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10. November1885 - Reitwagenfahrt von Cannstatt nach Untertürkheim

Tafel 1b
Tafel 21 des Bürgervereins Untertürkheim e.V. gegenüber dem Bahnhof

Vor 125 Jahren war der Reitwagen eine Art Experimentalfahrzeug des Erfinders Gottlieb Daimler.
Für Mercedes ist das Vehikel das "erste von einem Menschen kontrollierte Straßenfahrzeug mit Verbrennungsmotor".

Am 10. November1885 machte Paul Daimler die erste Reitwagenfahrt von Cannstatt nach Untertürkheim.

Zylinder
1
Bohrung
58 mm
Hub
100 mm
Gesamthubraum
264 ccm
Leistung bei 750 1/min
0,37 kW (0,5 PS)
Höchstgeschwindigkeit
12 km/h

Patent
Das Bild zeigt die Patentzeichnungen für den Reitwagen mit Riementrieb, der offiziell als "Fahrzeug mit Petroleumkraftmaschine" bezeichnet wurde.

Der Reitwagen von 1885- Daimlers Feuerstuhl Skizze

06.08.2010 - http://www.manager-magazin.de/lifestyle/artikel/
0,2828,710396,00.htm
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Von Tom Grünweg  

Dass Gottlieb Daimler das Automobil erfand, ist weithin bekannt, doch dass er auch das erste Motorrad bereits ein Jahr zuvor konstruierte wohl weniger. Eine Fahrt mit dem legendären Reitwagen an traditionsreichem Ort.

Bad Cannstatt - Bis eben war es noch beschaulich und romantisch im Kurpark von Bad Cannstatt. Doch nun stört Michael Plag das Idyll. Der Mechaniker hantiert an einem merkwürdigen Gefährt, das stinkt und qualmt, manchmal Flammen spuckt und nervtötend tuckert. Neugierig, aber auch vorsichtig blicken Passanten dem Daimler-Mitarbeiter über die Schulter.

So ähnlich muss es gewesen sein vor 125 Jahren, als genau an dieser Stelle genau diese Maschine zum ersten Mal zum Leben erweckt wurde. Denn was heute der Kurpark ist, das war damals der Garten von Gottlieb Daimlers Villa. Der weiße Pavillon war die Werkstatt von Daimler und seinem Partner Wilhelm Maybach. Und was dank Plags kundiger Hand allmählich warmläuft, ist der legendäre Reitwagen - das erste Motorrad der Welt, das Gottlieb Daimler am 29. August vor 125 Jahren zum Patent anmeldete.

Auch wenn die Fahrleistungen Lichtjahre von dem entfernt sind, was man heute von Motorrädern kennt, ist der Reitwagen ein echter Feuerstuhl. Denn wenn Plag vor dem Starten des aufrecht stehenden Einzylindermotors das Glührohr mit einer Lötlampe vorheizt, wird der Sitz des Gefährts gefährlich warm. Und dass während der Fahrt immer wieder mal Flammen zwischen den Beinen des Fahrers hochzüngeln, ist völlig normal. "Es passiert zwar immer seltener, aber kleinere Verbrennungen gehören beim Umgang mit dem Reitwagen einfach dazu", sagt Plag, der im Mercedes-Classic-Center arbeitet.

Läuft der heiße Ofen erst einmal rund, erwartet den Zeitreisenden im Park der "Gottlieb Daimler Gedächtnisstätte" ein abenteuerlicher Ritt. Die Sitzposition ähnelt der sprichwörtlichen "Affe auf dem Schleifstein"-Haltung, die Balance zu wahren ist trotz der ungewöhnlichen Stützräder nicht ganz einfach; mit einer Hand wird die dünne Lenkstange gehalten. Die andere krallt sich um den Fahrhebel auf dem Rahmen, an dem ein Seilzug befestigt ist. Zieht man den heran, spannt sich ein Lederriemen und überträgt - ähnlich wie heute noch bei jeder Harley - die Motorkraft aufs Hinterrad. Drückt man ihn nach vorn, löst sich der Riemen und es drückt nun eine riesige Bremsbacke gegen das Rad aus Eschenholz.

Foto
Immer wieder in den vergangenen 125 Jahren wurde der Reitwagen - das Original von Gottlieb Daimler verbrannte im Jahr 1903 beim Brand in Cannstatt - als einer der entscheidenden Entwicklungsschritte hin zum Automobil nachgebaut und präsentiert

Beschleunigung mit einem halben PS

Wackelig rumpelt der Reitwagen auf eisenbeschlagenen Rädern im flotten Schritttempo über Kieswege. Aus einem Zylinder von der Größe eines kleinen Bierglases (Hubraum 264 ccm) entwickelt der Motor ungefähr ein halbes PS und beschleunigt den Reitwagen auf vielleicht 10 oder 15 Kilometer pro Stunde. Es gibt auch ein zweites Ritzel, das Plag als Schnellgang bezeichnet, doch damit soll heute nicht experimentiert werden.

Schon bei der Kriechfahrt läuft der Mechaniker neben dem Probanden auf dem Reitwagen her wie ein Vater neben einem Kind, das zum ersten Mal auf einem Fahrrad sitzt. Mit jedem Meter auf dem Reitwagen wächst der Respekt vor Daimlers Sohn Paul, der 1885 die Jungfernfahrt von der Familienvilla zur Fabrik nach Untertürkheim absolvierte; hin und zurück sind das etwa sechs Kilometer.

Der Reitwagen, den wir heute fahren, sieht zwar nach Gründerzeit aus, ist aber relativ jung. Das Original von 1885 wurde bei dem verheerenden Werksbrand von 1903 zerstört. In der Folge ließ Mercedes den Reitwagen immer mal wieder nachbauen, doch in Fahrt kam Daimlers Feuerstuhl erst wieder bei den Vorbereitungen für das hundertjährige Jubiläum vor 25 Jahren.

Reitwagen

Der Reitwagen gilt als Meilenstein

"Damals wurden zehn Fahrzeuge rekonstruiert, von denen neun als Ausstellungsstücke und eines zum Fahren gedacht war", sagt Plag und schiebt den einzig fahrbereiten Reitwagen vor die weiße Gartenlaube.

Rund anderthalb Jahre bastelten ein Kutschenbauer aus dem Schwarzwald, ein Feinmechaniker aus Stuttgart und das Team des Mercedes Classic Centers, um aus Eschenholz, Bronze, Messing und Leder das 90 Kilo schwere Vehikel zu rekonstruieren, für das ein Modell aus dem Jahr 1903 Pate stand.

Für Mercedes ist der Reitwagen ein Meilenstein; die Schwaben feiern ihr Gefährt "als erstes von einem Menschen kontrolliertes Straßenfahrzeug mit Verbrennungsmotor". Doch der hölzerne Einsitzer war eigentlich nur ein Erprobungsmodell und Wegbereiter für Benz' Motorwagen vom Januar 1886 und die erste vierrädrige Motorkutsche, die Daimler wenige Monate später vorstellte.

"An eine Produktion hat Daimler damals nie gedacht," sagt Mercedes-Classic-Sprecher Josef Ernst. Obwohl die Idee des Motorrads für die Minimalmobilität zwischen den beiden Weltkriegen im Unternehmen noch einmal aufkam, blieb Mercedes bei vier Rädern.

Für den Pariser Autosalon im Oktober hat Firmenchef Dieter Zetsche nun jedoch ein Zweiradkonzept für den Stadtverkehr avisiert. Mit dem Reitwagen hat das neue Modell allerdings nichts mehr gemein: Denn das erste Daimler-Zweirad nach 125 Jahren wird elektrisch fahren.

Maybach
Daimler

Eschenholz und Leder: Rund 90 Kilogramm wiegt der Reitwagen, der von einem Einzylinder-Viertaktmotor angetrieben wird. Der wird aufgrund der stehenden Zylinderposition und der daraus resultierenden Form auch als Standuhrmotor bezeichnet.

10.November 1885:
Der Daimler Reitwagen fährt von Cannstatt nach Untertürkheim

Quelle: www.media.daimler.com
Der Reitwagen ist der wichtigste Vorreiter der individuellen Mobilität auf dem Weg zum Automobil
Zugleich ist er der rollende Beweis für die Leistungsfähigkeit des schnell laufenden Verbrennungsmotors

Stuttgart – Am 10. November 1885 fährt der Daimler Reitwagen erstmals eine längere Strecke in der Öffentlichkeit: Gottlieb Daimlers Sohn Paul bewältigt mit ihm den rund drei Kilometer langen Weg von Cannstatt nach Untertürkheim. Was aus heutiger Sicht ein Katzensprung ist, war damals eine Großtat. Denn der Reitwagen ist das erste Fahrzeug mit einem schnell laufenden Verbrennungsmotor und somit der direkte Vorläufer des Automobils.

Ein Jahr später baut Daimler dann sein erstes Motorfahrzeug mit vier Rädern. Gottlieb Daimler und Carl Benz gelten als Erfinder des Auto­mobils. Carl Benz erhält am 19. Januar 1886 das Patent Nr. DRP 37 435 für seinen Patent-Motorwagen, das als Geburtsurkunde des Automobils gilt.

In der Summe seiner Eigenschaften ist der Reitwagen der wichtigste Vorreiter der individuellen Mobilität, wie sie seitdem das Automobil in Bestform ermöglicht. Er ist der rollende Beweis, dass der Verbrennungs­motor ein Straßenfahrzeug antreiben und dass ein Mensch diese Maschine vollständig kontrollieren kann. Er macht sich die Maschine mit dem Ziel der Fortbewegung vollständig untertan – im Reitwagen sogar bildlich: Der Fahrer sitzt auf dem Motor und umschließt diesen gleichermaßen. Allein über wenige Hebel ist er in der Lage, das Fahrzeug in Gang zu setzen. Damit hat der Reitwagen eine große Signalwirkung, die bis in die heutige Zeit fortwirkt.

Eine weiteres bedeutsames Signal setzt der Reitwagen zudem mit seiner Kompaktheit: Er nutzt den damals kleinsten und leistungsfähigsten Verbrennungsmotor, der problemlos in einem Zweirad unterzubringen ist – ein kleineres Fahrzeug mit Verbrennungsmotor als den Reitwagen konnte man damals nicht bauen.

Die wichtigste Voraussetzung für den Reitwagen, zugleich das erste Motorrad der Welt, ist Gottlieb Daimlers Viertakt-Einzylindermotor, den er am 3. April 1885 zum Patent anmeldet – ein Meilenstein der Technik­geschichte, denn das Aggregat ist klein und leistungsfähig, verglichen mit den damaligen Verbrennungsmotoren für den Stationärbetrieb. Daimler hingegen hat vor allem die mobile Verwendung vor Augen. Er meldet den Reitwagen mit einer „Gas- oder Petroleum-Kraftmaschine“, wie es in der Patentschrift heißt, am 29. August 1885 zum Patent an (DRP Nr. 36 423, ausgegeben am 11. August 1886).

Der Reitwagen ist der rollende Beweis, dass die Verbrennungsmaschine ein vom Menschen kontrolliertes Straßenfahrzeug antreiben kann. Zudem zeigt er auf eindrucksvolle Weise, wie klein und leistungsfähig der Daimler-Motor ist: Der Reitwagen ist ein sehr kompaktes Fahrzeug – eine wichtige Botschaft angesichts der voluminösen Stationär-Verbren­nungsmotoren der damaligen Zeit.

Zwei Erfinder – eine Idee
Die Gründerväter der Daimler AG, Gottlieb Daimler in Cannstatt und Carl Benz in Mannheim, arbeiten Ende des 19. Jahrhunderts an der identischen Fragestellung: der Erfindung eines Fahrzeugs, mit dem man unabhängig beispielsweise von Pferdekraft unterwegs sein kann. Sie tüfteln, ohne vom anderen zu wissen, vermutlich haben sie sich persönlich auch nie kennengelernt. Zwischen ihren Wirkungsstätten liegt eine Wegdistanz von rund 120 Kilometern – Ende des 19. Jahrhunderts mindestens eine Tagesreise.

Sie erreichen das Ziel fast zeitgleich mit unterschiedlichen Lösungen: Benz baut seinen dreirädrigen Patent-Motorwagen, für den er am 29. Januar 1886 das Patent DRP Nr. 37 435 erhält. Von Daimler kommt kurze Zeit später der erste vierrädrige Kraftwagen, indem er seinen Verbrennungsmotor, der im Reitwagen die Bewährungsprobe bestanden hatte, in ein Kutschgestell einbaut.

Daimler verfolgt die Vision der umfassenden Motorisierung diverser Fahrzeuge, zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Schon früh demonstriert er die universellen Einsatzmöglichkeiten des Motors, beispielsweise 1887 in einem Boot, 1888 im Luftschiff von Friedrich Hermann Wölfert. Aber auch Benz ist rege: Er stellt ebenfalls im Jahr 1887 sein erstes Motorboot fertig, Flugmotoren folgen später. Da hat bei beiden die Serienfertigung von Automobilen bereits begonnen.

MuseumMB-Museum
125 Jahre Motorrad - am Mercedes-Benz Museum 2010 - Fotos: Enslin
StandardMB-Museum
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