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LautenschlagerRennfahrer Christian
Lautenschlager

Stuttgarter Zeitung vom 8.1.2004

GERHARD RAFF

GERHARD RAFF


Unser Kolumnist erinnert an den seinerzeit weltberühmten Mercedes- Rennfahrer Christian Lautenschlager. Er ist vor 50 Jahren in Untertürkheim gestorben.







Christian Lautenschlager aus Stuttgart ist der erste erfolgreiche Mercedes-Rennfahrer gewesen.
Foto: Archiv Daimler Classic

Christian Lautenschlager siegte am 7. Juli 1908 auf einem Mercedes 140 PS beim Großen Preis von Frankreich in Dieppe. Er legte die 769,88 Kilometer in 6 Stunden, 55 Minuten und 43 Sekunden zurück, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 111,1 km/h entspricht. Die Plätze zwei und drei belegten Victor Héméry und René Hanriot auf Benz. Den Rundenrekord stellte allerdings Otto Salzer auf einem Mercedes 140 PS auf.

Rennfahrer Christian Lautenschlager

Wiewohl mir Wirteberger die weltweit besten Automobile bauet von altersher, ka mr die berühmte Rennfahrer aus onserm Wirteberg an oiner Hand uffzähle: Da war der Karl Kling, der Kurt Adolff, der Hermann Lang, der Hans Herrmann. Ond ganz vorne dra en dr Poulposischen isch der Christian Lautenschlager.

Sei Vatter isch der Schuhmacher (!) Johannes Lautenschlager gwä ond sei Muetter des Häfnerstöchterle Elisabethe Barbara Dorothea Wolbold, ond dui hat ihn am 13. April 1877 en Magstadt uff d'Welt bracht. Dort isch'r au en d'Schuel gange ond nach dr Konfirmation hat'r en Stuegert a Schlosserlehr gmacht, ond des isch alleweil koi Honigschlecke gwä. Ond wien'r ausglernt ghet hat, isch'r uff d'Walz gange ond bis nach Zürich ond Luzern komme, ond schließlich hat der schwäbische Schlossergsell bei de Sachse gschafft, en Chemnitz en're Fahrradfabrik.

Dieppe 1908
Foto: Archiv Daimler Classic

Da hat ihn anno 1899 dr Gottlieb Daimler no höchstpersönlich wieder nach Wirteberg gholt ond ihn bei sich als Monteur einstellt. Ond anno 1905 hat ihn der geniale Wilhelm Maybach oigehändig zom „Meister in der Fuhrabteilung" befördert, ond isch so au mit für die Rennauto zueständig gwä.

Em Jahr druff darf'r scho als Bordmechaniker em Rennwage vom Otto Salzer (1874-1940) beim V. Internationale Ardennen-Rennen mitfahre ond 1907 beim Kaiserpreis em Taunus.

Die Mercedes aber send net arg erfolgreich gwä ond em Ziel drherkomme wie de alt Fasnet. Ond dr Daimler hat emmer weniger Karre verkauft ond Kurzarbeit eigführt. Da hat dem mittlerweil verstorbene Gottlieb sei Jonger, der Technische Direkter Adolf Daimler, den Lauteschlager selber ans Steuer vom Rennwage glasse ond hat ihm 40 000 Reichsmark verspreche, wenn'r je den Großen Preis von Frankreich gwennt. A Wahnsinnsgeld isch des scho selbichsmol gwä, denn da hätt'r sich seinerzeit genau 80 000 Quadratmeter Bauplatz em Sonneberg drfür kaufe könne...

1908
Rennplakat von Henri Rudaux zum 3. Großen Preis von Frankreich am 7. Juli 1908.
Sieger ist Christian Lautenschlager auf Mercedes 140 PS,
die Plätze zwei und drei belegen Victor Hémery und René Hanriot jeweils auf Benz 120 PS.

Ein Rennwagen mit 140 PS

Der Große Preis von Frankreich isch zu dere Zeit des oinzige Grand-Prix-Renne gwä ond bsonders wichtig für den Omsatz. Ond da hat onter anderem au dr Benz, dr Opel, dr Renault, dr Panhard ond Fiat mitgmacht. Ond em Gottlieb sei andrer Jonger, der Paul Daimler, der hat dem Christian extra en Karre mit 140 PS konstruiert.

Mit dem goht'r anno 1908 en Dieppe an de Start ond fahrt halt au mit Köpfchen, ond scho nach dr Hälfte vom Renne liegt'r ganz vorne, ond trotz fuffzehn Roifewechsel kommt'r mit neun Minute Vorsprung als Erster ens Ziel.

Ond die ganze 350 000 Zuschauer jublet dem schnelle Schwabe zue, ond der „Überraschungs- sieger Lautenschlager ist mit einem Schlage weltberühmt". Ond jetz isch dr Daimler saniert, denn jeder Krethi ond Plethi mit Geld uff dere Welt will seiterher au so en klasse Karre, ond en Onderdirkne könnet se jetz dui Produktion fast verdreifache. Ond se hend's gar nemme needich, dass se bei dene teure, lebensgfährliche ond gschuckte Wettrenne da mitfahret.

Erst anno 1914, kurz bevor des gradso grausame wie sinnlose Völkerschlachte vom Erste Weltkrieg afangt, machet se wieder mit beim Grand Prix, desmol en Lyon.

Ond es kommt zom große Zwoikampf zwischen dene zwoi große altwirtebergische Automobilfabrike, nämlich zwische Peugeot (Sochaux bei Mömpelgard) ond Daimler (Onderdirkheim bei Cannstatt).

Dieppe, 7. Juli 1908
Großer Preis von Frankreich bei Dieppe, 7. Juli 1908. Die Fahrer und Fahrzeuge der Mercedes-Mannschaft (von links nach rechts): Christian Lautenschlager (Startnummer 35), Otto Salzer (Startnummer 19) und Willy Pöge (Startnummer 2)
Foto: Archiv Daimler Classic

Sieg kurz vor Schluss

LautenschlagerOnd dr Christian „erwies sich als der beste Taktiker" ond lässt dene Peugeot astandshalber fast des ganze Renne über de Vortritt. Erst drei Ronde vor Schluss überholt'r die wirtebergische Franzose ond gwennt mit anderthalb Minute Vorsprang, ond dr Zwoite ond dr Dritte isch au en Daimler, ond so ebbes hat's no nie gebe ...

Wege dem Krieg isch'r aber erst wieder anno 22 bis 24 Renne gfahre, en Indianapolis ond en Italia bei dr Targa Florio, aber nemme uffs Trepple komme.

Seit 1900 isch'r mit dem Maurerstöchterle Katherine Maria Steegmüller gheirat gwä, ond wie dui 1914 gstorbe isch, hat'r em Jahr druff dui Maria, des Madie vom Schuelmoister Georg Friedrich Harm ond seiner Maria Dorothee, geborene Gohl aus Degerlocher Uradel, zom Weib gnomme. Hat mit dene zwoi zamme siebe Kender ghet, ond oiner von seine drei Buebe isch der Schriftsteller Otto Lautenschlager.

Am 3. Januar 1954 isch'r en seim Haus en Onderdirkne an „Herzlähmung" gstorbe ond uff dem Kirchhof en Wange am Necker liegt „der erste bedeutende deutsche Rennfahrer" jetz vergrabe. „Er hat mit seinen beiden Grand-Prix-Siegen den Weltruf von Mercedes begründet."


Fotos: Daimler-Classic Archiv

Christian Friedrich Lautenschlager
Sieger des Grand Prix Frankreich 1908
Sieger des Grand Prix Frankreich 1914
* 13.04.1877 in Magstadt
† 03.01.1954 in Untertürkheim

1908 Die drei Sieger des Grand Prix von Frankreich 1914 im Werk Untertürkheim der DMG
Wagen 28: Christian Lautenschlager - Wagen 39: Otto Sulzer - Wagen 40: Louis Wagner

Ausschnitte als Kopie der ehemaligen Website www.seelberg.de von Mark F. Ulmer

Mein Ur-Urgroßvater - der schwäbische Rennfahrer

von  Mark F. Ulmer
1908 Deppe
Lautenschlager am Steuer beim Grand Prix in Frankreich 1908 bei Dieppe.

Christian Lautenschlager war ein berühmter Rennfahrer bei Daimler-Benz
und wurde zweimal in Frankreich Grand Prix Sieger:

1908 bei Dieppe und
1914 in Lyon.

Noch heute denken viele Insider an den großen Rennfahrer der 20er Jahre zurück.
Im Mercedes-Benz Museum kann man heute noch seinen Rennwagen besichtigen.

> Das Rennen < - > Porträt<

1914
Christian Lautenschlager und Beifahrer Hans Rieger mit Mercedes 115-PS Grand-Prix-Rennwagen.
Sieger beim Großen Preis von Frankreich bei Lyon, 4. Juli 1914.

Lautenschlager und sein Rennwagen

1908
Lautenschlager und sein Rennwagen

1906 nahm mein Ur-Urgroßvater Christian Lautenschlager zum ersten Mal als Mechaniker an einem großen Rennen teil. Und zwar auf der Internationalen Ardennen-Rennen bei Bastogne/Belgien.

1907 war er ebenfalls als Mechaniker an der Kaiserpreisfahrt beteiligt, die im Taunus stattfand. Er war damals kein Neuling mehr im Rennsport, als er am 7. Juli 1908 die selbständige Führung eines Rennwagens im großen Preis von Frankreich bei Dieppe anvertraut bekam.

1908 Laut + Meckle
Großer Preis von Frankreich bei Dieppe, 7. Juli 1908:
Der spätere Sieger Christian Lautenschlager und sein Mechaniker Meckle auf einem Mercedes 140 PS.

Schon in der zweiten Runde des Rennens hatte er die Führung, die er sich nicht mehr abnehmen ließ, bis er das fast 770 km lange Rennen als Sieger beenden konnte. Die beste Leistung von Christian Lautenschlager war seine Siegfahrt im Grand Prix von Frankreich 1914 in Lyon.

Dieses Rennen fand am 4. Juli 1914 statt. Es waren 57 Wagen beteiligt. Die ersten 5 Runden lag Max Sailer mit seinem Mercedes in Führung. Christian Lautenschlager überholte ihn erst in der 18. Runde, dank seiner schwäbischen Zähigkeit. Mein Ur-Urgroßvater gewann dieses große Rennen, Zweiter wurde Louis Wagner aus Paris und Dritter Otto Salzer aus Stuttgart-Obertürkheim.

1908Da die Reaktion der Zuschauer auf die Mercedes Mannschaft ziemlich gereizt war, beschlossen die Fahrer, Lyon möglichst schnell zu verlassen.

Am 4. August 1914, also einen Monat später, begann der 1. Weltkrieg. Nach dem Kriege beteiligte sich Christian Lautenschlager noch an der Targa Floric 1922 und 1924 (zehnter und neunter). Mein Ur-Urgroßvater hat wenig Rennen gefahren, aber er kann ohne Zweifel als der erfolgreichste deutsche Vorkriegs-Rennfahrer angesehen werden, da er zweimal die Siegeslorbeeren des damals bedeutendsten Rennens der Welt, des großen Preises von Frankreich, erringen konnte.

1923 war er in Indianapolis (US-Bundesstaat Illinois) mit von der Partie. 1925 fuhr er sein letztes Rennen, das in Palermo stattfand. Sein Beifahrer war Wilhelm Traub. Als er 1925 keine Rennen mehr fuhr, war er bei Daimler-Benz noch bis zum Jahre 1936 als Fahrmeister tätig.

1908
Grand Prix 1908

Biografie von Christian Lautenschlager

Vater:  Johannes Lautenschlager (1836-1891)
Mutter: Elisabeth Barbara Dorothea Lautenschlager, geb. Wolbolg (1837-1897)


LautenschlagerChristian Friedrich Lautenschlager (1877-1954)

1877: Christian Lautenschlager wurde am 13. April in Magstadt Krs. Böblingen geboren.
18??:  Lehre als Schlosser in Stuttgart.
1897: Tod der Mutter. Nach seiner Heimkehr wird er Soldat.
1899: Er war bei dem Kaisermanöver dabei, anschließend ging er zur Daimler-Motoren-Gesellschaft nach Cannstatt und arbeitete dort als Mechaniker.
1900: Am 16. April heiratete er Katharine Maria Steegmüller. Aus dieser Ehe gingen zwei Jungen und drei Mädchen hervor.
1905: Ernennung zum Fahrmeister
1906: Er nahm zum ersten Mal an einem großen Rennen teil.
1908: Er gewann am 7. Juli 1908 den Großen Preis von Frankreich bei Dieppe.
1914: Am 4. Juli gewann er zum zweiten Mal den Großen Preis von Frankreich in Lyon.

1914: Seine erste Frau starb am 28. Juli 1914 auf der Insel Reichenau an einem Herzschlag.
1915: Zweite Ehe: Christian Lautenschlager heiratet die Lehrerstochter Maria Harm.
Aus dieser Ehe gingen ein Junge und ein Mädchen hervor.
1925: Er fuhr sein letztes Rennen in Palermo.
1954: Christian Lautenschlager starb am 3. Januar in Stuttgart-Untertürkheim an einer Darmkrankheit im Alter von 76 Jahren.

Christian mit
Lautenschlager mit Jakob Kraus - Archiv Daimler Classic

Literatur:

Jörg Thomas Födisch, Michael Behrndt, Matthias Behrndt
100 Jahre deutsche Rennfahrer
200 Seiten, ca. 350 größtenteils farbige Abbildungen, 275 x 245 mm, gebunden mit Schutzumschlag, 39,90 Euro Heel-Verlag, Königswinter
ISBN: 978-3-86852-042-2

Literatur:

Hartmut Lehbrink
Mercedes-Benz Rennfahrer-Lexikon
256 Seiten, ca. 350 teils farbige Abb., 217 x 275 mm, gebunden, 29,90 Euro, Heel-Verlag, Königswinter
ISBN 978-3-86852-103-0

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