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Trauer um Eugen Häfele (1922-2008)

Häfele 200422.08.2008 UNTERTüRKHEIMER ZEITUNG:
Der begnadete Künstler Eugen Häfele ist im Alter von 86 Jahren gestorben

(mk) - Untertürkheim ist ärmer geworden. Am Dienstag ist Eugen Häfele im Alter von 86 Jahren gestorben. Mit seinen detailgetreuen, in Holz geschnitzten Bildern, seinen Zeichnungen und Gemälden faszinierte der Künstler die Betrachter und bildete die Heimat originalgetreuer ab wie manches Foto. Ein Leben ohne Holz war für das begnadete Multitalent undenkbar.

Schon als Kind hätten sie ihn den Holzkasper genannt, weil er gerne gemaserte Baumstücke einsteckte. Doch er sammelte nicht nur Holz sondern auch Eindrücke, die er später auf Papier und in Holz verewigte. In unnachahmlicher Weise erzählt er in seinen Kunstwerken Geschichten aus seiner Kind- und Jugendzeit. Eindrucksvoller als seine in Holz geschnitzten Bilder kann kein Foto und auch kein Film das Dorfleben und Stimmungen darstellen. Ein Lausbub klettert zwischen den Beinen eines Milchwagenpferds umher. Ein wenig weiter tratschen Bauersfrauen, ein Mädchen schaut in die Milchkanne und eine Katze schleicht, in der Hoffnung einen Milchtropfen abzubekommen, um den Wagen. Jugenderinnerungen mit viel Liebe und Humor festgehalten. Der junge Eugen hat das Dorfleben hautnah erlebt.

In der Lange Straße - der heutigen Großglocknerstraße - ist er groß geworden. Kunst und Kreativität spielten im Elternhaus eine große Rolle. Sein Großvater war Kirchenmaler. Dennoch wurde Häfele Kaufmann und machte auf einem anderen Gebiet zunächst Furore: Im Hochsprung wurde der Leichtathlet für den VfB Stuttgart württembergischer Meister.

Seine Liebe zur Kunst hat er dennoch nie verloren. Als Ausgleich zu seinem „Brotberuf“ malte und schnitzte er fast jeden Abend. Zunächst als Autodidakt im stillen Kämmerlein, doch mit seiner ersten Ausstellung 1978 werden seine Kunstwerke schnell weit über die Region hinaus bekannt. Zwei Dutzend Ausstellung unter anderem im Stuttgarter Rathaus, traumhafte Exponate in der Untertürkheimer Kelter, Eugen Häfeleim Uhlbacher Ochsen, im Weingut Schwarz oder im Weinbaumuseum mehren seitdem seinen Ruf als Könner.

Er ist ein Heimatkünstler im allerbesten Sinn. Einfühlsamer als bei ihm können die Besucher des Weinbaumuseums nicht begreifen, wie hart die Wengerter früher arbeiten mussten. Er skizziert die autolose Zeit, als die Butten noch mit dem Kuhfuhrwerk durch die engen Gassen gekarrt wurden, die Männer sich nach getaner Arbeit ein Viertele Trollinger gönnten oder zum „G‘sangverein“ in die Singstund‘ gingen. Mit Ölgemälde wie jenem von den Sängern und vielen Holzschnitzereien hat Häfele Kunstwerke für die Ewigkeit geschaffen.

„Man muss davon besessen sein"

Neckarblick 14.12.2006

Holzschneider Eugen Häfele hält Szenen alter Handwerkskunst in Reliefs fest

Untertürkheim. Die kunstvoll geschnitzten Reliefs von Eugen Häfele zeugen von seiner künstlerischen und handwerklichen Begabung. In mehr als 60 fahren sind unzählige Arbeiten entstanden, viele dokumentieren alte Handwerksberufe. Eine Dauerausstellung im Uhlbacher Weinbaumuseum zeigt seine Kunstwerke.

Ausdauer, Kraft, Feingefühl, Fantasie und eine ruhige Hand, das sind die wichtigsten Eigenschaften, die man als Holzschneider mitbringen muss. Heute lässt es der bald 85-jährige Eugen Häfele ruhiger angehen. Er freut sich einfach an seinen vielen Arbeiten, die seine Wohnung verzieren. Kaum ein Eckchen oder Möbelstück, das nicht seine Handschrift trägt.

Erst bei näherem Betrachten wird deutlich, wie virtuos Eugen Häfele mit dem Schnitzwerkzeug umgehen kann: Da wächst ein Rebstock aus der Tiefe eines Stück Holzes, als sei er noch lebendig. Bis ins Detail, der Natur getreu nachgebildet, finden sich dort kleine Bienen, Trauben. Kleine und kleinste Ästchen winden sich um fein gemaserte Blätter. Dem Betrachter steift sich die Frage, wie einem Stück Holz derart feine Formen abzuringen sind. Für Eugen Häfele ist die Erklärung einfach: „Man muss von seiner Arbeit besessen sein."

Eugen Häfele
Eugen Häfele hat seine Krippe ganz und gar selbst gefertigt Foto: Koch

Ursprünglich war er von etwas ganz anderem besessen: Eugen Häfele erzielte nämlich auch als Leistungssportler Spitzenergebnisse: „Ich war der erste Baden-Württembergische Meister nach dem Krieg." Hoch- und Dreisprung waren die Paradedisziplinen des Multitalents. Doch schwere Kriegsverletzungen hatten bei ihm dauerhafte Spuren hinterlassen und so gewann die künstlerische Ader, die bei ihm in den Genen liege, an Bedeutung. Er sei in einer künstlerischen Familie groß geworden. „Dass eine Staffelei in der Stube steht und es nach Ölfarben riecht, war für mich normal." Der Vater und der Großvater waren seine künstlerischen Vorbilder. Durch den Sport habe er Durchhaltevermögen, Ehrgeiz und auch die Kraft erhalten: „Mein Rüstzeug für die Holzschneiderei."

Den elterlichen Betrieb, ein Malergeschäft, wollte Eugen Häfele nicht übernehmen. „Ich hatte zu wenig Zeit für meine Holzschnitzerei gehabt." So erlernte er einen kaufmännischen Beruf, der ihm nach Feierabend genug Raum ließ, in seiner Wohnstube an seinen Kunstwerken zu arbeiten. Die Kunst zum Beruf zu machen, das wäre kein Problem gewesen: „Ich hätte mehr als gut davon leben können, aber das habe ich sicherheitshalber nie in Erwägung gezogen." Noch heute klopften Leute an, um eine Arbeit von ihm zu erhalten. Der Familie eine sichere Lebensgrundlage zu bieten, ging für den Vater von drei Kindern jedoch vor.

Häfele 2004

Die Familie ist es auch, die seine Arbeiten einmal bekommen soll. Verkaufen will er seine Schätze nämlich nicht mehr. Einzig der Stadt würde er sein Lebenswerk verkaufen - unter der Voraussetzung, dass die Arbeiten nicht in einem Archiv verschwinden, sondern der Öffentlichkeit zugänglich sind. So hat er dem Weinbaumuseum "in Uhlbach bereits eine Dauerleihgabe für eine Ausstellung mit zahlreichen Holzreliefs gemacht, die zeigen, wie einst die Handwerker gearbeitet haben.

Nicht nur Weinbauern hat er geradezu detailversessen porträtiert, auch andere aussterbende Handwerksberufe wie den Küfer, den Schuhmacher oder den Stellmacher hat er zum Motiv gewählt. „Das sind Dokumente, wie einst gearbeitet wurde", sagt er, „da werden noch Generationen Freude dran haben." Das macht den leidenschaftlichen Holzschneider zufrieden: „Ich bin mit der Holzschneiderei nicht reich geworden, aber glücklich."
Ulrike Koch

Info: Über sein Leben und Schaffen sowie seine Entwicklung„ Vom Kaufmann zum Künstler" berichtet Häfele am Samstag, 10. März, 11 Uhr beim Männervesper in der Besenwirtschaft Schwarz, Schlotterbeckstraße 15.

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