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Die Widerstandsgruppe Schlotterbeck aus Luginsland

Gedenkplatte am Haus Annastraße 6
Diese neun Menschen aus Stuttgart-Luginsland in der Annastraße 6 (Foto rechts), die dem Faschismus Widerstand geleistet haben, wurden
am 30. November 1944 in Dachau ermordet. ...

Die Namen der Familie Schlotterbeck:
* Maria Schlotterbeck
* Gotthilf Schlotterbeck und
* Tochter Gertrud Lutz, geb. Schlotterbeck

Die Namen ihrer Mitkämpfer:

* Else Himmelheber
* Erich Heinser
* Emil Gärttner
* Sofie Klenk

* Emmi Seitz
* Hermann Seitz

1945 wurden Theodor Seitz und Hermann Schlotterbeck erschossen.

Der Weg dieser Frauen und Männer war geprägt von der unerschütterlichen Überzeugung Widerstand gegen die Nazibarbarei leisten zu müssen. Wir gedenken heute auch den Überlebenden aus der Familie der Widerstandsgruppe Schlotterbeck: Friedrich Schlotterbeck, der sich durch Flucht und Emigration retten konnte.
Auch er wurde inhaftiert im KZ-Lager Welzheim in Baden-Württemberg. Er hat die Geschichte seiner Familie erstmals 1945 noch in Stuttgart niedergeschrieben. „Einst war es ein Haus wie andere auch. Aber jetzt sind die Menschen, die darin lebten tot. Mit einem dreijährigen Kind bin ich übrig geblieben. Die anderen, Vater, Mutter, Schwester, Bruder, Braut und manchen guten Freund hat die Gestapo heimlich und feige ermordet. „Sippenhaft“ nannten sie es.“ Später fasste er seine Erinnerungen aus den Jahren 1933 bis 1945 in seinem Buch „Je dunkler die Nacht, desto heller leuchten die Sterne“ zusammen.

Am 30. November 1969 hielt er die Rede auf der Gedenkfeier zum 25. Jahrestag der Ermordung seiner Familie auf Einladung der Bezirksleitung der IG Metall in der Sängerhalle in Untertürkheim. Er berichtete von seinem Vater, dem Mann, dem Metallarbeiter, dem Gewerkschafter und dem Mitglied der nach ihm benannten Widerstandsgruppe Schlotterbeck. ...

Textausschnitt aus der Gedenkfeier „Stuttgarter im Widerstand - Schlotterbecks, Hummler und Wagner“ Theaterhaus Stuttgart am 21. November 2004 - Jürgen Stamm

Schl1

  • Hochverrat30-seitiges Heft: Friedrich Schlotterbeck
    ... Wegen Vorbereitung zum Hochverrat hingerichtet ...,
    Limes-Verlag Stuttgart, 1945 , Grafik des Umschlages stammt von Ruth Lutz

Der Inhalt befasst sich mit den Machenschaften der Nationalsozialisten, die zum Tod v. Friedrich Schlotterbeck führten ( Dokumente, sowie die abgebildeten Schriftstücke und Photogr. befinden sich im Besitz des Verfassers: Friedrich Schlotterbeck, Stuttgart-Untertürkheim, Luginsland, Annastr. 6 )

Inhalt: Abb.: Geheime Staatspolizei
(aufgeführt sind die wegen Vorbereitung zum Hochverrat hingerichteten:
Gotthilf Schlotterbeck, S-Untertürkheim, Annastr. 6,
seine Frau Maria,
Gertrud Lutz, S-Degerloch, Auf dem Haigst 6,
Erich Heinser, S-Untertürkheim, Stubaierstr. 74,
Emil Gärtner, S-Obertürkheim, Augsburger Str. 601,
Sofie Klenk, S-Untertürkheim, Manfredstr. 17,
Himmelheber Else, S-Heslach, Adlerstr. 24,
E. Seitz, Stuttgart, Wartbergstr. 14,
H. Seitz, Stuttgart, Kanonenweg 174,
Abb. ausgegrabene Leiche v. Hermann Schlotterbeck,  Rentschler einer der Mörder,
Trauerfeier von der Totenhaus, wie Friedrich Schlotterbeck seinen Bruder fand,
Auszug aus der Sonderausgabe zum Deutschen Kriminalpolizeiblatt

Erich Heinser

Über Friedrich SchlotterbeckFrieder

Stuttgarter Wochenblatt 3.9.2009

Der Kommunist und Widerstandskämpfer Friedrich Schlotterbeck war Fabrikler in Untertürkheim und Einwohner der Gartenstadt Luginsland. In der Annastraße 6 war er direkter Nachbar zu Willi Bleicher. Unermüdlich kämpfte er gegen das grausame Hitlerregime und verlor auf grausame Art und Weise seine Familie und Verlobte. Am 30. November 1969 erinnert er zum 25. Jahrestag an die Ermordung seiner Mitstreiter. In der Sängerhalle in Untertürkheim mahnt er: Die furchtlosen und enerbittlichen Kämpfer, die für "ein bisschen Freiheit" und "Würde" mit dem Leben bezahlen mussten, dürfen nicht in Vergessenheit geraten.

"Wegen Hochverrats hingerichtet"

Widerstandsgruppe Schlotterbeck im Kampf gegen das Naziregime

Stuttgarter Wochenblatt 3.9.2009

"Den Toten zum ehrenden Gedenken! Den Mördern zur ewigen Schande! Den lebenden zur Mahnung!" Friedrich Schlotterbeck überlebt als einziger den Kampf gegen den Faschismus. Seine Mitstreiter werden alle im Konzentrationslager in Dachau ermordet. Eberhard Hahn, Vorsitzender des Untertürkheimer Bürgervereins kann viel über die dramatischen Ereignisse erzählen und mahnt davor einfach "zu vergessen".


Friedrich Schlotterbeck - Foto: VVN
Pia Wilhelm

LUGINSLAND

Friedliches Vogelgezwitscher, gepflegte Vorgärten, spielende Kinder. Rund um die Annastraße in Luginsland scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Doch das war nicht immer so. Einziges Indiz dafür ist der Gedenkstein an der Hauswand der Annastraße 6. Er soll an die Familie Schlotterbeck erinnern, die einst hier wohnte und im November 1944 von den Nationalsozialisten hingerichtet wurde. Einziger Überlebender war Friedrich Schlotterbeck.

Als im Jahre 1904 in Untertürkheim die Daimler-Motorengesellschaft gegründet wird, werden Wohnungen für die vielen Arbeiter benötigt. So entsteht 1911 die Genossenschaft Luginsland, in deren Rahmen die ersten Reihenhäuser im Nägelesäcker gebaut werden. "Kein Haus durfte allein stehen. Die Bewohner sollten Glied einer Gemeinschaft sein und so konkurrenzlos wie möglich zusammenleben", berichtet Hahn. Keiner sollte besser als der andere sein. Auch Friedrich Schlotterbeck ist Teil dieser Gemeinschaft. Einer Gemeinschaft, die vom Staat bespitzelt und auf Schritt und Tritt verfolgt wird. Der Kommunist Schlotterbeck, der mit Familie und Freunden nur im Untergrund agiert, wird oft verhaftet und wieder freigelassen. Er steht stets im Visier der Geheimen Staatspolizei, da er unerschütterlich Widerstand gegen die menschenverachtende Politik Hitlers leistet. In Gefahr bringt er damit nicht nur sich, sondern auch alle anderen, die im Verdacht stehen, mit ihm bekannt zu sein.

"Auch die Nachbarschaft wurde erpresst, wenn sie Mitleid mit den Schlotterbecks hatten", zitiert Hahn aus dem Originaldokument "...Wegen Vorbereitung zum Hochverrat hingerichtet", einer Reihe von erlebten Aufschrieben, die Friedrich Schlotterbeck nach der Ermordung seiner gesamten Familie verfasst. Die Nachbarn waren es am Ende wahrscheinlich auch, die die Familie verraten haben. Schlotterbeck verliert Familie und seine Verlobte und Mitkämpferin Else Himmelheber.

Ein Freund des Widerstandskämpfers kommt nach einem Verhör im Hotel Silber nie zurück. Vermutlich wird er direkt ins KZ gebracht. "Alle diese Menschen waren sehr jung. Ich selbst war damals Schüler und habe vieles bewusst miterlebt", berichtet Hahn. Er betont: "Ich will Reflektor des Vergangenen sein wenn ich über die Vergangenheit erzähle, nicht Forscher."

Friedhof
Grabsteine von Anna und Friedrich Schlotterbeck in Groß Glienecke - Foto: Michael Horlacher

NesperHinrichtung in Dachau - von Sigrid Brüggemann

6.12.2012 kontextwochenzeitung

"Sie haben Treue gehalten."

Mit diesen Worten ehrt ein Grabmal in Stuttgart-Luginsland Angehörige der sogenannten Gruppe Schlotterbeck. Vielfach wurde und wird ihrer von Antifaschisten und in der Literatur gedacht. Doch eine Aufarbeitung des schier undurchdringlichen Geschehens, an dessen Ende ein Dutzend von der Stapoleitstelle Stuttgart in die Wege geleiteter Exekutionen stand, ist bisher ausgeblieben. Eine Schlüsselrolle in dem Fall spielte der Doppelagent Eugen Nesper.

Eugen Nesper, geboren am 2. August 1913 in Aufhausen, Kreis Aalen, trat mit sechzehn Jahren als Mechanikerlehrling dem kommunistischen Jugendverband KJVD bei. Seit 1931 gehörte er dem damals schon verbotenen Roten Frontkämpferbund (RFB) an. Im Frühjahr 1932 brachte ihm ein Flugblatt, das "zum Kampf gegen den Faschismus" aufforderte, zwei Monate Gefängnis ein. Im Januar 1933 war er in eine Schießerei mit SS-Angehörigen verwickelt und wurde deswegen einen Monat später wegen Landfriedensbruchs zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, die er in Rottenburg verbüßte. 

 > zum Artikel in http://www.kontextwochenzeitung.de

Wohnhaus Augsburger Straße 601 in Stgt.-Obertürkheim

Ein Stolperstein für den Obertürkheimer Emil GärttnerGärttner

Artikel in der Stuttgarter Zeitung vom 13.05.2009:

Der Mechaniker Emil Gärttner

Emil Gärttner, geboren im Jahr 1896, war Mechaniker und wurde im Zusammenhang mit der Widerstandsgruppe um die Untertürkheimer Familie Schlotterbeck im Juni 1944 verhaftet.

Am 30.November 1944 wurde er im KZ Dachau zusammen mit acht anderen der Gruppe "wegen Vorbereitung zum Hochverrat" hingerichtet (Mitteilung der Gestapo Stuttgart an das Standesamt Stuttgart). 1946 wurde die Straße, die beim Haus 601 in die Augsburgerstraße mündet, nach Emil Gärttner benannt.

Am 19. Mai 2009 verlegt Gunter Demnig einen Gedenkstein für Emil Gärttner, geboren 1896 und als Mechaniker bei Kodak tätig, der im Zusammenhang mit der Widerstandsgruppe um die Untertürkheimer Familie Schlotterbeck verhaftet und mit dieser im November 1944 im KZ Dachau "wegen Vorbereitung zum Hochverrat" hingerichtet wurde.

Anlässlich der Stolperstein-Verlegung findet vor dem Haus Augsburger Straße 601 ab 8.30 Uhr eine Gedenkveranstaltung für Emil Gärttner statt, in dessen Gedenken 1946 in Obertürkheim eine Straße benannt wurde.

Bislang wurden über 11.000 Stolpersteine verlegt - davon 400 alleine in Stuttgart.

Else Himmelheber in der Adlerstraße 24 Else Himmelheber in Stuttgart-Süd

Else Himmelheber wurde am 30. Januar 1905 in Stuttgart-Ostheim geboren und wohnte von 1911 bis 1944 mit Unterbrechungen in Heslach in der Adlerstraße 24. Von 1933 bis 1938 war sie als politische Gefangene im Gefängnis oder in Schutzhaft. Im Mai 1944 wollten sie und Friedrich Schlotterbeck, ein kommunistischer Widerstandskämpfer aus Luginsland, heiraten. Sie wurden verraten und versuchten in die Schweiz zu fliehen. Schlotterbeck gelang die Flucht. Else Himmelheber wurde steckbrieflich gesucht und im Juni 1944 verhaftet. Am 27. November 1944 wurde sie mit acht anderen kommunistischen Widerstandskämpfern ins KZ Dachau transportiert und dort am 30. November 1944 ohne Gerichtsverhandlung erschossen.

Emmy und Theo Seitz - Gestapo-Agent als Lockvogelx

Artikel aus den STUTTGARTER NACHRICHTEN vom 08.10.2008:

Stolpersteine erinnern an Emmy und Theo Seitz
 
Emmy SeitzEmmy Seitz und acht weitere Stuttgarter aus dem Arbeitermilieu wurden nach einer Denunziation am 30. November 1944 im KZ Dachau wegen Vorbereitung zum Hochverrat hingerichtet. Ihr Mann Theo Seitz, der zu dieser Zeit an der Front in Russland stand, wurde am 6. Februar 1945 im Zuchthaus Halle enthauptet. Jetzt erinnern in der Wartbergstraße 14, dem letzten Wohnsitz des Ehepaars, zwei Stolpersteine an Emmy und Theo Seitz.

Seit 1997 verlegt der Kölner Künstler Gunter Demnig zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus sogenannte Stolpersteine. Auf den Gehsteigen vor den Wohnhäusern der Ermordeten lässt er kleine Pflastersteine ein mit einer Messingplatte und den biografischen Daten dieser Opfer. Mit der Unterstützung lokaler Arbeitsgruppen sind inzwischen über 12 000 solcher Steine eingelassen worden. In Stuttgart sind es mittlerweile knapp 400. Die meisten von ihnen erinnern an verschleppte und ermordete Juden.

Zwar werden die kleinen Gedenksteine bündig mit dem Gehsteig verlegt, dennoch lassen sie manche Menschen auch heute noch stolpern. So hatte in der Wartbergstraße 14 ein Anwohner bis zum letzten Moment versucht, die Verlegung der Pflastersteine zu verhindern. Nachdem er mit diesem Ansinnen beim Tiefbauamt gescheitert war, kündigte er an, die Stelle für die Verlegung mit seinem geparkten Auto zu blockieren. Den Drohungen ließ der Anwohner aber keine Taten folgen.

Die Stolpersteine in der Wartbergstraße erinnern an politisch Verfolgte und an das Schicksal einer Widerstandsgruppe aus der Arbeiterbewegung, die sich während der Nazizeit um die Antifaschistenfamilie Schlotterbeck aus Untertürkheim scharte.

Theodor SeitzEmmy Seitz, geborene Ramin, kam 1904 in Wiesbaden zur Welt. Bis 1933 war sie in der Stuttgarter Redaktion der "Süddeutschen Arbeiter-Zeitung" als Referentin für Frauenfragen beschäftigt. Später wurde sie mehrmals inhaftiert. Im August 1942 heiratete Emmy den Kraftfahrer Theo Seitz, der 1912 in Stuttgart geboren war. Beide hatten sich in der kommunistischen Jugendbewegung kennengelernt.

Nach der Hochzeit bezog das Paar eine Wohnung in der Wartbergstraße 14. Theo Seitz wurde eingezogen und kam an die Front in Russland. Während seines Fronturlaubs im Februar 1944 meldete sich bei der Familie Seitz Eugen Nesper, ein gemeinsamer Bekannter aus der Zeit der politischen Arbeit vor 1933. Er berichtete, dass er von einem englischen Flugzeug mit dem Fallschirm abgesetzt worden sei, um Kontakte zu deutschen Widerständlern zu knüpfen.

Mit dieser Geschichte hatte er schon die Familie Schlotterbeck, bei der er früher Untermieter war, besucht. Obwohl man Nesper von Anfang an misstraute, ahnte keiner der Beteiligten, dass dieser seit 1934 ein Agent der Gestapo war.

Der Verräter wurde neun Menschen zum Verhängnis. Alle Personen, die mit dem Agenten Nesper Kontakt gehabt und ihn nicht gemeldet hatten, wurden verhaftet, wegen Hochverrats angeklagt und hingerichtet.

Klaus Eichmüller

  • 2 Stolpersteine in der Wartbergstraße 14 in Stuttgart-Nord - verlegt am 29. September 2008
Stuttgarter Zeitung, 21.11.1994

Gedenkfeier anlässlich des 50. Todestages der Widerstandsgruppe Schlotterbeck aus Luginsland

"Der Schoß ist fruchtbar noch . . .''
Veranstaltung im DGB-Haus und Kranzniederlegung der IG Metall und des VVN-Bundes der Antifaschisten

Gedenkstätte - Friedhof Untertürkheim
Schlotterbeck - Gedenkstätte seit 1949 - Friedhof Untertürkheim - Foto:Enslin

Hermann Schlotterbeck 1919-1945
„Sie haben einen guten Kampf gekämpft
Sie haben den Lauf vollendet
Sie haben den Glauben gehalten“


Um einen großen Stein mit dem Namen Schlotterbeck sind zehn kleine Gedenkplatten
gruppiert mit den Namen der Opfer:

Gotthilf Schlotterbeck, Marie Schlotterbeck, Gertrud Lutz geb. Schlotterbeck,
Erich Heinser, Else Himmelheber, Emil Gärttner, Sofie Klenk geb. Wimmer,
Emmi Seitz geb. Ramin, Theodor Seitz und Hermann Seitz.

Familie Schlotterbeck und Freunde am 30. November 1944 in Dachau „wegen Vorbereitung zum Hochverrat“ hingerichtet; Hermann Schlotterbeck bei Fluchtversuch in die Schweiz erschossen.

Mit einer Gedenkveranstaltung und einer Kranzniederlegung in Untertürkheim haben die Industriegewerkschaft Metall und die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN-Bund der Antifaschisten) gestern der vor 50 Jahren in Konzentrationslagern und Zuchthäusern hingerichteten Untertürkheimer Widerstandsgruppe Schlotterbeck gedacht.

"Die Widerstandsbewegung war ein heller Stern in dunkler Nacht'', sagte Ludwig Kemeth, erster Bevollmächtigter der IG Metall Stuttgart, in Anlehung an das Buch "Je dunkler die Nacht, desto heller die Sterne", in dem der einzige überlebende der Familie, Friedrich Schlotterbeck, seine Erinnerungen an die Verfolgung zusammenfasste .

Die Familie Schlotterbeck lebte in der Arbeitersiedlung Luginsland. Vater Gotthilf hatte dem Aufsichtsrat der Genossenschaft angehört, war nach einem "Steuerstreik" vom Daimler entlassen worden und fand keine Arbeit mehr, weil er auf der "schwarzen Liste" stand. Für den Lebensunterhalt der fünfköpfigen Familie musste Mutter Maria sorgen. Gotthilf Schlotterbeck gehörte zu den ersten, die 1933 nach Hitlers Machtergreifung für ein Jahr in Haft kamen. Zehn Jahre später wurde die kommunistische Familie und ihre Freunde von einem Spitzel denunziert. Im Konzentrationslager Dachau wurden im November 1944 Vater Gotthilf, Mutter Maria und die Tochter Gertrud Schlotterbeck, ihre Bekannten Else Himmelheber, Erich Heinser, Emil Gärttner, die Nachbarstochter Sofie Klenk, deren Freunde Hermann und Emmy Seitz ermordet, 1945 wurden Theo Seitz und Sohn Hermann Schlotterbeck erschossen. Allein Sohn Friedrich Schlotterbeck, der in die Schweiz geflüchtet war, überlebte. Er siedelte nach dem Krieg in die DDR über, wo er 1979 starb. Gestern wurde an seine Rede anlässlich des 25. Todestages der Widerstandsgruppe erinnert, als er in Untertürkheim sagte: "Diese Toten starben für die Würde des Menschen, für sein Recht auf Persönlichkeit, um ein bisschen Freiheit."

Annastraße 6 in Luginsland

In seiner Gedenkrede erinnerte Gerhard Zambelli, Bezirksleiter der IG Metall Württemberg, gestern daran, dass die "Gruppe Schlotterbeck den einfachsten Idealen der Menschlichkeit treu geblieben" war. Deshalb seien sie, wie andere Widerstandskämpfer auch",gequält, gefoltert und hingerichtet'' worden. Man werde "der Pflicht und der Verantwortung, jenen zu gedenken" aber nur gerecht, wenn man den Blick für die Gegenwart schärfe, sagte Zambelli. Die extreme Rechte nutze die krisenhafte Entwicklung in Deutschland, rechtsextreme und fremdenfeindliche Anschläge nähmen zu. Der Rechtsradikalismus habe viele Quellen, dazu gehörten aber auch eine unsoziale und ungerechte Politik, neuer Nationalismus und "Skandal-Urteile" wie das in Mannheim im Fall Deckert. Asylbewerber und Ausländer würden zu Sündenböcken gemacht, um von den wirklichen Verantwortlichkeiten abzulenken, sagte Zambelli: "Jeder rechtsextreme und fremdenfeindliche Angriff ist aber ein Angriff auf unsere Verfassung, unsere Demokratie und uns selbst.'' Zambelli zitierte schließlich nochmals Friedrich Schlotterbeck: "Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das Unheil kocht."

Die Gedenkfeier im Gewerkschaftshaus vor 200 Besuchern, darunter Wirtschaftsbürgermeister Dieter Blessing, der SPD-Bundestagsabgeordnete Peter Conradi und VVN-Ehrenvorsitzender Alfred Hauser, wurde umrahmt von den philharmonischen Kammersolisten Stuttgart und dem Schauspieler Wolfgang Höper, der aus Texten Friedrich Schlotterbecks und aus einer Erinnerung von Christa Wolf an ihn las. Danach wurden Kränze niedergelegt am ehemaligen Haus der Familie Schlotterbeck in der Annastraße 6 in Luginsland und an der Gedenkstätte auf dem Untertürkheimer Friedhof. dud

Gedenken - Am 30. November 1944 wurde die Pfullingerin Frieda Schwille in Dachau von den Nazis hingerichtet

Frieda Schwille - das vergessene NS-Opfer

Reutlinger Generalanzeiger 29.11.2014

VON GÜNTER RANDECKER

PFULLINGEN/STUTTGART. Auf dem Untertürkheimer Friedhof in Stuttgart ist am Totensonntag der vor 70 Jahren von den Nazis im KZ Dachau ermordete Gruppe Schlotterbeck gedacht worden. Doch weder Uwe Meinhardt, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Stuttgart, noch Janka Kluge, Landessprecherin der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN), erwähnten in ihren Reden den Namen der Pfullingerin Frieda Schwille. An der Gedenkstätte der Widerstandsgruppe Schlotterbeck wurden Kränze der Landeshauptstadt, der VVN und der IG Metall niedergelegt. Ist Frieda Schwille (1910 bis 1944) in Stuttgart ein vergessenes NS-Opfer?

Unschuldig verhaftet

In seiner 2006 veröffentlichten Dokumentation über die Geschwister Schwille kam der Lokalhistoriker Andreas Hauschild noch zu dem Ergebnis, dass Frieda Schwille aufgrund der »Fülle von Indizien« der Schlotterbeck-Gruppe zuzurechnen sei. Inzwischen hat Hauschild weitere Unterlagen ausgewertet und sein erstes Urteil revidiert: »Frieda Schwille hatte mit der Widerstands-Gruppe Schlotterbeck direkt nichts zu tun«, sagt er heute. Sie sei eher eine Randfigur des damaligen Geschehens und völlig schuldlos in die Fänge der Gestapo geraten. In Pfullingen erinnert ein Eintrag im Kirchenbuch an dieses Opfer des Nationalsozialismus. Hinter dem Namen von Frieda Schwille ist vermerkt: »Vom Nat. Soz. hingerichtet«.

Am 15. Juni 1944 war Frieda Schwille, Mitglied einer biblischen Gemeinde, Bäuerin, Leiterin der Milchsammelstelle im E-Werk, an ihrem Arbeitsplatz in der Gönninger Straße – wo heute das Friedrich-Schiller-Gymnasium steht – von der Gestapo verhaftet worden.

Was war vorausgegangen? Der britische Historiker Donal O’Sullivan hat in seinem Buch »Dealing with the Devil« (Pakt mit dem Teufel) über die englisch-sowjetische Zusammenarbeit der Nachrichtendienste im Zweiten Weltkrieg unter anderem die Landung zweier Fallschirmagenten Anfang 1944 auf der Schwäbischen Alb geschildert, getarnt als »Operation Eiger«. Die Geheimagenten Eugen Nesper und Hermann Kramer sollten im sowjetischen Auftrag in Stuttgart eine Widerstandszelle unterstützen und militärische Informationen nach Moskau funken.

KramerIn Dachau hingerichtet

Kramer wurde sofort gefangen und im KZ Sachsenhausen ermordet; Nesper wurde ebenfalls kurze Zeit später festgenommen und fungierte daraufhin als Gestapospitzel. Er verriet alle, die ihn für einen antifaschistischen Widerstandskämpfer hielten, an die Nazi-Schergen. Als sein Verrat aufflog, setzte er sich in die Schweiz ab und erschoss dabei einen Grenzbeamten.

Zehn Personen wurden am 30. November 1944 wegen angeblicher »Vorbereitung zum Hochverrat« in Dachau hingerichtet, neben Gotthilf und Maria Schlotterbeck, Gertrud Lutz, Else Himmelheber, Erich Heinser, Emil Gärttner, Sophie Klenk, Emmy Seitz, Hermann Seitz auch die Pfullingerin Frieda Schwille. In den mittlerweile zugänglichen Spruchkammer-Akten im Staatsarchiv lassen sich die damaligen Ereignisse anhand der Aussagen der 1947 verhörten Stuttgarter Ex-Gestapobeamten rekonstruieren. Otto Kessler, früherer Kriminalsekretär, berichtete über die »bestechende Abfassung und ausführliche Genauigkeit« der Spitzelberichte: »In erster Linie zahlreiche Berichte des Nesper über Zusammenkünfte mit den Angehörigen der Familie Schlotterbeck und einer gewissen Frieda Schwille aus Pfullingen ...«

Frieda Schwille war – nach Kesslers Angaben – mehrere Male mit Nesper zusammengetroffen, hatte ihn in der Klosterstraße 51 beherbergt und verköstigt und »ihm verschiedene Telegramme an ihren Bruder Fritz Schwille in Russland, die Nesper illegal nach Russland vermitteln sollte«, mitgegeben. Friedrich Schwille hatte während des Krieges aus Glaubensgründen den Kriegsdienst verweigert, war zum Tode verurteilt, dann aber zur Frontbewährung begnadigt worden. In russischer Gefangenschaft ist er Nesper begegnet.

Der ehemalige SS-Untersturmführer Karl Maile von der Nachrichtenabteilung, damals engster Vertrauter des Gestapochefs Friedrich Mußgay, berichtete 1947: »In der Nähe von Reutlingen in einer Wirtschaft wurde von den genannten Personen die Funkverbindung mit Moskau aufgenommen.« Unter Aufsicht der Gestapo erfolgte dies möglicherweise in der Nachbarschaft der Schwilleschen Wohnung.

Exekutionsbefehl per Schnellbrief

Auch Frieda Schwille sei wie die andern neun am 30. November vor 70 Jahren Hingerichteten zur Festnahme »mit einem roten Strich besonders gekennzeichnet« worden. Der ehemalige Gestapobeamte Ernst Zerrer äußerte sich nach 1945 über die Festgenommenen: Sie hätten sich seines Wissens »in gar keiner Weise aktiv betätigt, sondern wurden nur von Nesper im Auftrag der Gestapo (Hagenlocher und Maile) aufgesucht.« Sie hätten darüber der Polizei gegenüber keine Anzeige gemacht, »obwohl diese größtenteils wusste, das Nesper als russischer Fallschirmagent nach Deutschland kam.« Schließlich wurden bei der Geheimen Staatspolizei-Leitstelle im früheren Stuttgarter »Hotel Silber« die Berichte für das Berliner Reichssicherheitshauptamt (RSHA) angefertigt und »Sonderbehandlung«, also außergerichtliche Hinrichtung, beantragt.

In einem Schnellbrief wurde vom Himmlerschen RSHA die Exekution angeordnet. Der Vorwurf lautete »Vorbereitung zum Hochverrat«. Dazu sagte Zerrer: »Dies war eine Lüge, denn der Tatbestand eines Hochverrats konnte den Leuten nicht nachgewiesen werden.« Der gesamte Vorgang sei als »Geheime Reichssache« behandelt worden. Zerrer berichtete weiter: »Hagenlocher und Kessler zusammen haben es fertig gebracht, sämtliche Personen, mit denen Nesper zusammenkam, erschießen zu lassen. Wie ich erfahren habe, wurden die Leute durch Kessler und noch einigen SS-Leuten nach Dachau gebracht und dort erschossen.«

Schlotterbeck gelang die Flucht

Alfred Hagenlocher, der die Todes-Dokumente an die Standesämter unterzeichnete, war von 1958 bis 1978 Präsident der Hans-Thoma-Gesellschaft in Reutlingen. Zur Nachkriegsgeschichte, so heißt es in dem jüngst erschienenen Sammelband »Geheime Staatspolizei in Württemberg und Hohenzollern«, sei zu vermerken, dass »keine justizielle Aufarbeitung der Tötung der Gruppenmitglieder stattgefunden« habe, »die Beamte der Stapoleitstelle beim RSHA beantragt hatten«.

Nur dem in Reutlingen geborenen Friedrich Schlotterbeck (1909 bis 1979) gelang die Flucht. Er verfasste später seine »Erinnerungen eines Arbeiters« mit dem Titel »Je dunkler die Nacht, desto heller die Sterne«. – »Warum mußten sie alle sterben?« Weil sie es gewagt hatten, so Schlotterbeck 1945, »den Verderbern unseres Volkes zu trotzen«. (GEA)

Die Geschwister Schwille

Die Dokumentation »Friedrich und Frieda Schwille. Zwei Pfullinger im Widerstand gegen den Nationalsozialismus« von Andreas Hauschild ist beim Geschichtsverein Pfullingen erhältlich. Das Heft umfasst 34 Seiten und kostet zwei Euro. Hauschild ist derzeit dabei, sein Werk zu überarbeiten, da er inzwischen Zugang zu weiteren historischen Unterlagen hatte. (ps)

Ergänzungen durch H. Wenz, Herdecke (April 2006):

Über die Umstände der Ermordung (strafrechtlich genauer: Totschlag, damals: Verbrechen gegen die Menschlichkeit) des Hermann Schlotterbeck kann ich Ihnen zwei Literaturstellen benennen:

  • 1) Adolf Dimant: Gestapochef Thümmler. Verbrechen in Chemnitz, Kattowitz und Achuschwitz. Chemnitz 1999. Thümmler war im April 1945 noch Leiter der Scherheitspolizei Stuttgart. Von Tuttlingen aus hat er bewerkstelligt, dass der Tötungbefehl betr. Hermann Schlotterbeck u.a. nach Riedlingen durchgegeben wurde, (zufällig an Emil Held!). Vorsicht aber bei der Lektüre: Dimant macht sich die Sachen passend!
  • 2) Urteil LG Ravensburg vom 21.5.1948 KLs 75/48-KLs 82/48 gegen Sch. u.a., bestätigt vom OLG Tübingen am 30.11.: Freispruch; in der Urteilsbegründung Schilderung des Sachverhaltes, enthalten als Nrn. 59, 59 a und 59 b in: Justiz und NS-Verbrechen. Sammlung deutscher Strafurteile wegen Nationalsozialistischer Tötungsverbrechen 1945-1966, Amsterdam, div. Jahrgänge, 22 Bände [616 Fälle].

Erinnern an die Opfer

Südwestpresse Alb - 26. Nov. 2009
Autor: URSULA KLIEBHAN | 26.11.2009

Riedlingen.  Das Interesse an dem Vortrag von Altertumsverein und der Volkshochschule war enorm, wie die Besucherzahl zeigte. Es ging darum, wie sich die NS-Schreckensherrschaft in Riedlingen einst bemerkbar machte.

RiedlingenOberstudienrat i. R. Ulrich Widmann und Koreferent Günter Randecker berichteten über Recherchen zu einer Gestapo-Greueltat vor "unserer Haustüre". Dabei brachte Ulrich Widmann den Zuhörern auf Riedlingen bezogene, aufschlussreiche Resultate seiner Recherche nahe.

Unter anderem berichtete er von dem jungen Hermann Schlotterbeck, der im KZ Weizheim saß, und dessen ganze Familie ausgerottet wurde. Schlotterbeck war eines der drei Opfer, die in Riedlingen, zwei Tage vor dem Einmarsch der alliierten Franzosen, ohne Gerichtsurteil von drei Gestapomännern brutal ermordet wurde.

"Seit 1970 befasse ich mich mal mit den Opfern, mal mit den Tätern, insgesamt eine mühselige Mosaikarbeit", sagte Widmann. Mühselig wohl auch deshalb, weil ihm der Zugang zu Archiven und aussagekräftigen Papieren oft verwehrt blieb, Gerichtsurteile erst spät für ihn zugänglich wurden oder angeblich gar nicht existierten: "Bei meinen Nachforschungen war ich meist nicht willkommen, bin oft auf eine Mauer gestoßen, die französischen Archive mit ihrer achtzigjährigen Sperrfrist kann ich nicht mehr einsehen." Eindrucksvoll schilderte Widmann den Hergang dieser Tage, als die Konzentrationslager und Gestapogefängnisse geräumt wurden, einer der "Todesmärsche" in Riedlingen haltmachte, die ausgemergelten Männer hauptsächlich im alten Gefängnis untergebracht waren. Drei wurden herausgeholt, in der Nähe des Vöhringer Hofs in einer Nacht- und Nebelaktion "brutal ins Grab geschossen", das Grab, das sie vorher selbst ausheben mussten. "Es hat mich unheimlich gepackt, dass der 18-jährige Andreas Stadler, ein junger Mann, der noch nichts vom Leben hatte, unter den Opfern war. Diese persönliche Betroffenheit motivierte mich zur umfangreichen Recherche", so Widmann.

Das dritte Opfer hieß Gottlieb Aberle aus Dettenhausen. Für einen Terrorflieger ein Verbandspäckchen der Wehrmacht benutzt zu haben, genügte der Gestapo, um einen Menschen brutal und ohne Urteil ins Jenseits zu befördern.

Die Täter wurden vor dem Gericht freigesprochen "derjenige, der geschossen habe, war auch derjenige, Tafelder zu der Zeit schon tot gewesen sei", die Gewehre der anderen beiden seien angeblich nicht schießbereit gewesen. Familie Aberle bekam 7000 Mark für den KZ-Aufenthalt von Gottlieb, nicht für seine Ermordung. Ulrich Widmann wusste von Augenzeugen, dass bei der Exhumierung der Opfer in den Donauwiesen der Täter Albert Rentschler dabei war, er aber keinen Most gereicht bekam. Dafür machte es sich dieser auf der Rückfahrt auf dem Sarg von Schlotterbeck bequem. "Auch unser Ländle hat bestialische Mörder hervorgebracht, das dürfen wir nie vergessen", sagte Randecker.

Die anderen beiden Exhumierten fanden auf dem Riedlinger Friedhof ihre letzte Ruhe.

Fotos:Gedenkstein in der Gegend des Vöhringer Hofs -
Foto: Michael Horlacher

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