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Ein Architekt sammelt Visionen

Maira Schmidt, 09.09.2012 Stuttgarter Zeitung - http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.stuttgart-21-ein-architekt-sammelt-visionen.beacb855-2b6f-408a-bf77-8b99235c7098.html

Untertürkheim - Christof Luz hat eine Vision. Der Landschaftsarchitekt sitzt in seinem Büro in Stuttgart-Birkach und zeigt auf einen weiter im Nordosten der Stadt gelegenen Punkt auf der Karte. Luz hat Pläne für einen rund einen Kilometer langen Park in Stuttgart-Untertürkheim entwickelt. Nicht etwa im von Weinbergen umgebenen Stadtteil Rotenberg oder im ohnehin naturnah gelegenen Luginsland, sondern direkt im Tal, zwischen Daimler-Werk und Augsburger Straße, auf dem Gelände des Güterbahnhofs.

Die Bahn will im Zuge von Stuttgart 21 den Abstell- und Wartungsbahnhof vom Rosensteinpark auf das Gelände in Untertürkheim verlegen. Das Planfeststellungsverfahren ist für diesen Abschnitt noch nicht abgeschlossen. Viele Bewohner des Bezirks fürchten, dass der ohnehin vorhandene Bahnlärm durch die Stuttgart-21-Pläne weiter zunehmen wird.

UT-EARTH

Christof Luz will das Bahnhofsgelände überdeckeln

Martin Glemser, Grünen-Bezirksbeirat aus Untertürkheim, hat sich deshalb an Christof Luz gewandt. Der Architekt hat Erfahrung darin, wie man „die Interessen der Bahn, der Menschen und der Stadtentwicklung in Einklang bringen kann“, wie er es nennt. Sein Architektenbüro entwarf in den 1990er Jahren zusammen mit dem Verschönerungsverein für den Stuttgart-21-Abschnitt Rohrer Kurve die sogenannte „Vision Brückenschlag“. Eine Landschaftsbrücke, die die Bahngleise zum Teil unter die Erde verlegen würde. Auch wenn es die Idee laut Auskunft des Stuttgart-21-Kommunikationsbüros nie in das eigentliche Planungsverfahren schaffte, hat Luz jetzt ein ganz ähnliches Szenario für den Güterbahnhof in Untertürkheim entwickelt. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Pläne in die Realität umgesetzt werden, liegt vermutlich wieder nur im Promillebereich. Aber davon lässt sich der Landschaftsarchitekt nicht entmutigen, im Gegenteil.

Christof Luz will das Bahnhofsgelände überdeckeln. „Der Lärm wäre vollkommen weg“, sagt Luz. Etwa auf Höhe des Eszet-Stegs, einer Brücke über dem Güterbahnhof, will er eine Parkanlage schaffen. „Das wäre ein Freiraumsystem, das seinesgleichen sucht“, sagt der Architekt, vergleichbar allenfalls mit Projekten wie dem Park am Gleisdreieck in Berlin. „Unter diesem Bauwerk könnte sich alles abspielen, was die Bahn braucht“, sagt Luz.

Der Fluss ist vor allem industriell geprägt

Bei der Bahn will man die Entwürfe des Landschaftsarchitekten jedoch nicht kommentieren. „Wir kennen diese Pläne nicht“, sagt ein Sprecher des Stuttgart-21-Kommunikationsbüros. Zudem äußere sich die Bahn nur zu Verfahrensinhalten. Wenn die Idee von Christof Luz von einem der Projektpartner, zum Beispiel der Stadt, in das Verfahren eingebracht würde, werde man sich damit beschäftigen.

Mit Stuttgart 21 haben die Pläne des Architekten aber eigentlich auch gar nichts zu tun. „Wir agieren hier nicht als Stuttgart-21-Gegner“, sagt der 59-Jährige. Die Erklärung, warum der Architekt in seiner Freizeit Pläne für Untertürkheim ausarbeitet – denn bezahlt wird er für diese Arbeit auch nicht –, findet sich in der Vergangenheit des Familienbetriebs.

Christof Luz’ Großvater hat sich in den 1920er Jahren dafür eingesetzt, dass der Rosensteinpark nicht zugebaut wurde. In den Folgejahren setzte sich das Architektenbüro der Familie immer wieder für die Vergrößerung und vor allem Verbindung der städtischen Grünflächen ein und wirkte so entscheidend an der Entstehung des Grünen U mit. Das Grüne U ist eine etwa acht Kilometer lange Grünfläche, die aus sechs miteinander verbundenen Parkanlagen besteht. Vollendet wurde sie im Rahmen der Internationalen Gartenbauausstellung 1993.

Für Christof Luz ist es selbstverständlich, sich für die Entwicklung seiner Heimatstadt einzusetzen. Und der Landschaftsarchitekt ist davon überzeugt, dass die Neckarvororte aus stadtplanerischer Sicht in der Vergangenheit vernachlässigt wurden. Ein solches Verhalten sei typisch für Städte, die zwar in der Nähe eines Flusses, aber nicht direkt am Fluss liegen.

Eine Industriekultur soll geschaffen werden

Die Gegend um den Fluss würde in der Regel mit „Unbeliebtem, aber Notwendigem aufgefüllt.“ Also mit allem, was die Bewohner der Stadt zwar brauchen, aber nicht so gern in ihrer unmittelbaren Umgebung haben. Gerade in den oberen Neckarvororten ist dieses Phänomen zu beobachten. Der Fluss ist vor allem industriell geprägt, Grünflächen gibt es in unmittelbarer Nähe zum Neckar so gut wie keine.

Luz geht es nicht darum, die Industrie aus dieser Gegend zu verdrängen. Er will eine Art Industriekultur schaffen, die Gegend am Fluss auch für die Menschen zugänglich machen. Die Überdeckelung des Güterbahnhofs wäre ein erster Schritt in diese Richtung. Der 59-jährige Architekt würde die Parkanlage deshalb auch befürworten, wenn die Bahn den Wartungs- und Abstellbahnhof nicht nach Untertürkheim verlegen wollte. Allerdings könnte die Stadt laut Luz durch die zeitliche Koppelung mit dem Bahnprojekt „mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen.“

Die Gegend würde sich ohnehin in eine Baustelle verwandeln, und der Löwenanteil der Überdeckelung könnte durch die im Zuge von Stuttgart 21 anfallenden Ausgleichsmaßnahmen finanziert werden. Im Frühherbst sollen die Pläne fertig sein. „Wir bearbeiten das so weit, dass die Betroffenen damit etwas anfangen können“ sagt Luz. Anschließend könnten die Pläne im Untertürkheimer Bezirksbeirat vorgestellt werden. Das lokale Gremium müsse entscheiden, ob es die Idee in Richtung Stadtverwaltung weitertrage – oder in der Schublade verschwinden lasse. Dorthin, wo bisher auch Luz’ Pläne zur Überdeckelung der Rohrer Kurve liegen.

Die Untertunnelung des Stuttgarter Stadtgebietes

Die Untertunnelung des Stuttgarter Stadtgebietes,
Video als Kurzinfo von Klaus Gebhard, 31.08.2012

Kurz-Info: Dauer 7 Minuten - Vollbild X mit Doppelklick

Die 62km Untertunnelung des Stuttgarter Stadtgebietes,
ausführliche Erläuterung an Hand der BISS-Karte von Klaus Gebhard, 31.08.2012

37-Minuten-Video mit der Untertunnelung des Neckars
beim Stuttgart21-Projekt - von fluegel.tv
Vollbild X mit Doppelklick

 
Ab Minute 25: Neckarunterquerung in Untertürkheim
mit schließbaren Hochwassertoren im Tunnel.
Tunnel muss bei Neckarhochwasser geflutet werden!

STUTTGART 21 - Deckel über Güterbahnhof soll für Ruhe sorgen

UNTERTüRKHEIM: Architektengruppe erarbeitet städteplanerisches Konzept für Bahngelände - Parklandschaft soll Brücke schlagen

2013 werden die Tunnelbauarbeiten für Stuttgart 21 auch in Untertürkheim beginnen. Ausgenommen ist das Güterbahnhof-Areal. Der Abschnitt ist noch nicht planfestgestellt. Dort soll ein Wartungsbahnhof entstehen. Bürger befürchten, dass der Lärm die Lebensqualität des Orts massiv mindert. Eine Architektengruppe will nun ein Konzept erarbeiten. Das Bahngelände könnte überdeckelt werden. Es entstünde ein Grünstreifen, der den Lärm schluckt - egal ob Stuttgart 21 realisiert wird oder nicht. Von Mathias Kuhn

Lauten Protest lösen die Bauarbeiten rund um den Stuttgarter Hauptbahnhof und die Trassenführung auf den Fildern aus. Vergleichsweise ruhig geht es in den Oberen Neckarvororten zu. „Dabei wird Untertürkheim durch Stuttgart 21 mit am stärksten belastet werden“, sagt Sabine Reichert, die Sprecherin des Informationsbündnisses „Zukunft Schiene Obere Neckarvororte“. Auf dem heutigen, weitgehend stillgelegten Güterbahnhof soll ein Service- und Wartungsbahnhof entstehen. Die Stuttgart-21-Gegner aus Untertürkheim fürchten, dass die Lärmbelastung durch den 24-Stunden-Betrieb erheblich steigen wird. „Und zwar nicht nur während der Bauzeit, sondern permanent“, sagt Grünen-Bezirksbeirat Martin Glemser. So soll auf dem Gelände an der Augsburger Straße eine Außenreinigungsanlage und ein technischer Servicepunkt eingerichtet werden. „Das ist ein 200 Meter langes Gleis mit einer kurzen, fahrbaren Halle darüber. Beim Verschieben der Montage-Einhausung ertönen Warnsignale in einer Lautstärke von 107 Dezibel“, erklärte Glemser beim Vororttermin auf dem Eszet-Steg. Dorthin hatten die Untertürkheimer Aktiven einige Stuttgart-21-kritische Architektinnen und Architekten eingeladen, um ein städteplanerisches Gegenkonzept zu erarbeiten. „Wir wollen nicht nur die Missstände aufzeigen, sondern das Heft des Handelns in die Hand nehmen“, sagt Reichert.

UT-EARTH

Anhand von Luftaufnahmen und Plänen, die die Bahn für den Planabschnitt 1.6B verlegte, machte sich Landschaftsarchitekt Christof Luz Gedanken über die Gestaltungsmöglichkeiten. „Brücken- und andere mehrstöckige Bauwerke für Stuttgart 21 werden sich in diesem Bereich nachhaltig auswirken“, prognostiziert Luz. Doch er hat eine städteplanerische Vision. „Die Bahngleise trennen heute bereits Untertürkheim wie eine Demarkationslinie. Wenn der Gleisbereich beispielsweise zwischen dem Untertürkheimer Bahnhof und der Haltestelle Neckarstadion überdeckelt wird, würden Verbindungen geschaffen und gleichzeitig würde der Lärm gemindert“, sagt Luz. Städtebaulich könnten auch seine Kolleginnen und Kollegen, die sich die Situation erstmals vor Ort angesehen und angehört haben, sich eine Kombination aus Park- und Wohnlandschaft vorstellen. Auf der Überdeckelung könnte eine Grünzone für die Bevölkerung sowie Wohn- oder Gewerbeflächen für Handwerker auf der Seite der Benz Straße entstehen.

Auch für die Finanzierung gibt es Vorschläge. „Hier könnte die Bahn ihre Ausgleichsmaßnahmen sinnvoll einsetzen“, meinte ein Untertürkheimer. „Der Vorteil dieser Vision ist, dass sie Untertürkheim sowohl im Falle von Stuttgart 21 als auch in der heutigen Situation mit dem starken Güterzugverkehr enorme Erleichterung bringen würde“, sagt Reichert. Die Architektinnengruppe will die Ideen bis zum Erörterungstermin für den Abschnitt 1.6B in konkrete Pläne fassen.

Nächstes Treffen Informationsbündnis Untertürkheim – Zukunft Schiene:
am Donnerstag, den 16. August 2012 um 19:30 Uhr, Kulturtreff Untertürkheim, Strümpfelbacher Straße 38.

Stadt und Kommunikationsbüro starten interaktives Bürgerinformationssystem www.biss21.de

11.11.2011 www.Stuttgart.de

Seit heute ist die neue, interaktive Bürgerinformationsplattform www.biss21.de online. Das Kommunikationsbüro für das Bahnprojekt Stuttgart - Ulm und die Stadt Stuttgart haben das BürgerInformationsSystem zu Stuttgart 21, BISS21, in den vergangenen Monaten gemeinsam auf den Weg gebracht.

Es bietet den Bürgerinnen und Bürgern rund um die Uhr praktische Informationen zum Streckenverlauf des Stuttgarter Bahnknotens, der Tunneltiefe oder den Beweissicherungsgrenzen. Im BISS21 werden die Gesamtstrecken von Stuttgart 21 abgebildet und Informationen aus über 250 Plänen der Planfeststellungsbeschlüsse verarbeitet.

biss21.de
Detaillierte Pläne für Untertürkheim zu STUTTGART21 - zum Zoomen - www.biss21.de

Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster: "Mit dem Bürgerinformationssystem haben wir die vielen Daten und Fakten zum Bahnprojekt auf ganz praktische Weise aufbereitet. Jeder Bürger kann sich anhand des Streckenverlaufs ganz gezielt und schnell die Informationen holen, die er haben möchte, die für ihn persönlich wichtig sind. Wir schaffen damit weitere Transparenz beim Thema Stuttgart 21, ganz besonders für die Bürger in der Landeshauptstadt."

Unter www.biss21.de erhalten Bürger eine Übersicht der S21-Strecke auf Stadtkarten und Luftbildern in verschiedenen Maßstäben, können über eine Adresseneingabe einen Standort finden und unter anderem die Distanz von Gebäuden zum Tunnel abmessen. Es lassen sich zudem 640 Höhenangaben und 154 Grafiken zur Tunneltiefe abrufen.

Dirk Thürnau, Technischer Bürgermeister, erklärt die Systematik der Software. "Das BISS21 ist wie ein Baukastensystem konzipiert: Informationen lassen sich einzeln abrufen und bauen aufeinander auf. Technische Inhalte des Projekts werden mit einfachen grafischen Mitteln veranschaulicht".

Projektsprecher Wolfgang Dietrich sieht in dem BürgerInformationsSystem eine optimal Ergänzung zum bestehenden Informationsangebot: "Unser Ziel ist es, den Bürgern das optimale Werkzeug an die Hand zu geben, damit sie möglichst schnell genau die Informationen zum Bahnprojekt bekommen, die sie brauchen. Es ist weiterer wichtiger Baustein für unseren Dialog mit den Bürgern."

Im BISS21 werden ebenfalls Beweissicherungsgrenzen dargestellt, auch die Originalpläne der einzelnen Beschlüsse können heruntergeladen werden. Zum Beweissicherungsverfahren der Deutschen Bahn AG hat das Kommunikationsbüro für das Bahnprojekt Stuttgart - Ulm e.V die Informationen zusätzlich in einer Broschüre zusammengefasst, die im Internet unter www.bahnprojekt-stuttgart-ulm.de/beweissicherung abrufbar ist.

Das BISS21 wurde von der Bürgerbeauftragten der Stadt Stuttgart für Stuttgart 21, Alice Kaiser, initiiert und in Kooperation mit dem Kommunikationsbüro für das Bahnprojekt Stuttgart - Ulm e.V. erarbeitet. Als Basis dienten Stadtgrundkarten und Luftbilder, die vom Stadtmessungsamt der Landeshauptstadt Stuttgart bereitgestellt wurden.

S21 - 8296 Meter neue Gleise für Abstellbahnhof Untertürkheim

Stuttgarter Nachrichten Stadtausgabe (Nr. 164) vom Dienstag, den 20. Juli 2010, Seite Nr. 18 Stuttgart

Stuttgart 21 : Entlang der Augsburger Straße kann es nachts laut werden -
Gutachter rät Bahn zum Nachbessern

Von Konstantin Schwarz

STUTTGART. Mit dem Bau ihres Projekts Stuttgart 21 gibt die Bahn ihre alten Abstellgleise und Werkstätten im Rosensteinpark auf. Von 2020 an, wenn die 4,1 Milliarden Euro teure neue Infrastruktur samt Tiefbahnhof fertig sein soll, werden Züge in Untertürkheim geputzt. Einfachere Reparaturen unter dem Schutz einer fahrbaren Wartungshalle sollen ebenfalls möglich sein.

Seit Montag liegen die Pläne für den Abstellbahnhof im Stadtplanungsamt in der Eberhardstraße 10 aus. Vier Ordner plus eine artenschutzrechtliche Prüfung stehen im Regal. Die Artenschützer fordern ein Ausweichquartier für die auf dem heutigen Untertürkheimer Güterbahnhofsgelände beheimateten Zaun- und Mauereidechsen. Ein 200 Meter langer und bis zu 15 Meter breiter Streifen entlang der Gleise sei dafür ideal. Fledermäuse sollen mit Kästen „Ersatzruhestätten" erhalten.

Auch die Anwohner in der Augsburger Straße werden gestört. Auf dem 135 000 Quadratmeter großen Gelände werden 8296 Meter neue Gleise verlegt, 44 000 Kubikmeter Erdaushub abgefahren und 29 000 Kubikmeter vorhandener Schotter neu verteilt. Der alte Abstellbahnhof zählt 17 600 Meter Gleise. Weil Regionalzüge künftig auch an den Endhaltestellen abgestellt werden, kommt die Bahn in Stuttgart mit einer halb so großen Anlage aus.

180 Züge sollen täglich mit maximal 25 Kilometern pro Stunde durch den Bahnhof rollen, bei Bedarf durch die 128 Meter lange Waschanlage gezogen oder auf einer 200 Meter langen Montagegrube überprüft werden. Auf Abstellbahnhöfen wird vor allem nachts gearbeitet. Die Lärmgrenzwerte würden um maximal zwei Dezibel überschritten, rechnen Gutachter vor. Doch der Verkehr auf der Augsburger Straße, der Bundesstraße 14 und der bestehen bleibenden Güterumgehungsbahn „übersteigt den Lärm aus dem Abstellbahnhof deutlich", schreiben Gutachter.

Die Bahn hat dennoch ein Problem: Weil sie ihre Mitarbeiter vor Zugbewegungen im Gleisfeld warnen muss, werden die Immissionsrichtwerte nachts um mehr als 20 Dezibel überschritten werden. 20 Dezibel, das ist der Unterschied zwischen einer ruhigen Ecke in einer normalen Wohnung und einem laufenden Staubsauger in einem Meter Entfernung. „Die Schallleistung der verwendeten Warnsignalgeräte ist im Rahmen der Ausführungsplanung so zu begrenzen, dass Konflikte vermieden werden können", empfehlen die Gutachter.

STUTTGART 21 - Güterbahnhof wird zum Abstellbahnhof umgebaut

UNTERTüRKHEIMER ZEITUNG vom 17.07.2010:

Regierungspräsidium eröffnet Planfeststellungsverfahren für den kleinsten
Stuttgart-21-Abschnitt

Die Planer haben das Bahnprojekt Stuttgart 21 in mehrere Abschnitte aufgeteilt. Für den kleinsten Abschnitt, den Umbau des heutigen Güterbahnhofs zum neuen Abstellbahnhof mit Reinigungsanlage und technischem Service-Punkt hat das Regierungspräsidium nun das Planfeststellungsverfahren eröffnet. Von Montag an liegen die Pläne im Rathaus aus.

Von Mathias Kuhn

Während im August am Hauptbahnhof die Abrissbagger anrücken sollen, wird das Planfeststellungsverfahren für den Abschnitt 1.6b „Abstellbahnhof Untertürkheim“ eröffnet. „Seit Mitte 2004 läuft für diesen Abschnitt bereits das Verfahren beim Eisenbahnbundesamt. Jetzt beginnt das vorgeschriebene Anhörungsverfahren“, sagt Jürgen Friedmann vom Kommunikationsbüro des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm.

Das Regierungspräsidium, das für die Durchführung zuständig ist, hat einige Details nun veröffentlicht gemacht: Der bestehende Güterbahnhof Untertürkheim soll zum neuen Abstellbahnhof Untertürkheim umgebaut werden. Der neue Standort in Untertürkheim soll den heutigen Service-Bahnhof am Rosenstein ersetzen. Die wertvolle, innerstädtische Gleisfläche würde dadurch frei. Angeschlossen wird der Untertürkheimer Abstellbahnhof durch einen neuen, kleinen Ringverkehr: Von neuen Hauptbahnhof führen Tunnelröhren unter dem Wangener Berg hindurch ins Neckartal und unterqueren dort den Neckar. Ein Streckenast zweigt dort in Richtung Obertürkheim und Esslingen ab, der andere biegt unter dem Inselbad-Parkplatz und dem Karl-Benz-Platz hindurch und fädelt in einer Kurve auf das heutige Güterbahnhofgelände ein.

Von dort können die Züge - beispielsweise nach einer Reinigung und Betankung - wieder über Bad Cannstatt zum Hauptbahnhof zurück geführt werden. „Ein Vorteil des neuen Abstellbahnhofs ist, dass keine Rangiertätigkeiten mehr notwendig sind“, erklärt Friedmann. Gleichzeitig dient der Untertürkheimer Standort als „Parkplatz für ICE und andere Züge.“ Da das Stuttgart-21-Konzept einen Durchgangsbahnhof vorsieht, können die Züge dort nicht mehr lange Verweilen. „Durch den kleinen Ring über den Abstellbahnhof können die Züge flexibel bereit gestellt werden“, so Friedmann. Hauptzweck des Abstellbahnhofs sind jedoch die Servicearbeiten, die dort erledigt werden können. Es werde keine Riesenanlage, beruhigt Friedmann die Anwohner. Südlich des Eszetstegs sind ein Betriebsgebäude, ein „technischer Servicepunkt“, eine Tankanlage sowie eine Innen- und eine Außenreinigungsanlage geplant. „Größere Reparaturarbeiten werden hier nicht erledigt, sondern der kompakte, und dadurch effektive Bahnhof ist nur für kleine Wartungs- und Reinigungsarbeiten vorgesehen“, erklärt Friedmann. Einige der bestehenden Bahn-Gebäude müssen abgerissen werden und Zufahrten für Baufahrzeuge geschaffen werden. Da die benötigten Flächen bereits in der Hand der Bahn sind, rechnen die Verantwortlichen mit wenig Widerstand. Als Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen sollen Obstbauflächen im Bereich der Egelseer Heide mit Trockenrasen und Heideflächen umgewandelt und ein Fließgewässer am Voltastegt sowie im Unteren Feuerbachtal angelegt werden.

Die Pläne werden von Montag, 19. Juli, bis 18. August beim Amt für Stadterneuerung, Eberhardstraße 10, zu den Öffnungszeiten für jeden zur Einsicht ausgelegt.

Siehe dazu die Amtliche Bekanntmachung im Amtsblatt Stuttgart vom 15.7.2010 - Seite 27

Widerstand gegen Abstellbahnhof

UNTERTüRKHEIMER ZEITUNG 11.8.2010: Bürger organisieren Protestaktion gegen die geplanten Reinigungs- und Technikanlagen

Gegen den geplanten Abstellbahnhof für Stuttgart 21 regt sich Widerstand bei den Anwohnern. Sie fürchten noch mehr Lärm als bisher. „Da auf Abstellbahnhöfen überwiegend nachts gearbeitet wird, würden laut Gutachten die Lärmgrenzwerte um zwei Dezibel überschritten“, warnt Anwohner Eberhard Wick seine Nachbarn und fordert sie auf Widerspruch einzulegen.

Von Mathias Kuhn

Als Wick vom Planfeststellungsverfahren für den neuen Abstellbahnhof Untertürkheim vernommen hatte, wurde der ehemalige Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Untertürkheim hellhörig. Noch zu frisch waren ihm die Erfahrungen mit den Gleisbauarbeiten im Bahnhofbereich. Die Deutsche Bahn hatte im Mai zwei Gleisstränge erneuert. Um ihre Mitarbeiter vor dort fahrenden Zügen zu warnen, stellten die Baufirmen Hupen auf, die allerdings nicht nur die Bauarbeiter aufschreckten, sondern auch den Anwohnern auf die Nerven gingen. „Alle fünf Minuten rissen uns die Warnsirenen aus dem Schlaf“, erinnert sich Wick. Ähnliches will der Bewohner der Silvrettastraße nicht noch einmal erleben. Aus diesem Grund schaute er sich die fünf dicken Ordner zum Planfeststellungsverfahren für den Abstellbahnhof genauer an.

Im Zuge von Stuttgart 21 will die Bahn den Untertürkheimer Güterbahnhof zu einem Servicebahnhof umbauen. Auf dem 135 000 Quadratmeter umfassenden Areal an der Augsburger Straße sollen laut Planfeststellungsunterlagen auf zwei Kilometern Länge Abstell-, einer Tank-, Innen- und Außenreinigungs- sowie Instandhaltungsanlagen gebaut sowie die bestehenden Gebäude abgerissen werden. „Zudem werden 8296 Meter neue Gleise verlegt und 29 000 Kubikmeter vorhandener Schotter neu verteilt“, schreibt Wick in einem Brief an die Anwohner im Umkreis des Güterbahnhofs. Er will damit seine Nachbarn aufrütteln. Rund 500 Anschreiben habe er in die Briefkästen verteilt. „Wir dürfen uns nicht noch mehr Lärm vor der Haustür gefallen lassen.“ Ihn ärgert es, dass die Betroffenen vor Ort nichts über die Auswirkungen erfahren. Man muss Vorkenntnisse besitzen und viel Zeit investieren, um das Lärmgutachten zum Planfeststellungsverfahren deuten zu können.

Grünen-Bezirksbeirat Martin Glemser hat ein paar Stunden dafür geopfert und „Besorgniserregendes“ herausgelesen. „Es wird einige neue Schallquellen geben“, sagt er. So wird beispielsweise eine Wertstoffsammelstelle in Betrieb gehen, die aus mehreren Presscontainern besteht, die mit Spezialfahrzeugen an- und abtransportiert werden. Ein Austausch von Containern erfolgt zweimal täglich. Für das Auf- und Absetzen von Containern wird eine Schallleistung von 104 Dezibel mit der Dauer von 1,2 Minuten ausgewiesen. Unter Berücksichtigung der Zeitkorrektur für vier Bewegungen während des 16-stündigen Tageszeitraums errechnen die Gutachter eine Schallleistung von nur noch 81 Dezibel. „Den Anwohnern ist der gemittelte Wert jedoch egal, denen klingen bei 102 Dezibel die Ohren, auch wenn der Krach nur viermal kurz ist“, sagt Glemser. Unruhig dürfte es auch in der Nacht werden. „Weil die Bahn ihre Mitarbeiter vor Zugbewegungen warnen muss, werden die Immissionswerte nachts um mehr als 20 Prozent überschritten“, heißt es in Wicks Anschreiben. „Unsere Lebensqualität wird dadurch weiter verschlechtert. Lärm macht krank. Dagegen sollten wir uns wehren“, fordert Wick seine Nachbarn auf und erntet Zustimmung. Rund 60 Anwohner im Umkreis des Güterbahnhofs haben Wick ihren schriftlichen Widerspruch gegen den Abstellbahnhof bereits gegeben. „Noch bis 1. September besteht dazu im Stadtplanungsamt oder Regierungspräsidium die Möglichkeit“, sagt Wick und denkt dabei auch an die Bewohner in den Höhenlagen von Luginsland und der Scherrenstraße, „die das Geschehen auf dem Abstellbahnhof auch mitbekommen werden.“

Stuttgarter Zeitung 31.8.2010
Lärmbelästigung befürchtet

Weitere 215 Widersprüche für das Vorhaben, den alten Rangierbahnhof in einen im Ringsystem verankerten Wartungsbahnhof zu verwandeln, werden am Dienstag im Stadtplanungsamt abgegeben. Eine vom Untertürkheimer Eberhard Wick gegründete Bürgerinitiative befürchtet erhebliche Lärmbelastungen durch die Reinigung und Instandhaltung. Es gebe auch eine Schredderanlage, sagt Initiativenmitglied Friedrich König, der sich wie die übrigen Mitglieder darüber beschwert, nie über die drohenden Belastungen unterrichtet worden zu sein. Skandalös sei, dass im Bezirksbeirat Untertürkheim der Antrag der Grünen, eine Informationsveranstaltung zu veranstalten, von der Stuttgart-21-Mehrheit mit dem Hinweis auf die Unumkehrbarkeit des Projekts abgeschmettert worden sei.

STUTTGART 21

220 Einsprüche gegen Abstell-Bahnhof

UNTERTüRKHEIMER ZEITUNG 1.9.2010:
Anwohner fürchten Lärm durch die geplante Reinigung und Instandsetzung von ICE-Zügen

(mk) - Gestern, ein Tag vor Ablauf der Einspruchsfrist, übergaben Friedrich König und Martin Glemser einen Ordner mit 220 Einsprüchen gegen den geplanten Abstellbahnhof. 220 Untertürkheimer Anwohner legten Widerspruch gegen den Bau und die Inbetriebnahme ein. Sie fürchten noch mehr Lärm.

Ende Juli machte das Regierungspräsidium die Umgestaltungspläne für den Abschnitt 1.6b für Stuttgart 21 bekannt. Auf dem Gelände des bestehenden Güterbahnhofs sollen künftig ICE- und andere Züge gereinigt, gewartet und abgestellt werden. Beim Stadtplanungsamt lagen die Pläne einen Monat lang aus. Auf dem durch einen neuen Ring angeschlossene Servicebahnhof sind laut Planfeststellungsunterlagen eine Innen- und Außenreinigungsanlage, ein technischer Service-Punkt, eine Tankanlage sowie Büro und Verwaltungsgebäude vorgesehen.

Die Befürchtungen der Anwohner richten sich einerseits gegen die Lärm- und sonstige Beeinträchtigungen, die sie während der Bauzeit erfahren. Vor allem wehren sie sich aber gegen die Lärmemission, die durch den ständigen Betrieb von Reinigungs- und Wartungsanlagen, sowie durch Warnsignale verursacht werden. Gerade aus den Erfahrungen mit den nervenden Warnhupen während der Schienenarbeiten haben sich Anwohner unter Federführung von Eberhard Wick zu einer Initiative zusammengeschlossen.

220 Einsprüche gingen bis gestern Vormittag bei den Aktiven ein. In einem Ordner gebündelt, gaben Glemser und König diese teilweise mit persönlichen Anmerkungen ergänzten Einwände der Anwohner im Stadtplanungsamt ab. Weitere rund 30 Einsprüche gingen nach Angaben eines städtischen Mitarbeiters per Post ans Stadtplanungsamt oder ans Regierungspräsidium. In einer Fleißarbeit schaute Glemser zudem die Ordner des Planfeststellungsverfahren durch und fand 56 Unklarheiten, veraltete Fakten oder - aus seiner Sicht - Fehler. „Offensichtlich sind die Planungen zu diesem Projektabschnitt in vielerlei Hinsicht ungenügend und unverträglich. Allein die während der Bauzeit und beim Betrieb der geplanten Anlagen von der Bahn veranschlagten Schallemmissionen sind für die Anwohner in Untertürkheim unzumutbar einzustufen“, heißt es in einer Pressemitteilung der Gemeinderats-Grünen. Auch die Tatsache, dass erneut große Massen an Erdaushub und Bauschutt nicht auf der Schiene, sondern durch Lastwagen abgefahren werde, sei als Planungsdefizit zu bewerten. Die Bedenken und Einsprüche werden als Bestandteil des Planfeststellungsverfahrens noch im Gemeinderat, im Bezirksbeirat und in Form einer Anhörung der Anwohner erörtert werden.

STUTTGART 21 - Gegner sprechen Bahnprojekt rechtliche Grundlage ab

UNTERTüRKHEIMER ZEITUNG 10.9.2010
UNTERTüRKHEIM:
Abstellbahnhof und Filderroute noch nicht genehmigt: Dauerhafte Belastung für Anwohner und Umwelt

„Es könnte das gesamte Projekt S 21 noch einmal kippen“, hofft BUND-Regionalgeschäftsführer Gerhard Pfeifer. Die Gegner sprechen dem Milliardenvorhaben die rechtliche Grundlage ab: Sowohl der Abstellbahnhof in Untertürkheim (1.6 b) als auch der Filderbereich beim Flughafen (1.3) sind vom Eisenbahn-Bundesamt (Eba) noch nicht genehmigt. Aber genau diese Abschnitte hätten dauerhafte Auswirkungen auf Anwohner und Umwelt.

Von Alexander Müller

In sieben Teilabschnitte ist S 21 eingeteilt. Der Bau hat mit dem Abriss des Nordflügels am Hauptbahnhof bereits begonnen. „Das ist ein Risiko, das die Bahn tragen muss“, warnt Pfeifer vom Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND). Denn dem Milliardenprojekt fehlt noch die rechtliche Grundlage in zwei Abschnitten. In den Planfeststellungsrichtlinien des Eba ist zwar festgelegt, dass die Einteilung in Abschnitte und die schrittweise Genehmigung rechtmäßig ist, es dürften aber für die Gesamtmaßnahme keine negativen Auswirkungen resultieren. „Und das ist hier der Fall.“ Ohne den Abstellbahnhof und die Filderrroute ist der Bau des neuen Schienenknotenpunktes nicht möglich. „Es muss also noch einmal die Gretchenfrage gestellt werden“, fordert Pfeifer.

Das Aktionsbündnis gegen Stutt-gart 21, dem der BUND angehört, ist überzeugt, dass sowohl die neue Trasse am Flughafen, aber in erster Linie der Abstellbahnhof in Untertürkheim nicht gebaut werden darf. Auf dem Areal des Güterbahnhofs in Untertürkheim soll ein Servicebahnhof entstehen. Auf dem 135 000 Quadratmeter großen Gelände an der Augsburger Straße sind auf zwei Kilometern Länge Abstell-, Tank-, Innen- und Außenreinigungs- sowie Instandhaltungsanlagen geplant. Dafür müssen die Gebäude abgerissen und 8296 Meter neue Gleise verlegt werden. Angebunden an den Haupt- ist der Abstellbahnhof durch einen kleinen Ringverkehr, denn in Zukunft können die Züge nicht mehr lange dort verweilen.

„Das sind Taschenspielertricks“

Laut den Planfeststellungsunterlagen wird sich die Situation in Bezug auf die Lärmsituation für die unmittelbar betroffenen Anwohner verbessern. Das bezweifeln die Gegner aber vehement. „Da wird mit jeder Menge Taschenspielertricks gearbeitet“, sagt Martin Glemser von den Naturfreunden Untertürkheim. Der Grünen-Bezirksbeirat hat für den Landesnaturschutzbund (LNV) die Akten genau studiert. Vor allem der neue Service-Punkt stößt ihm dabei auf. Auf einer 200 Meter langen Strecke ist eine 20 Meter breite fahrbahre Einhausung - eine Art Hebebühne - vorgesehen. In Betrieb muss vor dieser mit optischen und akustischen Signalen gewarnt werden. Diese verursachen einen Lärm von bis zu 107 Dezibel. Da der Abstellbahnhof 24 Stunden am Tag in Betrieb ist, müssten die Anwohner auch nachts mit Lärm rechnen. Die Bahn habe die Belastung über die gesamte Strecke verteilt, zudem auf 24 Stunden umgerechnet und trotz beider Mittelwerte noch eine Ausnahmeregelung für kurzfristige Lärmbelastungen in Anspruch genommen. „Da wird den Anwohnern etwas vorgegaukelt“, ärgert sich Glemser. Ähnlich verhält es sich mit der geplanten Wertstoffpresse, die 15 Minuten lang zirka 104 Dezibel erzeuge. „Wer das nachts einmal hört, der schläft nicht mehr“, betont Glemser. Und das sei nicht nur während der Bauphase eine Belastung, sondern eine auf Dauer bestehende. Mehr als 240 Einsprüche gegen den neuen Abstellbahnhof sind daher von Privatbürgern neben dem vom Aktionsbündnis eingegangen.

Zudem bezweifelt Glemser die Glaubwürdigkeit der von der Bahn in Auftrag gegebenen Gutachten. In dem Planfeststellungsverfahren sind Gesetze aus dem Umweltverträglichkeits und dem Naturschutzgesetz aus den Jahren 2002 und 2009 zitiert, die schon „seit langem überholt sind“, weiß Glemser. Teilweise hätten sich diese auch in für Stutt-gart 21 relevanten Bereichen geändert. Ganz zu Schweigen von der Zerstörung der vorhandenen gewachsenen Biotopstruktur im nicht genutzten Güterbahnhof, in der auch die Mauereidechse zu Hause ist. Zudem kämen durch den Abtransport von weiteren 220 000 Kubikmetern Erdaushub über die Straße weitere Belastungen auf die Anwohner zu.

Ähnlich verhält es sich mit der Filderlinie vom Echterdinger Ei bis zum Flughafen. Für den Trassenneubau würden einige Flächen von Landwirten benötigt. „Das kann auch die Existenz bedrohen“, sagt LNV-Geschäftsführer Bernd Pfleiderer. Eine Klage gegen die letzten beiden Abschnitte, für die frühestens im Frühsommer 2011 mit einer Genehmigung gerechnet wird, behalten sich die S-21-Gegner vor.

Stuttgart 21 - "Die Bahn hat ihre Glaubwürdigkeit verspielt"

Jörg Nauke, veröffentlicht in dert Stuttgarter Zeitung am 12.09.2010

Stuttgart - Vertreter des BUND und des Landesnaturschutzverbandes haben am Donnerstag der Behauptung von Projektbefürwortern widersprochen, Stuttgart 21 sei unumkehrbar. Gebe es an der politischen Legitimation keinen Zweifel, so sei doch planungsrechtlich das Gesamtprojekt längst nicht in trockenen Tüchern.

Zwei der sieben Abschnitte, jene für den Abstellbahnhof in Untertürkheim (1.6b) und die Verbindung zum Flughafen (1.3), seien noch nicht planfestgestellt. Im Umstand, dass in der Erörterung der Teilbereiche immer auch der Gesamtplan aus heutiger Sicht diskutiert werden müsse, sehen die Umweltverbände ihre Chance, das Projekt zu kippen. Aus ihrer Sicht sei "mit falschen Daten und Zahlen operiert worden", betonen die Gegner im Anhörungsverfahren zur Planfeststellung. Im Erörterungsverfahren wird die Bahn zu diesen Vorwürfen Stellung beziehen. So seien die Kosten von 2,8 Milliarden auf 4,1 Milliarden Euro explodiert, auch seien längst die Wirtschaftlichkeit und der Bahn-Betrieb infrage gestellt und die fehlende Fahrplanstabilität durch das SMA-Gutachten kritisiert. Diverse Sicherheitsaspekte und die Bahnhofsarchitektur seien auch geändert worden. Die Bahn habe "ständig nachgebessert und erst nachträglich eingestanden, dass in den damaligen Planungsunterlagen eingereichte Inhalte nicht mehr zutreffen", heißt es in der Stellungnahme des BUND zum Planfeststellungsabschnitt Abstellbahnhof.
Die Bahn soll mit falschen Zahlen gearbeitet haben

Dass die Bahn "ihre Glaubwürdigkeit verspielt hat", macht der Regionalgeschäftsführer Gerhard Pfeifer an der Behauptung in den Unterlagen fest, der Tiefbahnhof sei von acht auf zehn Gleise erweiterbar. Tatsächlich hat unlängst aber der Vorstandschef der Bahn-Tochter Station & Service, André Zeug, nicht nur die Notwendigkeit ausgeschlossen, sondern auch die Machbarkeit. Die Bahn hatte darauf mit einem Dementi reagiert. Der BUND bleibt aber dabei, dass die Frage der Bahnhofskapazität im anstehenden Erörterungsverfahren zum Abschnitt 1.6b "völlig neu beleuchtet werden" müsse. Das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 führt weitere Punkte an, die eine Neubewertung des Projekts erforderlich machten: Angebliche Falschaussagen über die Bauzeit (zehn statt sieben Jahre), die Nichtberücksichtigung des Filderbereichs und der nördlichen Zulaufstrecken bei der Ermittlung der Kapazitäten im Bahnhof, die reduzierte Leistungsfähigkeit im Tiefbahnhof beim Ausfall bestimmter Weichen und die seiner Ansicht nach zu geringen Querschnitte in den Tunnels von 4,05 Meter, für die eine Ausnahmegenehmigung erteilt werden muss.

Martin Glemser, Grünen-Bezirksbeirat und Mitglied der Naturfreunde in Untertürkheim, und weitere 240 Bürger wollen den Bau des Abstell- und Wartungsbahnhofs auf dem seit zehn Jahren ungenutzten Gelände an der Augsburger Straße verhindern. Glemser bewertete die von ihm in Fleißarbeit ausgewerteten Planunterlagen als "fehlerhaft, unzulänglich, unglaubwürdig und als Information für die betroffenen Bürger ungeeignet".

Maßnahmen zur Luftreinhaltung sucht man in vergeblich
Neben den Abstellflächen sind außerdem eine Innen- und Außenreinigungsanlage, eine Tankstelle und ein "technischer Service-Point" geplant. Mit den Planunterlagen sei eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorgelegt worden, die aber "unzureichend" sei. So seien acht von elf genannten Gesetzen nicht in ihrer aktuellen Fassung berücksichtigt. Es werde behauptet, der Lärm nehme ab, dabei sei das Gegenteil der Fall. Hohe Einzelschallergebnisse von 107 dB (A) in Wohnnähe würden über Strecken und Zeiten gemittelt und so unter gesetzliche Höchstgrenzen gedrückt. Die Untersuchungen von Tieren und Pflanzen seien unzulänglich. Nutzlos seien zudem die Ersatzmaßnahmen für die Habitatzerstörung geschützter Tierarten wie der Mauereidechse – Magerrasen statt Kleingartenanlagen in Rotenberg. Der Bau sehe den Abtransport von 200.000 Kubikmeter Abraum und die Aufarbeitung von 30.000 Kubikmeter Schotter am Ort vor. Maßnahmen zur Luftreinhaltung suche man in den Planunterlagen aber vergeblich, so Martin Glemser.

Bezirksbeiratssitzung Untertürkheim
Mo 4.10.2010 18:30 Uhr in der Sängerhalle Untertürkheim
Thema: Stuttgart 21 -Abstellbahnhof Uthm - Beratung
gemeinsam mit den Bezirksbeiräten Obertürkheim und Bad Cannstatt

41 Bezirksbeiräte diskutieren den Abstellbahnhof
UNTERTüRKHEIMER ZEITUNG 4.10.2010:
Heute Abend in der Sängerhalle gemeinsame Sitzung Untertürkheim, Obertürkheim und Bad Cannstatt zum Bahnprojekt

(uli) - Heute Abend findet ab 18.30 Uhr eine gemeinsame Sitzung der Bezirksbeiräte Untertürkheim, Obertürkheim und Bad Cannstatt statt. Allerdings nicht an gewohnter Stätte, sondern in der Sängerhalle. Der Grund: Auf der Tagesordnung steht der geplante Abstellbahnhof - und bei diesem Thema werden weitaus mehr Besucher erwartet als sonst üblich.

Der Untertürkheimer Schultes Klaus Eggert musste in den vergangenen Tagen im Vorfeld einer Bezirksbeiratssitzung mehr als sonst zum Telefonhörer greifen. Am Freitag hatte er zudem noch einen Vor-Ort-Termin in der Sängerhalle, um die Bestuhlung durchzusprechen. Tags zuvor hatte er auch schon mit dem Chef des Polizeireviers ein längeres Gespräch. „Wir wissen natürlich nicht, wie viele Besucher kommen“, so Eggert. Er rechne jedoch schon mit einer großen Zahl, da das Thema Abstellbahnhof in Untertürkheim für viel Kritik gesorgt hat. Einen Tag vor Ablauf der Einspruchsfrist wurde Ende August vom Grünen-Bezirksbeirat Martin Glemser ein Ordner mit 220 Einsprüchen gegen den geplanten Abstellbahnhof im Stuttgarter Rathaus abgegeben. Der Grund: Anwohner fürchten noch mehr Lärm. Im Zuge von Stuttgart 21 will die Bahn den Untertürkheimer Güterbahnhof zu einem Servicebahnhof umbauen. Auf dem 135 000 Quadratmeter umfassenden Areal an der Augsburger Straße sollen laut Planfeststellungsunterlagen auf zwei Kilometern Länge Abstell-, einer Tank-, Innen- und Außenreinigungs- sowie Instandhaltungsanlagen gebaut sowie die bestehenden Gebäude abgerissen werden. Zudem sollen 8296 Meter neue Gleise verlegt und 29 000 Kubikmeter vorhandener Schotter neu verteilt werden.

Gesprächsstoff für die teilnehmenden 41 Bezirksbeiräte (20 aus Bad Cannstatt, zwölf aus Untertürkheim und neun aus Obertürkheim) gibt es reichlich. Allerdings weiß Klaus Eggert nicht genau, wer alles neben ihm auf dem Podium Platz nehmen wird. „Fest steht nur, dass Baubürgermeister Matthias Hahn die Sitzung leitet“, so der Bezirksvorsteher. Klar sei natürlich auch, dass Hahn seine Referenten mitbringen werde und zudem ein Vertreter der Deutschen Bahn AG vor Ort Rede und Antwort stehen werde. Allerdings nur auf die Fragen der Bezirksbeiräte. „Bei der Veranstaltung handelt es sich um keine Bürgerversammlung“, so Klaus Eggert. Nur mit dem Einverständnis seitens der drei Bürgergremien können sich auch Besucherinnen und Besucher zu Wort melden. Was die Einsprüche der Anwohner wegen der Lärmentwicklung angehe, so wurden die Unterlagen an das Regierungspräsidium weiter geleitet. Der Termin für eine Erörterung stehe jedoch noch nicht fest.

Harsche Kritik an Plänen für neuen Abstellbahnhof

UNTERTÜRKHEIMER ZEITUNG 6.10.2010: Bürger und Stadt fordern erhebliche Nachbesserungen beim Schallschutz, Baustellenmanagement und Ausgleichsflächen

Am Montag diskutierten Bezirksbeiräte von Bad Cannstatt, Ober- und Untertürkheim sowie gestern die Stadträte über den neuen Abstellbahnhof für Stuttgart 21. Von Bürgern und Stadtverwaltung mussten die Bahnplaner harsche Kritik an „unzureichenden Gutachten“, „veralteten Unterlagen“ und der „bürgerfeindlichen Darstellung“ gefallen lassen. Unter Berücksichtigung des 19 Punkte umfassenden Verbesserungskatalogs stimmten die Bezirks- und Stadträte den Plänen zu.

Von Mathias Kuhn

Rund 200 Zuhörerinnen und Zuhörer - darunter viele Anwohner des Untertürkheimer Ortskerns - erhofften sich am Montagabend in der Sängerhalle Klarheit darüber, was sie mit der Ansiedlung des Abstellbahnhofs für Stuttgart 21 erwarten wird. Im Rahmen des gesetzlich vorgeschriebenen Anhörungsverfahrens sollten die Bezirksbeiräte Stellung zu den von der Bahn vorgestellten Vorhabensplänen beziehen. Gleich zu Beginn erntete die Bauherrin grundsätzliche Kritik. „Wir diskutieren hier noch über den wichtigen Teilabschnitt 1.6b des Bahnprojekts, während in der Stadt der Nordflügel des Bahnhofs abgerissen wird und Bäume gefällt werden“, stellte Grünen-Stadtrat Jochen Stopper und andere Redner die rechtliche und politische Vorgehensweise in Frage. Noch heftiger kritisierten Politiker und Vertreter der Stadt das Prozedere. Zeitpunkt und Dringlichkeit würden den Eindruck erwecken, dass die Pläne möglichst geräuschlos durchgezogen werden sollten. So wurde das Planfeststellungsverfahren für die Stadtverwaltung überraschend in den Sommerferien eröffnet, und die Bezirksbeiräte hatten nur vier Tage Zeit die Beschlussvorlage durchzulesen. Umso größeres Lob ernteten die Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die die auf mehrere Ordner verteilten Pläne trotz Urlaubsbesetzung systematisch durcharbeiteten und teilweise zerpflückten.

„Stuttgart-21-Befürworter sowie die Bahngegner treten gleichermaßen dafür ein, dass der heutige Abstellbahnhof im Rosensteinpark auf das Gelände des einstigen Güterbahnhofs Untertürkheim verlegt wird“, stellte Baubürgermeister Matthias Hahn zunächst fest. Der Gewinn von innerstädtischen Flächen am Rosenstein - eventuell Parkflächen - geht auf Kosten der Untertürkheimer. Das seit einigen Jahren brachliegende, rund 24 Hektar große Gelände des Güterbahnhofs soll für die Wartung, das Abstellen und das Reinigen der Personenzüge genutzt werden. Die bestehenden Gebäude sollen abgerissen und eine Außen- und Innenreinigungsanlage, ein Technischer Service-Punkt, Betriebsgebäude und eine Tankanlage gebaut werden. Die Anlage wird 15 Gleise umfassen. „Die klimatischen Auswirkungen sind zu vernachlässigen“, meinte Hahn.

Umso schärfere Widersprüche ernteten die Unterlagen dafür in Sachen Schallschutz. Die Durchsicht des Gutachtens lasse erkennen, dass erhebliche Korrekturen notwendig seien, heißt es ungewohnt deutlich im Kommentar der Stadt. So sei es mehr als verwunderlich, den künftigen Abschnitt in Untertürkheim leiser darzustellen als der derzeit ungenutzte Güterbahnhof. Dies gelänge nur durch unplausible, nicht nachvollziehbare Emissionsansätze. Die Folgerung daraus: „Das Gutachten ist nachzubessern und auf neue Füße zu stellen“, so Hahn. Der Bürgermeister erntete dafür unisono höchste Anerkennung. Martin Glemser, Grünen-Bezirksbeirat in Untertürkheim, dankte für den „gnadenlosen Verriss durch die Stadt“ und den Hinweisen auf fehlerhafte Punkte in den Gutachten, die sich mit seiner Mängelliste decken. Mit weiteren Fragen zur Streckenführung der Güterzüge und Höhenangaben brachte er gleichzeitig die Vertreter der Bahn zum Schwitzen.

Weiterer Kritikpunkt etlicher Redner ist das Baustellenmanagement. Bezirksbeirat Heinz Nicolai aus Obertürkheim, Günther Busch (Freie Wähler) aus Untertürkheim und andere forderten, dass die Erdmassen - 44 000 Kubikmeter Aushub und 70 000 Kubikmeter Auffüllmaterial - nicht per Lastwagen sondern auf der Schiene transportiert werden. „Das Aushubmaterial ist nicht für den Wiedereinbau verwendbar. Es könnte als Sichtschutz für die Neubaustrecke nach Ulm genutzt werden. Da dort noch keine Gleise liegen, muss es per Lastwagen transportiert werden“, argumentierte Ronald Heil von der DB Projektgruppe.

Auch in Sachen Ausgleichsflächen folgt die Stadtverwaltung nicht den Bahnplanern. Sie schlagen vor, eine Fläche südlich der Egelseer Heide als Ausgleich für die ökologischen Schäden auf dem Güterbahnhof-Areal zu renaturieren. Die Stadt und die Bezirksbeiräte aus Obertürkheim und Untertürkheim lehnen dies ab. Als Alternativen stellte Hahn Flächen im Gewann Käppe-leshau, am Voltasteg in Bad Cannstatt, am Feuerbach in Mühlhausen, die Uferbereich nahe des Keefertals und die Weinberge in Rohracker als Alternativen vor. Weitere Fragen betrafen die Anzahl der Personenzüge, die auf den Abstellbahnhof fahren - offenbar 200 pro Tag - die Umleitung der U 13 während der Bauzeit und Brückenbauwerke sowie die Streckenführung im Bereich Gottlieb-Daimler-Gymnasium/Deckerstraße. Teilweise nur ausreichend konnten die Planer dazu Auskunft geben - was im Gemeinderat wiederum für Kritik „über die unzureichende Performance der Bahn“ führte. Dennoch nahm die Mehrheit der Bezirksbeiräte die Pläne zustimmend zur Kenntnis. Gleichzeitig stimmten alle Politiker dem Anregungs- und Forderungskatalog der Stadtverwaltung mit den 19 teilweise erheblichen Verbesserungs- und Korrekturvorschlägen zu.

Lokales -STUTTGARTER ZEITUNG 6:10:2010

Abstellbahnhof soll leiser werden

Genehmigungsverfahren - Der Gemeinderat fordert Nachbesserungen bei den Planungen für Untertürkheim.
Von Wolfgang Schulz-Braunschmidt

Der Stuttgarter Gemeinderat - der Ausschuss für Umwelt und Technik - hat gestern einstimmig zahlreiche Anregungen für das Planfeststellungsverfahren zum Abstellbahnhof Untertürkheim beschlossen. Ein von den Grünen gestellter Antrag, das Verfahren wegen erheblicher Mängel abzulehnen, fand keine Mehrheit. Der neue Abstellbahnhof wird für das umstrittene Schienenprojekt Stuttgart 21 benötigt. Dort sollen täglich 200 Züge bereitgestellt werden. Baubürgermeister Matthias Hahn (SPD) übte scharfe Kritik an dem nach Ansicht der Stadt unzureichenden Lärmschutzgutachten der Bahn. Hahn beklagte auch, dass die von der Bahn erarbeiteten Planungsunterlagen selbst für Fachleute der Stadt kaum verständlich seien. Er forderte die Bahn auf, alle wichtigen Dinge so verständlich darzustellen, dass sie für Bürger transparent würden. Diesem Wunsch wolle man beim nächsten Planfeststellungsabschnitt entsprechen, versprach Udo Andriof, Projektsprecher des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm, der mit zwei Bahn-Experten im Ausschuss erschienen war.

Die Bahn als Bauherrin von Stuttgart 21 hat das Genehmigungsverfahren für das Projekt in sieben Abschnitte unterteilt. Wesentliche Teile wie der neue Tiefbahnhof sind schon seit längerer Zeit gebilligt, und die Entscheidungen haben auch Klagen der Gegner bis hin zum Verwaltungsgerichtshof stand gehalten. Offen ist jedoch noch der Abschnitt auf den Fildern mit dem geplanten Bahnhof am Flughafen - und eben der Abstellbahnhof in Untertürkheim, wo momentan die sogenannte Anhörung läuft. Vor diesem Hintergrund hat sich gestern der Umwelt- und Technikausschuss des Gemeinderates mit der Materie befasst. Neben einem besseren Lärmschutz verlangt die Stadt unter anderem ein Baustellenkonzept zur Luftreinhaltung und Staubminderung; Massentransporte sollen über die Schiene abgewickelt werden. Höchst unzureichend sind aus städtischer Sicht bisher die Schutzmaßnahmen für die im Gebiet des heutigen Güterbahnhofs vorkommenden Mauereidechsen.

Grünen-Stadtrat Jochen Stopper kritisierte, dass der Nordflügel des Hauptbahnhofs und 25 Bäume im Schlossgarten bereits vor dem Ende aller noch offenen Planfeststellungsverfahren für Stuttgart 21 zerstört worden seien. CDU-Stadtrat Phillip Hill bemängelte, dass Gemeinderat und Bezirksbeiräte keine Woche Zeit gehabt hätten, um sich in die vom Umweltamt sorgfältig zusammengestellten Unterlagen einzuarbeiten. SPD-Fraktionchefin Roswitha Blind freute sich, „dass der alte Abstellbahnhof bald aus dem Rosensteinpark verschwindet". Die ökologischen Ausgleichsmaßnahmen für die Neubauten auf dem Areal des alten Güterbahnhofs in Untertürkheim müssten ernsthaft angepackt und rasch umgesetzt werden.

Der neue Wartungs- und Abstellbahnhof Untertürkheim

Original 2003: siehe:
http://www.bahn.de/stuttgart21/verbindungen21/bahnknoten/die_bahn_434_untertuerkheim.shtml

Als Ersatz für den am Rosensteinpark aufzugebenden Abstellbahnhof wird auf dem Gelände des Rangierbahnhofs Untertürkheim ein neuer Wartungs- und Abstellbahnhof gebaut.

Die Aufgaben des Rangierbahnhofes Untertürkheim gehen auf den Rangierbahnhof Kornwestheim über. Er dient primär den Aufgaben des Regionalverkehrs im Knoten Stuttgart.


Schemazeichnung des Wartungsbahnhofs Untertürkheim
(Planungsstand Raumordnungsverfahren)
Stuttgarter Zeitung vom 30.8.2003

Stuttgart 21 - Kreisverkehr in den Tiefen der Landeshauptstadt

Weitere Pläne für Stuttgart 21 werden ausgelegt - Lange Tunnelstrecken, eine neue S-Bahn-Station und eine neue Neckarbrücke

Das Genehmigungsverfahren für Stuttgart 21 geht weiter: Am Montag werden die Pläne ausgelegt für die Verbindung nach Feuerbach und den Ringverkehr. Dieser soll den künftigen Tiefbahnhof mit der Filstalstrecke und dem neuen Abstellbahnhof verbinden.

Von Mathias Bury

Nach den ersten beiden Planungsabschnitten von Stuttgart 21, dem Tiefbahnhof und dem Fildertunnel, die im April öffentlich erörtert worden sind, kommen zwei weitere Teile des Milliardenprojekts auf den Prüfstand. Im Zuge des Anhörungsverfahrens können die Bürger während vier Wochen Einsicht nehmen in die Pläne für die geplanten Gleisverbindungen nach Feuerbach und Bad Cannstatt (Abschnitt fünf) und die Tunnelstrecke nach Unter- und Obertürkheim (Abschnitt sechs). 72 Ordner stehen zur Lektüre bereit.

39 Aktenordner umfassen die Pläne für die geplante Fernbahnverbindung vom künftigen Tiefbahnhof zum Bahnhof Feuerbach und zum Bahnhof Bad Cannstatt. Die 3,2 Kilometer lange Tunnelstrecke nach Feuerbach soll unter dem Kriegsberg und dem Killesberg hindurchführen. Auch die 3,8 Kilometer lange Trasse nach Bad Cannstatt verläuft weitgehend im Tunnel, nach dem Rosensteinpark oberirdisch über eine neue Neckarbrücke.

Brücke
Diese soll nördlich der heutigen Eisenbahnbrücke entstehen und auch einen Fuß- und Radweg haben. Dafür muss der vorhandene Holzsteg abgebrochen werden.

Teil des Abschnitts ist der Bau einer neuen S-Bahn-Station auf der Höhe der Mittnachtstraße im Nordbahnhofviertel. Die Haltestelle soll der Erschließung des Rosensteinviertels dienen, das zwischen Unterem Schlossgarten, Rosensteinpark, Wolframstraße, Pragfriedhof und Heilbronner Straße als innerstädtisches Zukunftsquartier geplant ist, ein Großteil davon auf den durch Stuttgart 21 frei werdenden Gleisflächen. Und die neue Station soll eine neue Umsteigemöglichkeit bieten. "Wir rechnen mit täglich 20 000 Umsteigern", sagte Jürgen Friedmann von der DB Projektbau Stuttgart.

S21
Projekte und Streckenführung von Stuttgart 21

Diese Karte in GOOGLE-MAPS öffnen mit mauell eingezeichneten Neubaustrecken

(Genauigkeit: Streckenführung stimmt nicht exakt. Daten grob aus den offiziellen Karten entnommen)

5,3 Kilometer lang sind die beiden Tunnelröhren, die den Tiefbahnhof mit der Bahnlinie nach Esslingen und dem geplanten Abstellbahnhof verbinden, der auf dem heutigen Gelände des Güterbahnhofs Untertürkheim entstehen soll. Der Abstellbahnhof ist zwar Teil des sechsten Planungsabschnitts, er wird aber nun in einem abgetrennten Verfahren behandelt. Das ursprüngliche Konzept eines Wartungsbahnhofs wurde inzwischen modifiziert. "Instandsetzungs- und Wartungsarbeiten, die zum Teil laut sind, soll es doch keine geben", sagte der zuständige Projektleiter Felix Gollbach. Nun sollen auf dem Gelände die Züge nur noch abgestellt oder gereinigt werden, um sie ohne Richtungswechsel schnell wieder im Tiefbahnhof bereitstellen zu können. Diesem Zweck dient der Ringverkehr über Bad Cannstatt.

Die beiden eingleisigen Tunnelröhren nach Unter- und Obertürkheim verlaufen in einer Tiefe zwischen 120 Meter (Straußweg in Gablenberg) und 24 Meter (Viehwasen in Wangen). Im Abstand von 480 Metern sind sie durch 13 Rettungsstollen verbunden. Die parallel laufenden Tunnels trennen sich unmittelbar bevor sie in acht Meter Tiefe beim Inselbad den Neckar unterqueren.

Für beide Projektabschnitte ist eine Bauzeit von sieben Jahren veranschlagt. Anfang 2005 soll Stuttgart 21, dessen Kosten bisher mit insgesamt 2,6 Milliarden Euro veranschlagt sind, einer erneuten Wirtschaftlichkeitsprüfung unterzogen werden, bevor die definitive Entscheidung über den Bau fällt.

Aktualisiert: 01.09.2003

Untertürkheimer Zeitung vom 5.9.2003

ICE-Tunnel unter dem Neckar schließt den Kreis

Genehmigungsverfahren für Stuttgart 21-Abschnitt nach Untertürkheim beginnt:
Hohe Sicherheitsstandards in den Röhren - Schwierige Bauphase


Von Mathias Kuhn

Untertürkheim - Haushalte in Wangen, Ober- und Untertürkheim flattert momentan eine Broschüre der Bahn ins Haus. Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens für Stuttgart 21 wird der Streckenabschnitt vom Hauptbahnhof nach Untertürkheim vorgestellt. Die 5,7 Kilometer langen Röhren werden den Tiefbahnhof mit der Filstaltrasse und dem Abstellbahnhof verbinden.

S21

Die Pläne, Zeichnungen und Bohrergebnisse für den Streckenabschnitt 1.6, die Zuführung Ober- und Unter- türkheim, füllen mehrere Dutzend Aktenordner. Sie liegen nun zur Einsicht für jedermann im Stadtplanungsamt aus. Planerisch ist der östliche Teil des Rings vom Tiefbahnhof nach Bad Cannstatt in drei Bauabschnitte gegliedert: Die Anbindung von der Innenstadt in Richtung Obertürkheim an die bestehende Bahnlinie nach Esslingen, der Abzweig in Richtung des neuen Abstellbahnhofs an der Augsburger Straße sowie die Weiterführung in Richtung Bad Cannstatt - das wichtige Glied für den Ringverkehr zum neuen Hauptbahnhof.

"Der überwiegende Teil der Gleise einschließlich der Neckarunterquerung verläuft unterirdisch", berichtet Projektleiter Felix Gollbach. Zwei 5,7 Kilometer lange, voneinander getrennte Tunnelröhren führen von der Innenstadt in Richtung Untertürkheimer Schleuse. In Wangen spalten sich die zwei Tunnels nochmals jeweils in zwei Röhren auf, so dass vier Röhren den Neckar unterqueren: je zwei in Richtung Obertürkheim und je eine für jede Richtung zum neuen Abstellbahnhof. Sicherheit wird dabei groß geschrieben. Bei Störung in einer Röhre können die Passagiere in die parallel verlaufende ausweichen. Der nächste Rettungsstollen liegt maximal 250 Meter entfernt. Zudem sind die Röhren mit Rettungsfahrzeugen und Bussen befahrbar. Auch wegen möglicher Erschütterungen durch den unterirdischen Zugverkehr brauchen sich die Bewohner über Tage keine Sorgen machen. Der Tunnel verläuft in einer Tiefe zwischen 125 Meter in Gablenberg und 24 Meter am Viehwasen in Wangen. Die niedrigste Überdeckung weisen die Röhren mit acht Metern bei der Neckarunterquerung auf.

Für die bergmännische Bauweise sind drei Zwischenangriffe geplant: In Wangen auf dem Parkplatz der Verkehrswacht. "Mit einem Lift werden die Erdmassen nach oben befördert und per Lkw abtransportiert", so Gollbach. Als Abfahrtsweg sei die Ulmer Straße Richtung B 10 am Großmarkt und nicht die Fahrt durch den Ort angegeben, beugt er Befürchtungen vor.

Die zweite Großbaustelle wird in der Hafenbahnstraße eingerichtet. Das Verbindungsstück von den Otto-Konz-Brücken zur Augsburger Straße/Nanz-Areal muss während der Bauzeit gesperrt und der Fuß-/Radweg entlang des Uhlbachs verlegt werden. Bezirksbeiräte befürchteten Verkehrsstaus, obwohl Gutachter keine problematischen Verkehrsströme vorhersehen.

Die dritte Baustelle erwartet die Bewohner in der Benzstraße. Sie dient den Arbeiten am künftigen Abstellbahnhof und ist als spätere Rettungszufahrt angelegt.

"Der neue Abstellbahnhof wird das Herzstück unseres Dienstleistungskonzeptes", so Gollbach. Hier werden die ICEs schnell betankt, gewaschen, innen gereinigt und kleinere Reparaturen vorgenommen. Zudem kann das Cateringteam ihre gastronomische Vorräte wieder auffüllen.

Über die Gleise in Richtung Bad Cannstatt - an der Deckerstraße ist ein zweistöckiges Bauwerk geplant - gelangen die einsatzbereiten Züge dann ohne Richtungsänderung zum Hauptbahnhof zurück. "Der Ringverkehr ist geschlossen", erläutert Gollbach die große Bedeutung des Untertürkheimer Abschnitts.

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