bei dem sich sechs Besatzungsmitglieder mit dem Fallschirm retten konnten, beschäftigt die Leser über Erwarten. Nun hat sich ein weiterer Augenzeuge gemeldet und berichtet, wie er einen der abgesprungenen Flieger entdeckt hat und fast noch einen anderen erwischt hätte.

Gaststätte Luginsland 1944

Der Mann aus Luginsland war bis zu seiner Pensionierung kaufmännischer Angestellter in leitender Funktion und wohnte früher in Untertürkheim. In jener Nacht vor 51 Jahren hatte er als HJ-Feuerwehrhelfer Brandwache in einem Wengerterhäusle auf dem Mönchsberg. Mutterseelenallein saß er da oben neben einem Feldtelefon und hatte Angst, als er über dem Kappelberg ein brennendes Flugzeug sah. Er habe auch "mehrere Fallschirme" niedergehen sehen, wie viele, weiß er heute nicht mehr. Flugs machte er Meldung bei der Polizeistation in Untertürkheim. Nach Aufhebung des Fliegeralarms beorderte ihn sein Chef, ein etwa 30jähriger Polizeileutnant aus Bad Cannstatt, zu einem neuen Einsatz. Es galt die abgesprungenen Flieger zu suchen und festzunehmen. Als er sich mit einem HJ-Kameraden und dem Polizisten dem Kappelberg näherte, hörten sie aus den Weinbergen in der Flur "Hinterer Berg" ein merkwürdiges Pfeifkonzert. Es klang wie ein Frage- und Antwortspiel. Rasch war einer der nächtlichen Pfeifer ausgemacht. Es war ein britischer Flieger, der sich auf diese Weise mit seinem weiter oben am Waldrand gelandeten Kameraden verständigte.

"Der Polizeileutnant befahl mir, dem Gefangenen das Pfeifle abzunehmen und auf Pfeifsignale des anderen zu antworten." Aber nach einigen weiteren Pfeifzeichen hatte der andere wohl gemerkt, was passiert war, und blieb stumm. "Den haben sie dann anderntags in Stetten unterhalb von Kernen geschnappt." Andere Zeugen hatten vom Fellbacher Gewann "Haldenbach" gesprochen, dann aber auch vom Gelände der Mülldeponie - was alles in der Nähe liegt. Es ist anzunehmen, dass alle Zeugen, die die Ortsangaben ja nur vom Hörensagen kennen, das gleiche meinen. Der Vergleich mit Berichten der geretteten britischen Flieger ergibt, dass jener zweite Pfeifer wohl der neuseeländische Bordfunker Phil Langsford war.

Der im Weinberg am Fellbacher "Hinteren Berg" heruntergekommene Flieger hatte sich bei seiner harten Landung übel verletzt. Ein Dreikantpfahl war ihm durch den linken Oberschenkel gedrungen. "Der Ma hat mir leid getan", erinnert sich der ehemalige Helfer der Feürpolizei. Mit Draht banden sie ihm das Bein ab und trugen ihn dann mitsamt dem Rebpfahl etwa hundert Meter weit Weinbergstaffeln hinunter bis zum Weg. "Und gejommeret hat er und g stöhnt." Mit einem Dreirad wurde der Verletzte dann zum Sportheim des TBU gebracht, einem Backstein- und Fachwerkgebäude in den "Aspen", das längst der Gehrenwaldsportanlage hat weichen müssen. In dem Haus wurde er von einem Sanitäter versorgt, bis ihn ein "Sanka" ins Lazarett nach Kornwestheim brachte.
Dem Rentner aus Luginsland ist die aufregende nächtliche Begebenheit noch gut in Erinnerung. Der Polizeileutnant hatte ihm die Verantwortung für Hab und Gut des Kriegsgefangenen übertragen. Die Pistole wurde dem Briten abgenommen, das Taschenmesser und eine große Büchse mit Bonbons, unter denen ein Kompass versteckt war. "Zu gern hätt i a Bombole g nomme oder des Taschemesser." Aber der Hitlerjunge blieb standhaft, hat das Privateigentum des Fliegers in ein Tischtuch gewickelt und es dem "Sanka" mitgegeben. Nur der Fallschirm kam abhanden. Den hat einer von den Männern gestohlen, die vor dem Vereinsheim geparkte "Militärfahrzeuge vom Daimler" bewachten. Aus der Fallschirmseide sollen zwei Hochzeitskleider geschneidert worden sein.

Bei dem verletzten britischen Flieger handelt es sich wohl um den Bombenschützen Eddie Thompson. Ganz sicher sei es ein Engländer gewesen, glaubt der Zeuge aus Luginsland, denn er habe beim Sichten der Habseligkeiten seine Brieftasche in der Hand gehabt und ein Foto gesehen, das den Mann mit Frau und zwei Kindern an der Steilküste zeigte. Dass dem Bombenschützen beim Verlassen des Flugzeugs von der zufallenden Bordtüre die Beine gequetscht oder gar gebrochen wurden, haben die beiden jugendlichen Helden nicht bemerkt. Andererseits hat Thompson wohl das kleine Vereinsheim des TBU als Bauernhaus angesehen.
So ist nun, mehr als 50 Jahre danach, ein weiteres Schicksal geklärt. Der Augenzeuge aus Luginsland ist froh, dass er dabei helfen konnte. Und er würde sich freuen, wenn die Überlebenden des Bomberabsturzes einmal nach Deutschland zu Besuch kämen. dka

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