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(5) Evangelische Stadtkirche St. Germanus von 1478
Grieshaberwand von HAP Grieshaber >Die Josefslegende <

Evangelische Stadtkirche St. Germanus von 1478

Die Herkunft des Namens "St. Germanus" ist ungeklärt.
Erbaut 1493/94, gotischer Umbau 1478, 1634 zerstört, 1654 - 56 wieder aufgebaut, 1803 durch wesentlichen Umbau erweitert, 1967 - 70 restauriert, durch HAP Grieshaber (Altarwand "Josefslegende" von 1970) und Ulrich Henn ausgestattet (Altarkreuz, Taufsteinaufsatz und Eingangstür).
StadtkircheStadtkirche
Evangelische Stadtkirche St. Germanus in der Trettachstraße 3

Öffnungszeiten:
Winter 08:30-17:00 Uhr - Sommer 08:30-18:00 Uhr (über west. Haupteingang)

1289 wurde die hiesige Kirche zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Keramikteile, die auf dem Kirchhof gefunden wurden und vermutlich aus dem 13. und 14. Jahrhundert stammen sowie Baureste einer Kirchenanlage lassen schließen, dass das erste Kirchengebäude nicht vor dem 11. Jahrhundert errichtet worden ist.
Fresken Foto: Enslin
Bei der Renovierung 1970 wurden Fresken aus dem 16.Jahrhundert freigelegt

1475 war "ein überaus volles fruchtbares Jahr, in allem der Überfluss, guter Wein und viel Korn". Der Chronist schreibt 1478: "Was Wunder, dass nach einer Reihe von weiteren guten Jahren die Untertürkheimer Lust und den Mut bekommen, als bleibendes Dankesopfer zu Gottes Ehre eine neue Kirche zu bauen, etwas erhöht über der Eßlinger Landstraße, mit Mauern umgeben, die durch Tore verschlossen sind." Mit dem Bau der neuen Kirchenanlage wurde Untertürkheim wohl auch zum selbstständigen Pfarrort.

StadtkircheNach der 1535 landesweit eingeführten Reformation durch Herzog Ulrich, wurde bereits ein Jahr später Balthasar Wolleb zum ersten evangelischen Pfarrer der hiesigen Gemeinde ernannt.

1634 fielen schwedische Regimenter über das Land her. 280 Gebäude im Ort und die Kirche wurden Opfer der fürchterlichen Brandschatzung. Erst im Jahre 1642 konnte mit dem Wiederaufbau des zerstörten Kirchengebäudes begonnen werden. Die nötigen Mittel mussten vor allem durch Spenden erbracht werden.

1803 gab es eine "Neuordnung des Besitzes der Kirchenstühle: Männerstühle kosten 1 Gulden 30 Kreuzer und Weiberstühle nur einen Gulden".

1905 erhielt die Kirche eine elektrische Beleuchtung und die Orgel einen Elektro- antrieb.


Mehr Details hier:
www.stadt-wallmerkirche-untertuerkheim.elk-wue.de

Siehe auch
www.gartenstadtkirche.de
www.kantorei-untertuerkheim.de

Bergpredigt
Carl Schmauk, 1932, Untertürkheimer Bergpredigt mit der Stadtkirche im Hintergrund

Alte InnenansichtDie "Untertürkheimer Bergpredigt" gemalt vom Untertürkheimer Carl Schmauk entstand im Jahre 1932 und schmückte bis zum Zweiten Weltkrieg als Kolossalgemälde in der Größe von 2,5 x 4,5 Metern den Innenraum der evangelischen Stadtkirche (Bild links).

In den dargestellten Personen waren in erster Linie Bürger aus Untertürkheim zu erkennen. Eine etwas kleineres Bild dieser Untertürkheimer Bergpredigt befindet sich heute im Kircheninnenraum.




Fresko










Fresken
freigelegte Fresken - Himmelsleiter - Fotos:Enslin

maps
Größere Kartenansicht

Bilder von der Turmbesteigung beim Kirchenfest 11.7.2010

DachKanzel
Dachstuhl mit eingelagerter alter Kanzel
Im Turm: Uhrwerk und Glocken
UhrwerkGlocke

Bilder von der Beinkellerbesichtigung beim Kirchenfest 11.7.2010

BeinkellerKnochenfunde
Beinkeller mit Knochenfunden
Knochern
Hist. Fotos - Knochenfunde vor dem Ausbau des Beinkellers 1970
Bodenfunde von Ausgrabungen rund um die Kirche
FundePorzelanfundeFunde
Fotos: Enslin

HAP Grieshaber > Die Josefslegende <

JosefslegendeEin Kunstwerk von ganz besonderer Bedeutung bietet die evange- lische Stadtkirche heute dem Besucher.
Es ist die vom HAP Grieshaber geschaffene „Josefslegende", die den Kirchenraum ziert und als das Hauptwerk des letzten Lebens- jahrzehnts des Künstlers gilt.

Ein Entschluss im Jahre 1969, den Innenraum der Kirche zu teilen, um zugleich einen Gemeinderaum zu erhalten, machte es erforderlich, eine sechsteilige, neun Meter breite Schiebewand, die mit ihrer Höhe von sieben Metern bis unter die Flachdecke des Kirchenschiffs reicht, einzubauen.

HAP Grieshaber konnte für die Gestaltung dieser Wand gewonnen werden. Sein Vorschlag, den Zyklus „Die Josefslegende" zu schaffen, fand bei den Gremien die erforderliche Zustimmung.
HAP Grieshaber-Bild
Ausschnitte von HAP Grieshaber „Josefslegende" auf der 7x9 Meter großen Altarwand

Man einigte sich, dass Grieshaber Linolschnitte fertigt, die, auf Japanpapier gedruckt, mit Pastellkreide koloriert und auf Aluminiumplatten aufgezogen werden.

In je sechs Darstellungen, die auf jedem der sechs Abschnitte der Wand angebracht sind, entfaltet sich dadurch die Kolonne in einer Bildergeschichte von 36 Abschnitten.

HAP (Helmut Andreas Paul) Grieshaber (1909-1981) gelang es mit einer hervorragenden künstlerischen Arbeit, in dem ihm eigenen Stil dem Betrachter die biblische Geschichte eindrucksvoll zu übermitteln, durch ein Kunstwerk, das weit über seine Zeit hinaus Gültigkeit haben wird.

Öffnungszeiten:
Vorraum täglich geöffnet von 8-18 Uhr (Vorderer Haupteingang)

Josefswand als Geschenk an die Stadtkirche

UNTERTüRKHEIMER ZEITUNG 4.12.2009:
Kirchengemeinde erinnert am 100. Geburtstag an den Maler und Holzschneider „HAP“ Grieshaber


Viele Menschen kennen Untertürkheim wegen des Motorenwerks, andere wegen der guten Weine, wiederum andere wegen eines bedeutenden Kunstwerks: der Josefswand von „HAP“ Grieshaber in der Stadtkirche. Der Maler und Holzschneider von der Achalm hat das Kunstwerk vor 40 Jahren der Stadtkirche geschenkt. Zu seinem 100. Geburtstag wird am Sonntag in der Stadtkirche an Grieshaber erinnert.

Von Mathias Kuhn
Immer wieder stehen Touristen mit einem Stadt- oder Kunstführer am Karl-Benz-Platz. Sie suchen nicht das Mercedes-Benz-Museum, sondern fragen nach der „Grieshaber-Wand“ in der Stadtkirche. Schließlich gehört die Altarwand mit den 36 großen Tafeln zu den wichtigsten Werken, die einer der bedeutendsten deutschen Künstler des 20. Jahrhunderts schuf. Helmut Andreas Paul „HAP“ Grieshaber wurde am 1909 im oberschwäbischen Rot an der Rot geboren, ging in Nagold und Reutlingen zur Schule, legte an der Stuttgarter Kunstgewerbeschule ein Examen ab und setzte seine Studien im Ausland fort. Während der NS-Zeit hatte er Berufsverbot, musste in den Krieg und siedelte sich nach der Kriegsgefangenschaft 1947 auf der Achalm bei Reutlingen an. In den Nachkriegsjahren erwarb er sich den Ruf als einer der bedeutendsten bildenden Künstler Deutschlands. Er erneuerte den Holzschnitt zu einem eigenständigen, monumentalen Wandbild. Dreimal nahm er an der „documenta“ teil. Er erhielt etliche Preise, Retrospektiven würdigten früh seine Bedeutung.

Der Ausstellung „Grieshaber 60“ im Württembergischen Kunstverein hat Untertürkheim die imposante Altarwand zu „verdanken“. Die Stadtkirche wurde von 1968 bis 1970 umgebaut. Eine bedeutende Rolle sollte der 7,5 Meter hohen und 8,5 Meter breiten verschiebbaren Altarwand zukommen. Obwohl die Architekten drängten, konnte sich der Kirchengemeinderat auf keine Gestaltung einigen.

Das Schicksal oder ein Zeichen Gottes sollte helfen. Katharina Eßlinger, die Frau des Stadtkirchenpfarrers, besuchte die Ausstellung „Grieshaber 60“ und überredete ihren Mann und Kirchengemeinderäte die Werkschau anzusehen. Die Überzeugung reifte, dass der Holzschneider von der Achalm der richtige Künstler für die Wand sein könnte. Pfarrer Eßlinger schrieb einen Brief, und nachdem er von Grieshaber wochenlang nichts hörte, fragte er telefonisch nach. Greishaber lud die Untertürkheimer auf die Achalm ein. So erfolgte der Kirchengemeinderatsausflug nach Reutlingen. „Wir waren beinahe auf der Achalm, als uns ein Mann im gelben Regencape herunter winkte, in sein Weinberghaus und Atelier“, erinnert sich Eßlinger.

Nach einer Stunde hatten sich die Untertürkheimer und Grieshaber geeinigt. Statt des von den Untertürkheimern vorgeschlagenen Abrahamsengels, wollte er die Josefsgeschichte für die Schiebewand kreieren. Als die Untertürkheimer nach dem Preis fragten, antwortete der Künstler: „Erstens könntet Ihr des net zahle, ond zweitens mach i koe Gschäft mi am liabe Gott.“ Die Untertürkheimer bezahlten die Unkosten und erhielten einen unbezahlbaren Schatz als Geschenk: Die Josefswand, auf der Grieshaber auf 36 Tafeln die Josephslegende darstellt. „In Zeiten des Nahostkonflikts trat Grieshaber dabei auch für die Aussöhnung von Israel und den Arabern ein“, stellt der spätere Stadtkirchenpfarrer Gustav Zmaila zeithistorische Bezüge klar.

Zum 100. Geburtstag von Grieshaber erinnert Zmaila an das Wirken des Holzschneiders von der Achalm. Am Sonntag, 6. Dezember 2009, hält Zmaila um 17 Uhr in der Stadtkirche den Vortrag „Eine adventliche Betrachtung und Besinnung zu Grieshabers Josefswand“. Irene und Reinald Ziegler untermalen den Abend mit Stücken von Mozart, Vivaldi und Bach.

Ein Poster von der Grieshaberwand Josefslegende
ist hier erhältlich:

weitere evang. Webseiten:
www.gartenstadtkirche.de
www.kantorei-untertuerkheim.de

LITERATUR

  • Die Josefslegende. (Broschiert)
    von HAP Grieshaber (Autor), Thomas Gädecke (Autor), 116 Seiten
    Verlag: Harenberg Kalender; Auflage: 2. Aufl. (1987)
    ISBN-10: 3883795135

UNTERTÜRKHEIMER KANTOREI - gegründet 1892

KANTORAT - LEITUNG

Kantorin Irene Ziegler
70327 Stuttgart
Email:
kantorat@kantorei-untertuerkheim.de

Internet: www.kantorei-untertuerkheim.de

Untertürkheimer Stadtkirche muss saniert werden

UNTERTüRKHEIM: Dachziegel am Turm und Schiff des Wahrzeichens haben sich gelockert - Kosten von über 200 000 Euro

UNTERTüRKHEIMER ZEITUNG 9.4.2008

Von Alexander Müller

Die historische Stadtkirche muss dringend saniert werden. Über die Jahre haben sich am Turm und auch am Gebäude des Untertürkheimer Wahrzeichens die Dachziegel ge- lockert. „Immer wieder fallen Ziegel und einzelne Teile herunter“, sagt der Vorsitzende des Kirchengemeinderats der evangelischen Stadt- und Wallmerkirche, Stefan Glöckler. Auf über 200 000 Euro werden die Sanierungskosten geschätzt.

StadtkircheErst vor vier Jahren wurden die Glocken der Stadtkirche erneuert. Nun steht eine weitere Sanierung an. Überraschend kommt das für die Gemeinde nicht. „Das Problem ist uns schon seit ein paar Jahren bekannt“, sagt Glöckler. Schon damals wurde für die Sanierung des Daches des Hauptgebäudes ein Kostenvoranschlag von 100 000 Euro gemacht. Der Grund ist die mangelhafte Qualität der Ziegel. Obwohl im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört, bedurfte die historische Kirche St. Germanus, so der offizielle Namen, aufgrund der Erschütterungen auch einer Sanierung. Der Bedarf an Ziegeln war zu dieser Zeit enorm. „Deshalb wurden die Ziegel zum Austrocknen nicht im Hof ausgelegt und entwickelten eine leichte Wölbung“, hat sich Glöckler informiert. Die Folgen sind nun zu spüren. Da die Ziegel nicht ganz plan auf dem Dach liegen, sind sie anfällig für Wind und Wetter. Vor allem bei Stürmen dringt der Wind ein und bringt die Ziegel zum Vibrieren. Nach und nach reibt sich so die Nase, die Halterung an den Holzbalken, ab. Bis sich die Ziegel schließlich ganz lösen. „Es entstehen immer wieder Lücken, durch die es hineinregnet“, sagt Glöckler. Provisorisch wurden kleinere Reparaturen durchgeführt. Inzwischen ist laut Dachdecker aber bereits ein kritischer Zustand erreicht.

Bei einer Begehung mit Experten des Oberkirchenrates stellte sich heraus, dass nicht nur der Hauptbau, sondern vor allem der Kirchturm stark angegriffen ist. Der Zahn der Zeit hat an dem Untertürkheimer Wahrzeichen deutliche Schäden hinterlassen. Der gemauerte Teil des Turms wie alle Außenwände wurden 1493 fertiggestellt. „Daher stammt das heutige gotische Aussehen der Kirche“, weiß Glöckler. Hingegen wurde die barocke Turmhaube erst 1746 fertig. Denn nach der Zerstörung im 30-jährigen Krieg musste die Kirche von Grund auf saniert werden. Die erste kleine Kapelle an dieser Stelle wurde aber vermutlich bereits im 10. Jahrhundert errichtet.

Trotz der kleineren Fläche schätzt Glöckler die Kosten für den Turm ähnlich hoch ein wie am Kirchenschiff. „Schließlich ist die Arbeit komplizierter und auch die typisch grün glasierten Ziegelsteine teurer“, erklärt der Leiter des Bauausschusses. So rechnet er mit Gesamtkosten von über 200 000 Euro. Bislang konnte die Stadt- und Wallmergemeinde bereits 70 000 Euro Rücklagen für die Sanierung bilden. Nun soll weiter gespart und gleichzeitig Spenden gesammelt werden. Einen genauen Zeitplan gibt es noch nicht. Dennoch ist Glöckler zuversichtlich, im Herbst mit den Planungen beginnen und im kommenden Jahr mit der Sanierung starten zu können. „Das ist im Augenblick ein realistisches Ziel“. Viele Vereine haben ihre Unterstützung zugesagt. So findet am 27. April um 17 Uhr ein Benefizkonzert des Musikvereins Untertürkheim in der Stadtkirche statt. „Es zeigt die große Bedeutung der Kirche als Wahrzeichen für Untertürkheim“, freut er sich.

Für die Sanierung der Stadtkirche kann gespendet werden an die evangelische Gesamtkirchenpflege Untertürkheim, Stichwort: Renovierung Stadtkirche, an die BW-Bank, Bankleitzahl 600 501 01, Kontonummer 24 72 083
Foto:Enslin

Großer Schritt zur Sanierung der Stadtkirche

Untertürkheimer Zeitung vom 29.6.2010

UNTERTüRKHEIM: Denkmalschützer „segnen“ aufwändige Sanierung des Kirchendaches und des Turmes ab

Von Weitem sieht man Untertürkheims Wahrzeichen die Altersblessuren nicht an. Am Dach und auch am Turm der Stadtkirche haben die Umwelteinflüsse der vergangenen Jahrzehnte genagt. Beide müssen aufwändig saniert werden. Denkmalschützer gaben jetzt ihr Einverständnis. „Ein großer Schritt voran“, freut sich Kirchengemeinderatsvorsitzender Stefan Glöckler.

Von Mathias Kuhn

Der evangelischen Kirchengemeinde Untertürkheim geht es wie manchem Oldtimerfan. Die Kirchengemeinderäte lieben ihr Schmuckstück, die herrliche Stadtkirche. Allerdings müssen sie immer wieder viel Geld in die alte Substanz stecken, damit das Wahrzeichen in seiner Schönheit erhalten bleibt. Vergangenes Jahr ließ die Kirchengemeinde die Uhr samt Glockenspiel aus dem Jahr 1901 wieder auf Vordermann bringen. Kaum tickte das Uhrwerk wieder richtig, gingen die Kirchengemeinderäte die nächste Baustelle an. Das Dach und den Turm. Seit Jahren fegen starke Stürme immer wieder Dachziegel vom Dach und vom Turm - decken Mängel auf. Schuld daran sind weniger die immer orkanartigeren Böen, sondern die Ziegel selbst. Nach den Fliegerangriffen wurde das Dach der Stadtkirche kurz nach Kriegsende neu gedeckt. „In der damaligen Notzeit wurde das Material nicht mit der gewohnten Sorgfalt gebrannt“, ließ sich Glöckler von Experten erklären. Die Auswirkungen zeigen sich heute. Wenn starke Winde die Ziegel aneinanderreiben, platzen Stücke ab. Die Ziegelsteine liegen nicht mehr plan aufeinander. Prekär ist dies bei den „Nasen“, mit denen die Ziegel eingehakt werden. Sind die Wölbungen abgeschlagen, gibt‘s kein Halten mehr. Manch Lücke im Dach und Tonscherben auf dem Boden zeigten sich nach Stürmen. Die Lücken werden zwar unverzüglich geschlossen und das Dach ist dicht, die Generalsanierung des Daches ist aber seit Monaten geplant.

„In den vergangenen Tagen sind wir zwei große Schritte weitergekommen“, ist Göckler erfreut. Zuerst gaben die Denkmalschützer ihr Einverständnis zu einer „denkmalgerechten Sanierung“, zudem startete der Oberkirchenrat die Architektenbeauftragung. Der Umfang der Sanierung ist beachtlich. Relativ glimpflich kommen die Untertürkheimer vermutlich beim Kirchenschiff weg. „Untersuchungen von innen haben gezeigt, dass die Balkenkonstruktion glücklicherweise keine Schäden und keinen Befall durch Holzwürmer aufweist“, so Glöckler. Allerdings müsste die Mehrzahl der Biberschwanz-Ziegel ausgetauscht werden. Dazu wird die Stadtkirche eingerüstet. Diese Möglichkeit werden die Kirchenexperten nützen, um sich den ortsbildprägenden Turm genauer anzuschauen. „Vom Denkmalschutz haben wir den Auftrag, dass wir den Charakter des Turms nicht verändern dürfen“, sagt Glöckler.

Kirchenfest am 11. Juli 2010

Das bedeutet, anders hätten die Untertürkheimer eh nicht entschieden, der Kirchturm behält seine „grüne“ Haube. „Die Dachdecker werden jede grün-glasierte Ziegel überprüfen und gegebenenfalls erneuern“, sagt Glöckler. Im Zuge der Dachsanierung werden Fachleute zudem das Kupferdach, den Wetterhahn und die Zifferblätter unter die Lupe nehmen. Alles in allem rechnet der Kirchengemeinderat mit Kosten in Höhe von rund einer Viertelmillion Euro. Noch fehlen die Zusagen für einen Zuschuss von Seiten der Landeskirche und des Kirchenbezirks. Die Untertürkheimer wissen jedoch, dass die Kirchengemeinde einen erheblichen Anteil zahlen muss. Sie hofft auf Spenden aus der Bevölkerung. Am 11. Juli organisiert sie das erste Gemeindefest rund um die Stadtkirche mit vielen Attraktionen, unter anderem mit Turm- und Beinkellerbesichtigung, Konzerten und interessanten Einblicken.

Stadtkirche bekommt ein neues Dach

UNTERTüRKHEIMER ZEITUNG 12.5.2011: Aufwändige Sanierungsarbeiten beginnen noch vor Pfingsten

Wenn Fußgänger an der Stadtkirche demnächst ihre Blicke gen Himmel richten, hat dies einen irdischen Grund: Dachdecker werden ab Juni in luftiger Höhe ihrem Beruf nachgehen. „Abschnittsweise wird das Dach unserer Kirche mit neuen Ziegeln gedeckt. Gleichzeitig wird der Turm auf Schäden untersucht“, sagt Stefan Glöckler, der zweite Vorsitzende der Stadt- und Wallmerkirchengemeinde.

StadtkircheVon Mathias Kuhn

Die Entscheidung ist gefallen: Vor wenigen Tagen hat der Kirchengemeinderat den Auftrag an einen Dachdeckerbetrieb erteilt. Die Vorbereitungen für die aufwändige Sanierung der Stadtkirche laufen auf Hochtouren. Bereits Ende Mai soll das Gotteshaus eingerüstet werden. Von Anfang Juni bis Mitte August soll dann die Kirche neu eingedeckt werden. „Zuvor müssen wir allerdings noch einmal mit dem Denkmalschutzamt die Art und Farbe der Ziegel abstimmen“, sagt Glöckler. Schließlich soll das stadtbildprägende Gotteshaus seinen Charakter behalten. An dem Austausch der Ziegel führt jedoch kein Weg vorbei. Seit Jahren haben Stürme immer wieder Ziegel vom Dach oder Turm heruntergefegt. Zwar wurden die Lücken unverzüglich gefüllt, das generelle Problem bleibt jedoch: Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Kirchendach teilweise zerstört. Nach Kriegsende wurden die Schäden behoben. „In der damaligen Notzeit wurde das Material aber nicht mit der gewohnten Sorgfalt gebrannt“, so Glöckler. Ziegelfabriken mussten damals die Bausteine fast im Akkord herstellen. Normalerweise wurden die Ziegel einige Tage zum Trocknen gelegt. In der Nachkriegszeit wurden viele Ziegel aus Platzmangel einfach nur hingestellt. Dadurch wurden sie nicht ganz plan. Die Folgen zeigen sich heute. Bei starken Winden reiben die Ziegel aneinander, Stücke platzen ab. Gefährlich wird dies bei den „Nasen“, mit denen die Ziegel eingehakt sind. Sind die Wölbungen abgeschlagen, gibt‘s kein Halten mehr. Die Ziegel rutschen vom Dach.Um größeren Schäden vorzubeugen, lässt die Kirchengemeinde nun die alten gegen höherwertige Biberschwanzziegel austauschen. Der Turm wird sogar mit noch kostspieligeren, grün lasierten Ziegeln verkleidet. Da für die Schwerstarbeit in luftiger Höhe die Kirche eingerüstet werden muss, nutzt die Gemeinde die Möglichkeit, Dach, Fassade und Turm nochmals genauer unter die Lupe zu nehmen. So wird die Verlattung an einigen Stellen auch ausgebessert. „Zudem diskutieren wir gerade mit Experten, wo wir Nisthilfen beispielsweise für Falken anbringen können“, so Glöckler.

Die rar gewordenen Flugkünstler sind doppelt willkommen. Zum Einen, um ihre Art zu sichern, zum Zweiten, um Tauben zu vertreiben. Außerdem sollen Fledermäuse Kirchenasyl erhalten. „Wir schauen, wo es Einfluglöcher für sie geben könnte“, so Glöckler. Nicht nur Dachdecker und Zoologen, sondern auch ein Steinmetz soll das Gerüst nutzen. Er soll locker sitzende Steine am Turm kontrollieren und Epitaphien konservieren. Außerdem stehen das Kupferdach am Turm und der Blitzschutz auf der Prüfliste. „Als letzte Aufgabe wird die Elektrik im Dach erneuert“, sagt Glöckler. Er geht davon aus, dass sich die Sanierungsarbeiten bis August hinziehen. Nach den bisherigen Kostenermittlungen liegt der finanzielle Aufwand bei rund 250 000 Euro. Einen großen Anteil von etwa 30 Prozent übernimmt die Landeskirche aus dem so genannten Ausgleichsstock: Die Kirchenpflege schießt etwas dazu, die Hauptlast trägt jedoch die Kirchengemeinde. „Dank einiger Spendenaktionen und Benefizveranstaltungen haben wir einige Tausend Euro erhalten“, sagt Glöckler. Die Kirchengemeinde benötigt noch Unterstützung. Spenden können auf das Konto der Gemeinde bei der BW-Bank (Bankleitzahl 600 501 01) Kontonummer 247 2083 oder bei der Untertürkheimer Volksbank (BLZ: 600 603 96) Kontonummer 257 001 unter dem Stichwort „Kirchendach“ eingezahlt werden.

900 Quadratmeter Biberschwänze für Stadtkirche

Untertürkheimer Zeitung 22.6.2011: Von Mathias Kuhn
Dach und Turm des Wahrzeichens werden aufwendig saniert

Untertürkheims höchste Arbeitsplätze haben momentan die Mitarbeiter der Firma Rehm inne. Vergangene Woche haben sie das Dach der Stadtkirche abgedeckt. Ein Kranwagen kam zum Einsatz. Jetzt bestücken die Handwerker den Dachstuhl über dem Kirchenschiff mit neuen Latten und decken ihn dann mit Biberschwanzziegeln. Die aufwendigen Arbeiten – auch der Turm wird saniert – dauern bis Ende August.

Der Beginn der Sanierungsarbeiten war weithin sichtbar. Drei Tage lang überragte der rote Arm eines Paulekranwagens die Dächer des Stadtbezirks und zog viele Schaulustige an. ihnen bot sich ein faszinierendes Schauspiel. Neben dem AOK-Gebäude stemmte das Fahrzeug seine Ständer in den Boden. Der lange Arm seines Auslegers reichte bis zum Kirchendach. Jetzt musste der Kranführer eine ruhige Hand beweisen. Immer wieder nahm er eine schwere Bauschuttwanne an den Haken. wenige Sekunden später schwebte sie über die Augsburger Straße, knapp an den Bäumen vor dem ehemaligen Pfarrhaus vorbei aufs Dach. In schwindelerregender Höhe gingen die Mitarbeiter der Firma Rehm auf dem First ihrer Aufgabe nach: Ziegel für Ziegel deckten sie die Fläche überm Kirchenschiff ab – rund 900 Quadratmeter. Das ergibt mehrere hundert Ziegelsteine, die vom Dach müssen. „wenn wir sie über Rutschen entsorgt hätten, hätten wir Tage benötigt“, sagt Emanuel Rehm.

Dem viven Juniorchef kam die Idee mit dem schwebenden Container. Der Versuch gelang: Zielgenau warfen die Handwerker die alten Biberschwänze in die hängende Wanne. „Die Zusammenarbeit per Funk funktionierte perfekt“, so Rehm. Nur im hinteren Bereich der Kirche mussten seine Mitarbeiter die Ziegel mühsam über Stafetten weitergeben und in bereitstehende Wannen werfen. Auch dabei zeigte sich, dass der Austausch der Ziegel unumgänglichwar. Viele waren abgenutzt und marode. Um die Schäden der Fliegerangriffe zu beheben, hatte die Kirchengemeinde das Dach nach Ende des Zweiten Weltkriegs eindecken lassen.

In der damaligen Notzeit mussten die Ziegelfabriken die Bausteine in Akkord herstellen“, sagt Stefan Glöckler, der zweite Vorsitzende der Stadt- und Wallmerkirchengemeinde. Die fehlende Sorgfalt wirkt sich nun aus. Bei starken Winden reiben die nicht ganz planen Ziegel aneinander, Stücke platzen ab. gefährlich wird dies, wenn die „nasen“, mit denen die Ziegel eingehakt sind, abgeschlagen werden. Dann gibt‘s – wie mehrfach geschehen – kein Halten. Die Ziegel donnern zu Boden. „Deswegen werden jetzt alle gegen neue, hochwertigere Biberschwanzziegel ausgetauscht. Das gilt wahrscheinlich auch für einige Ziegel am Kirchturmdach“, sagt Glöckler.

Nisthilfen für Falken

Deswegen werde auch noch der Kirchturm eingerüstet. „Natürlich nützen wir das Gerüst auch, um die Kupferabdeckung am Dach und die Fassade genauer anzusehen“, so Glöckler. mit den Experten des Denkmalamts müsste beispielsweise auch noch die Farbe für den Anstrich am Turm abgesprochen werden. Zudem will die Evangelische Kirchengemeinde Falken eine neue Heimat bieten. „Immer wieder kreisen welche um den Turm. vielleicht können wir sie Dank einer Nisthilfe zum Brüten bewegen“, sagt Glöckler. Doch nicht nur Vögel sind schützenswert. Auch die wertvollen Epitaphien der Stadtkirche werden konserviert. „Sie werden abgenommen und in der Werkstatt des Restaurators konservatorisch behandelt“, erklärt Glöckler. Der finanzielle Aufwand für alle Arbeiten liegt bei 250 000 Euro. „Wir sind im Kostenrahmen, wissen aber nicht, welche Überraschungen der Turm uns noch bietet“, so Glöckler.

Neuer Glanz für Stadtkirche

Untertürkheimer Zeitung 20.8.2011: Von Mathias Kuhn
UNTERTÜRKHEIM: Sanierung des Turms und des goldenen Hahns fast abgeschlossen - Wandtafeln werden konserviert

Architekt Hermann Gaenslen, die Kirchenverantwortlichen und die Handwerker stiegen am Donnerstagabend hoch hinaus. Sie schauten sich den Turm der Stadtkirche und die Sanierungsmaßnahmen von der Nähe an: auf dem Gerüst in 33 Metern Höhe. „Einige Verschönerungen stehen noch aus, aber die Stadtkirche erstrahlt in neuem Glanz“, stellten die Kirchengemeinderäte zufrieden fest.

Das Dach ist neu eingedeckt, der Hahn glänzt wieder durchgehend golden. Turmuhr samt Zeiger haben eine neue Farbe und die Steinmetze fugen einige Stellen aus und sichern „lose“ aufgeklebte Steinplatten.Seit zwei Monaten arbeiten Handwerker auf dem Dach der Stadtkirche oder auf dem Gerüst, hinter dem sich Untertürkheims Wahrzeichen momentan versteckt. Von weitem, aber erst recht von der Nähe erkennen die Passanten aber die Verschönerungen: Das Kirchendach ist bis auf wenige Bereiche, auf denen das Turmgerüst aufsitzt, eingedeckt. „Es sind rund 30 000 neue Ziegel. Auf dem Kirchturm selbst mussten wir nur wenige Ziegel austauschen. Dafür konnten wir Originalziegel, die wir auf dem Dachboden gefunden haben, nutzen“, sagt Emanuel Rehm von der Obertürkheimer Dachdeckerfirma. Seine Mitarbeiter haben in einer Öffnung des Glockenturms zudem zwei Nistkästen für Falken angebracht. „Wir wollen schließlich etwas für den Naturschutz tun“, sagt Stefan Glöckler, der stellvertretende Vorsitzende der Stadt- und Wallmerkirchengemeinde. Mit den Mitstreitern des Bauausschusses und Hermann Gaenslen vom Architekturbüro Tiemann-Petri und Partner, schaute er sich am Donnerstag die Arbeiten aus der Nähe an und beriet die Restarbeiten. „Am Hahn auf der Kirchturmspitze haben wir noch einige Abplatzungen festgestellt, die der Maler mit Gold ausbessert“, berichtet Gaenslen. Dafür zeigte sich das grüne Kupferdach an der Kirchturmhaube in guten Zustand. Die Umweltverschmutzung in den 70er- und 80er-Jahren hat ein paar schwarze Stellen hinterlassen. Sie werden im Laufe der kommenden Jahre wieder verschwinden. Auch mit der neuen Farbe der Zeiger und des Zifferblatts der Kirchturmuhr zeigten sich die Bauexperten zufrieden. Sie harmonieren mit den neuen Ziegeln und den Farbtönen, die ein Restaurator auch für die Simse, die Gaupen, die Putzfassade und Schallläden nach historischem Muster ausgewählt hat. „Es ergibt wieder ein harmonisches Bild.“

Hahn - Kuhn
Inspektion in luftiger Höhe: Bauausschussmitglied Paul Warth (links) von der evangelischen Stadt- und Wallmerkirchengemeinde sowie Architekt Hermann Gaenslen betrachten den goldenen Hahn auf dem Turm der Stadtkirche. Fotos: Kuhn

Steinmetzarbeiten an der Fassade

Kleinere Sorgen bereiteten den Verantwortlichen die Steinplatten, die bei der vorangegangenen Restaurierung des Kirchenschiffs in den 70er-Jahren auf die ursprüngliche Außenfassade aufgebracht wurden und die an manchen Stellen verdächtig „hohl“ klingen, wenn man gegen sie klopft. Steinmetzmeister Thomas Breier hat einige Platten entfernt, um zu schauen, wie sicher sie mit der Fassade verankert sind. Seine Analyse: „Die Steinplatten wurden damals mit relativ wenig Aufwand nur auf die Fassade aufgeklebt und das Füllmaterial nicht vollständig eingefügt. Wir werden sie jetzt neu verfugen und zehn bis 15 Platten, bei denen es dringend notwendig ist, mit Edelstahlstiften in dem historischen Gemäuer verankern und das Füllmaterial mit einem speziellen Restauriermörtel wieder ergänzen“, erklärt der Untertürkheimer Bildhauer. Auch dank der ordentlichen Verfugung entstünden dann keine Spannungen mehr und die Gefahr, dass Steinplatten sich von der Wand ablösen, sei gebannt, bestätigte der hinzugezogene Statiker. Damit ist die Arbeit der Mitarbeiter von Breier & Mack allerdings noch nicht beendet. Denn an der Seitenwand hängen auch noch zwei Epitaphien, die reichlich mitgenommen sind. In Absprache mit den Denkmalschützern haben sich nun Gaenslen und die Bauausschuss-Mitglieder entschieden, die historischen Grabplatten vor Ort konservieren zu lassen. „Wir werden sie nicht, wie zunächst angedacht, abnehmen und in unserer Werkstatt behandeln, sondern wir werden sie am Gemäuer konservieren“, berichtet Breier. Im Gegensatz zur Restauration werden dabei Stellen, die abgeplatzt sind, nicht ergänzt, sondern es werde versucht, das Kunstwerk in dem momentanen Zustand zu erhalten und zu verfestigen. Dazu würde mit Mikromörtel und mit Kieselsäure-Esther gearbeitet. Ähnlich werden die Untertürkheimer Steinmetze auch bei der Nebeneingangstür unterhalb des Turms vorgehen, an dem die Ornamente konserviert werden.

„Insgesamt haben wir unser Schmuckstück im Ortskern für die kommende Generation fit gemacht und auch herausgeputzt“, so Glöckler. Er ist mit dem Verlauf des Kraftakts hochzufrieden. „Wir liegen im Zeit- und Kostenplan. Es gab keine Unfälle und keine bösen Überraschungen“, so Gaenslen. Er rechnet damit, dass die meisten Arbeiten Ende September abgeschlossen sind.

Steinmetzarbeiten runden Kirchensanierung ab

UNTERTüRKHEIMER ZEITUNG 16.11.2011: Restaurierung der Grabtafeln und der geschnitzten Eingangstür beenden Arbeiten am Wahrzeichen

Im Sommer bemerkten die Passanten die Restaurationsarbeiten an der Stadtkirche von Weitem: Der Turm war eingerüstet, ein Kran hievte Ziegel aufs Dach. Von den gegenwärtigen Aktionen zum Erhalt des Untertürkheimer Wahrzeichens bekommen nur wenige etwas mit: Die schon stark verwitterten Grabtafeln an den Außenmauern werden gerettet, vor weiterem Verfall geschützt. Zudem wurde die mit Schnitzereien geschmückte Eingangstür gerichtet.

Von Mathias Kuhn

Mit dem zu Ende gehenden Jahr können Stefan Glöckler und seine Mitstreiter vom Bauausschuss der evangelischen Stadt- und Wallmergemeinde durchschnaufen. Die Sommer- und Herbstmonate standen im Zeichen der aufwendigen Sanierung der Stadtkirche. Das mehrere hundert Jahre alte Wahrzeichen im Herzen Untertürkheims benötigte dringend eine „Generalüberholung von Kopf bis Fuß“. Ein Mammutprojekt - finanziell wie logistisch. Wie sollen Hunderte neue Dachziegel auf das Kirchendach kommen? Wie bekommt die Kirchturmuhr in 25 Metern Höhe wieder Farbe auf die Ziffern? Mit Staunen beobachteten Passanten wie im Frühsommer die Stadtkirche rundum eingerüstet wurde - fast bis zum Hahn auf der Kirchturmspitze. Noch mehr Neugierige beobachteten, wie Paletten voll Ziegel mit einem Kranwagen aufs Kirchendach gehievt wurden und Dachdecker, die sich galant wie Eichhörnchen in luftiger Höhe auf den Dachlatten bewegten, Quadratmeter um Quadratmeter die Dachflächen eindeckten. Zeitgleich machten sich damals die Steinmetze der Firma Breier & Mack an die Arbeit. Damals sicherten sie Steinplatten, die den Halt zu verlieren drohten. Sie waren vor rund 40 Jahren auf die historische Kirchenmauer aufgebracht worden. An einigen Stellen hatten sie die Verbindung zum Gemäuer verloren, drohten herunterzufallen. Dank der Arbeit der Steinmetze „sitzen“ sie nun wieder fest. Bei den jetzigen Arbeiten benötigen Thomas Breier und Steinmetz Frederic Sandner eher Fingerspitzengefühl und ein gutes Auge.

Rettungsaktion für Grabtafeln

Seit Tagen restauriert Sandner die Epitaphien an der zum Pfarrhaus gelegenen Wand. „Die Grabtafeln stellten einst Wappen dar und waren verziert“, erklärt Breier. Im Laufe der Jahrzehnte haben die steinernen Kunstwerke unter den Umwelteinflüssen gelitten. Die ursprünglichen Konturen sind kaum zu erkennen, die Schrift ist nur schwer zu entziffern. „Unsere Aufgabe ist es, den jetzigen Zustand zu konservieren. Jeder Versuch das Kunstwerk zu rekonstruieren, wäre eine Verfälschung“, sagt Sandner. So sind an einem Wandbildnis die Köpfe der Engel nur fragmentarisch zu erkennen. „Wir können das Originalgesicht nicht wiederherstellen“, sagt der Steinmetz. Ganz vorsichtig injiziert er mit einer Spritze einen Nano-Mörtel in Risse. Die Spalten werden so verfüllt. Zudem werden die Epitaphien mit Kieselsäureester eingelassen. Der Kieselsäureester ersetzt das verwitterte Bindemittel. Ähnlich geht der Steinmetz am Türchen zum Kirchturm vor. Der Schlussstein mit den Wappen wird ebenfalls verkieselt. „Die Arbeiten stehen vor dem Abschluss“, sagt Glöckler.

Eine andere „Baustelle“ ist abgeschlossen: Die Eingangstür hatte sich verzogen. „Auf die schwere Holztür wurde Ende der 60er-Jahre eine Platte mit herrlichen Holzschnitzereien geklebt“, berichtet Bauauschuss-Mitglied Paul Warth. Nässe drang in den Zwischenspalt der beiden Hölzer, die Tür verzog sich. Die Schreiner Michael Braun und Christian Rösner nahmen die Flügel in die Werkstatt mit. „Dort ersetzten wir den Spannstrang, ersetzten die alten Dübel und verleimten und verspannten die Eichentür neu“, sagt Michael Braun. Die eigentliche Arbeit erwartete die Schreiner erst beim Einbau. Die rund 250 Kilo schweren - nun nicht mehr verzogenen - Türflügel mussten wieder so eingepasst und ausgerichtet werden, dass sie komplett und korrekt schließen. „Es ist gelungen“, freut sich Glöckler. „Mit den Steinmetzarbeiten endet nun eine erfolgreiche Restauration. Zum Einen blieben wir von Unfällen verschont und zudem mussten wir keine unvorhergesehenen Überraschungen erleben, die unser Budget gesprengt hätten“, ist Glöckler dankbar.

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