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1. Kommunales Elektrizitätswerk Württembergs gebaut von 1899 - 1902

Postkarte von 1910

Das älteste kommunale Wasserkraftwerk in Württemberg

UNTERTüRKHEIMER ZEITUNG 21.2.2012: Seit 110 Jahren wird am Seitenarm des Neckar Strom erzeugt - EnBW bietet nun auch Besichtigungen an

Es ist ein Stück Landesgeschichte: Erbaut zwischen 1899 und 1902 ist es das älteste kommunale Wasserkraftwerk in Württemberg. Seit 110 Jahren wird in dem denkmalgeschützten Gebäude am Seitenarm des Neckars Strom erzeugt. Noch heute liefern die vier Turbinen bis zu sieben Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr. „Es ist ein Zeugnis der ältesten Art der Stromerzeugung“, sagt der Produktionsleiter der EnBW-Neckarwerke AG, Ingenieur Knut Germeier.

Von Alexander Müller

UT
Zwischen Inselstraße und dem Lindenschulviertel steht das historische Wasserkraftwerk.
Das Wasser des Neckars wird an dem Seitenarm gestaut und durch ein Rechen gejagt.
Ein automatischer Kran beseitigt Schmutz aus dem Wasser.

Der Backsteinbau an der Inselstraße führt oftmals ein unbeachtetes Dasein. Dabei ist er ein Stück Landesgeschichte. Die Wasserkraftanlage in Untertürkheim wurden in den Jahren 1899 bis 1902 ursprünglich als Dampf- und Wasserkraftwerk gebaut. Es war das erste kommunale Stromerzeugungsunternehmen in Württemberg. Davor war die Versorgung durch private Anbieter üblich. Der Bau des Kraftwerks war eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Ansiedlung der heutigen Daimler AG in Untertürkheim.

„Bereits 1924 wurde das Kraftwerk erweitert“, erklärt Germeier. Noch heute ist dies an den unterschiedlichen Kacheln an den Wänden gut zu erkennen. „Vermutlich gab es die zunächst verwendeten nicht mehr“, sagt der Ingenieur. Bis heute ist das denkmalgeschützte Gebäude fast komplett in seiner ursprünglichen Form erhalten. Bei der Renovierung vor wenigen Jahren musste akribisch auf alle Einzelheiten geachtet werden. „Wir haben eigens gleiche Backsteine bei einer Spezialfirma herstellen lassen“, sagt Germeier. Auch die wenigen neuen Fenster sind originalgetreue Nachbauten.

Steine
Ingenieur Knut Germeier zeigt eingebaute Backsteine. Bei der Renovierung wurde
auf den Denkmalschutz geachtet.

Was für das Gebäude gilt, ist auch in weiten Teilen für die Technik zutreffend. Bereits 1924 wurden die früheren Kohlekessel und Dampfturbinen außer Betrieb genommen. Dafür wurde aber weiter Pionierarbeit geleistet. Im gleichen Jahr wurde eine der ersten und größten Kaplanturbinen, eine Weiterentwicklung der früheren Francisturbinen, installiert. Bis 1983 waren wesentliche Teile des Maschinenparks im Einsatz, die Hauptkomponenten der Kaplanturbinen sind es noch heute.

Früher war in Untertürkheim auch zusätzlich die Fernsteuerwarte für die Anlagen vor Ort, in Bad Cannstatt, Hofen und Marbach untergebracht. Heute wird alles vollautomatisch von der zentralen Steueranlage in Rockenau überwacht. „So können wir auch den Wasserstand bestimmen, um die Schifffahrt zu gewährleisten“, sagt Germeier. Nur noch einmal am Tag sei ein Mitarbeiter vor Ort.

UTUT
Die Kaplanturbine, die in weiten Teilen seit 1924 im Einsatz ist, misst stolze zwölf Meter,
EnBW-Mitarbeiter Dietmar Bindig überprüft die Anlage der großen Turbine. Fotos: Müller (2), EnBW (2)

Die Laufwassergeneratoren sind enorm wuchtig. Alleine das Laufrad der großen Kaplanturbine, die neben drei kleineren Francisturbinen, im Einsatz ist, wiegt 15 Tonnen. 20 Kubikmeter Wasser pro Sekunde werden in den vier auf fünf Meter großen Einlauf aus dem Seitenarm des Neckars entlang des Lindenschulviertels gedrückt. Kurz vor dem Untertürkheimer Wehr ist dafür der Ausfluss aus dem Hauptverlaufs des Neckars. Damit kein Unrat und vor allem Holzreste die Maschinen verstopfen, ist zuvor ein Rechenbesen im Wasser eingelassen. Vor allem nach einem Hochwasser muss der automatische Kran die Überreste herausholen. Im Jahr zwischen 2000 und 4000 Tonnen, in erster Linie Holz, werden so von der EnBW in allen Wasserkraftwerken aus dem Neckar geholt. Mit dem Wasserdruck werden die Laufräder angetrieben, die die Energie an die senkrecht liegenden Kurbelwellen weitergibt. Das Getriebe erhöht die Geschwindigkeit von 72 Umdrehungen pro Minute auf mehr als 600. So wird letztendlich die Energie über das zwölf Tonnen schwere Polrad gewonnen. Die Besonderheit: Alle Turbinen sind stehend aufgebaut. Mehr als zwölf Meter misst alleine die Kaplanturbine und ist unter Volllast 50 Tonnen schwer. „So baut man heute nicht mehr“, weiß EnBW-Pressesprecherin Maria Dehmer. In modernen Anlagen werden die Turbinen waagerecht gebaut. Große Fabrikhallen wie die 300 Quadratmeter große in Untertürkheim sind nicht nötig. Umso mehr ist das Wasserkraftwerk eine der anschaulichsten Anlagen für die traditionellste aller Arten der Stromerzeugung mit Wasserkraft.

Die EnBW erweitert aufgrund des großen Interesses ihr Angebot für Führungen um fünf Standorte. Auch das Wasserkraftwerk Untertürkheim ist nun ganzjährig zu besichtigen: Von Montag bis Freitag je nach Vereinbarung. Das Mindestalter beträgt zwölf Jahre.

Anmeldungen bei der EnBW unter der Telefonnummer
Tel: +49 800 3629963
Fax: +49 721 91421047 oder auch:
https://www.enbw.com/besichtigungen
oder per E-Mail unter besichtigungen@enbw.de

Wasser marsch!

Stuttgartert Wochenblatt 6.10.2011
UNTERTÜRKHEIM
Der Strom kommt aus der Steckdose, oder? Stimmt natürlich, der Weg vom Erzeuger in die Steckdose ist aber oft nur schwer zu durchschauen.
Einer dieser Erzeuger steht allerdings relativ unbekannt im Zentrum von Untertürkheim.
Bereits seit Anfang des vergangenen Jahrhunderts wird hier Strom erzeugt. Das ursprüngliche Gebäude steht immer noch, und das Wasserkraftwerk gleicht an manchen Stellen glatt einem Museum. Ein Museum, das einst schon Daimler nach Untertürkheim gelockt haben soll.

KraftwerkKraftwerk

Strom für 5000 Personen:
Unauffälliger Kraftprotz in traditionellem Gewand

Über 100 Jahre altes Wasserwerk lockte einst schon Daimler  

Auf den ersten Blick scheint man vor einem normalen Altbau am Wasser zu stehen. Doch hinter dem ehrwürdigen Gemäuer wird aus Wasserkraft Strom für bis zu 5000 Personen erzeugt. Eine von insgesamt 27 Wasserkraftanlagen am Neckar.

UNTERTÜRKHEIM

"Viele Leute wissen gar nicht, dass hier ein Kraftwerk ist, die meinen es wäre direkt am Fluß. Direkt an der Schleuse ist allerdings kein Kraftwerk sondern einfach nur ein Wehr", erklärt Knut Germeier, Leiter der Produktion Nord der Wasserkraftwerke der EnBW, die Begebenheiten in Untertürkheim. In einem Kanal wird das Wasser in das Kraftwerk umgeleitet, seit der Verlauf des Neckarflussbetts im Jahr 1924 verlegt wurde.
Halle
Frühere offene Francisurbinen

In dem Gebäude, das von außen eher einem Museum als einer moderner Wasserkraftanlage ähnelt, sind insgesamt vier Turbinen in Betrieb die zusammen etwa 7000 Megawatt Jahresenergie erzeugen. Auch von innen ist ein gewisser Museumsaspekt vorhanden. "Unsere ausgetauschten Turbinen und auch andere alten Werkzeuge sind immer noch in der alten Halle vorhanden", erklärt Germeier. Auch das ganze Gebäude steht unter Denkmalschutz.

"Wir haben hier drei Francisturbinen, mit je etwa 250 Kilowatt und eine Kaplanturbine mit etwa 650 Kilowatt. Die Fallhöhe beträgt maximal 3,65 Meter", so Germeier. Denn damit Energie gewonnen werden kann muss das Wasser natürlich in Bewegung sein. Entsprechend gibt es am Neckar inzwischen an jeder der 27 Staustufen auch eine Wasserkraftanlage. "Die Letzte ist vergangenes Jahr in Esslingen fertig geworden."

Bei der EnBW liegt jedoch nicht nur die Verantwortung für den Strom sondern auch für den Pegelstands des Neckars: "Wir können natürlich nicht alles Wasser zur Energiegewinnung nutzen", sagt Germeier. Auf dem Neckar muss auf Grund der Schifffahrt immer ein gewisser Pegel eingehalten werden. "Ist im Neckar gerade wenig Wasser, kommt natürlich auch entsprechend weniger Wasser durch das Wasserkraftwerk", erklärt Germeier. Denn ein Mindestanteil darf nicht abgeleitet werden, damit die Fahrrinnen tief genug bleiben. "Auch für den Schleusenbetrieb werden große Wassermengen benötigt."

Bei Hochwasser gilt dasselbe denn auch die Turbinen haben nach oben ihre Grenzen: "Dann obliegt es auch uns, durch die Wehre das Wasser entsprechend zu steuern, damit es nicht zu Hochwassern kommt." Denn so ruhig wie der Neckar in seinem künstlichen Verlauf immer wirkt, ist er nicht: "Der Begriff Neckar ist keltischen Ursprungs und bedeutet wildes Wasser und das nicht ohne Grund", so Germeier. Vor allem was rasches Steigen oder sinken des Pegels angeht, passieren zum Teil im Verlauf eines Tages enorme Schwankungen.

Kraftwerk
frühere Treppe zur Regelwand Foto:Enslin

Damit trotz aller Wehre und künstlicher Flussführung die Fische auch weiterhin ihren Weg durch den Neckar finden gibt es neben den Kraftwerk auch eine Fischtreppe.

Ab nächsten Jahr werden sich die Tore vom versteckten Energieriesen im traditionellem Gewand auch vermehrt der Öffentlichkeit zeigen. "Ende des Jahres stehen hier noch einige Sanierungsarbeiten an. Aber danach soll die schöne Halle vermehrt für Veranstaltungen und auch für Besichtigungen zur Verfügung stehen", so Pressesprecherin EnBW, Maria Drehmer.

1910
Kraftwerk vor der Neckarverlegung um 1910

Historischer Stromerzeuger wird saniert

UNTERTüRKHEIMER ZEITUNG 21.10.2010:
Das mehr als hundert Jahre alte Laufwasserkraftwerk an der Inselstraße erhält derzeit neue Fenster

Es war das erste Kraftwerk zur kommunalen Stromerzeugung in Württemberg - vor über 100 Jahren wurde das Wasserwerk an der Inselstraße in Betrieb genommen. Auch heute noch wird dort Strom erzeugt. Klar, dass das Gebäude immer wieder einmal saniert werden muss. Derzeit sind die Fenster dran. Noch bis Mitte Oktober sollen die Arbeiten andauern, so eine Sprecherin der zuständigen EnBW Kraftwerke AG.

Von Jan-Philipp Schütze

Ein Baugerüst an der Stirnseite des Gebäudes Richtung Karl-Benz-Platz zeugt momentan von den neuesten Sanierungsarbeiten am Wasserkraftwerk. „Wir lassen zur Zeit alle Fenster sanieren“, erklärt Maria Dehmer, die Pressesprecherin der EnBW Kraftwerke AG in Stuttgart. Diese Arbeiten seien schon länger geplant gewesen, so Dehmer, „aber wir mussten noch die endgültige Genehmigung des Landesdenkmalamtes abwarten.“

Schließlich ist ein Teil der Fenster rund 100 Jahre alt und kann aus Gründen des Denkmalschutzes nicht einfach so verändert werden. Die betreffenden Fenster an der Frontseite werden daher nur ausgebessert. Die übrigen Fenster, allesamt neueren Datums, werden hingegen komplett ersetzt. Insgesamt 75 Fenster gilt es rund um das historische Gebäude in Stand zu setzen. Das benötigt natürlich seine Zeit, bereits seit Anfang Oktober wird an den Fassaden gearbeitet. „Bis Mitte November müsste dann alles fertig sein“, sagt Dehmer.Die aktuelle Sanierungsmaßnahme ist bei weitem nicht die einzige in und am Inselkraftwerk. Über die Jahrzehnte hinweg fanden immer wieder Erneuerungsmaßnahmen am ältesten Werk entlang des Neckars statt.

So wurde beispielsweise 1996 die alte seilbetriebene Rechenreinigungsmaschine - eine „Kehrmaschine“, die angeschwemmten Unrat und Treibholz von den Turbinen fernhält - durch eine neue hydraulische ersetzt. 400 000 Mark investierten die Technischen Werken Stuttgart damals. Anfang 2002 wurde dann der Leitstand in Untertürkheim aufgegeben, der Betrieb von einer zentralen Fernsteuerwarte in Rockenau geregelt. Ein Jahr später wurde das ausgediente Umspannwerk nebenan abgerissen.

Die Entstehung des Inselkraftwerks ist dem früheren Schultes Eduard Fiechtner zu verdanken. Er forderte zum ersten Mal ein Elektrizitätswerk in Untertürkheim und versuchte die hiesigen Firmen zu einem Verzicht auf ihre Wasserkraft zugunsten der Gemeinde zu bewegen. Im Gegenzug sollten sie elektrische Energie erhalten. Nach jahrelangen Verhandlungen wurden dann 1899 die Verträge unterschrieben. 750 000 Mark brachte die Gemeinde damals auf - um die Jahrhundertwende ein beachtlicher Betrag. Natürlich auch in der Hoffnung, dass die zahlreichen Familien ohne Gas, ihr Geld lieber in elektrisches Licht, denn in Petroleum investieren würden. Zusätzlich sollte die Stromgewinnung natürlich zahlreiche Betriebe in die Region locken. Was auch gelang. So trug das innerhalb von vier Jahren erbaute Dampf-/Wasserkraftwerk maßgeblich dazu bei, dass sich 1903 die spätere Daimler Benz AG in Untertürkheim niederließ. Auch heute noch speist das Inselkraftwerk, als eines von 37 Wasserkraftwerken der EnBW in Baden-Württemberg, Strom ins Netz ein. Je nach Wasserstand und Turbinenauslastung um die 1,4 Megawatt am Tag.

Mit der Wasserkraft Daimler angelockt

Artikel aus der STZ - NECKAR vom 27.08.2010
Untertürkheim Das kleine Kraftwerk am Karl-Benz-Platz liefert seit mehr als 100 Jahren Strom.

Von Claudia Leihenseder

Umweltfreundliche Technik, und das mitten in der Stadt: Das sind die vier Wasserkraftwerke der EnBW Kraftwerke AG, die entlang des Neckars auf dem Gebiet der Landeshauptstadt liegen. Bestes und beinahe schönstes Beispiel ist das historische Wasserkraftwerk in Untertürkheim, das zwischen 1899 und 1902 gebaut wurde.

Mit der damals neu aufkommenden Elektrizität wollte der findige Schultheiß von Untertürkheim, Eduard Fiechtner, niemand geringeren als Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach mit ihrer Automobilfabrik auf das Gebiet seiner Gemeinde locken - mit Erfolg.Mercedes-Benz ist heute noch erfolgreich, das kleine Wasserkraftwerk, das ursprünglich dafür den Anschub gab, ebenfalls.

2003
Foto: Enslin

Etwas unbeachtet vom Trubel am Karl-Benz-Platz verrichten in dem denkmalgeschützten Gebäude auch heute noch vier Turbinen ihre Arbeit und liefern bei Volllast täglich rund 33600 Kilowattstunden Strom. Das reicht, um rund 7500 Menschen zu versorgen. Die älteste Turbine stammt aus dem Jahr 1924, als das Werk im Zuge der Neckarkanalisation erweitert wurde. "Diese Kaplan-Turbine funktioniert noch wunderbar, sie ist aber schon ins Alter gekommen", sagt Knut Germeier, der die Produktion Nord bei der EnBW Kraftwerke AG leitet.

Seit 1995 ist er in der Abteilung Wasserkraft und kennt das Kraftwerk in Untertürkheim wie seine Westentasche. "Eine Kaplan-Turbine hat auch bei schwankendem Durchfluss einen gleichbleibend hohen Wirkungsgrad von rund 90 Prozent", erklärt Germeier die Technik. Das liege an den verstellbaren Propellern im Inneren. Um zur Turbine zu gelangen, fließt das Flusswasser vor dem Kraftwerk durch eine Art Rechen mit einem Gabelabstand von fünf Zentimetern. Germeier: "Dort wird der grobe Schmutz herausgefiltert." Dann fließt das Wasser erst durch ein horizontal liegendes Laufrad - das man sich wie ein liegendes Mühlenrad mit verstellbaren Blättern vorstellen kann - bevor es im Inneren der Turbine hinunter fließt und auf den eigentlichen Turbinenpropeller trifft, der so aussieht wie ein senkrecht stehender Schiffspropeller. Auf diese Weise treibt das Wasser die Turbine an, so dass im Drehstromgenerator umweltfreundlicher Strom entsteht. "Das Laufrad ist 1956 ausgebaut und ersetzt worden", erzählt Germeier. Im nächsten Jahr soll die in die Jahre gekommene Turbine einer Grundüberholung unterzogen werden und etwa das gusseiserne Laufrad mit einem Nachfolger aus Edelstahl ersetzt werden.

Dann werden die drei weiteren Turbinen, die im Wasserkraftwerk Untertürkheim stehen, allein die Arbeit übernehmen. Diese Francis-Turbinen wurden Anfang der 80er-Jahre ausgetauscht. Sie sind wesentlich kleiner als die Kaplan-Turbine und etwas anders konstruiert. Bei Francis-Turbinen wird das Wasser durch ein feststehendes, horizontal liegendes Leitrad mit verstellbaren Schaufeln auf die gegenläufig gekrümmten Schaufeln des Laufrads gelenkt. Die drei Francis-Turbinen in Untertürkheim bringen bei Volllast so je 6000 Kilowattstunden Strom täglich. Waren früher mehrere Mann rund um die Uhr in dem Kraftwerk beschäftigt, wird heute die Technik aller 26 Werke entlang des Neckars zentral vom Ebersbacher Stadtteil Rockenau in Nord-Württemberg geleitet. Neben der Stromgewinnung gibt es dort eine weitere Hauptaufgabe: "Wir regulieren den Wasserstand für den gesamten Neckar", sagt Germeier. Das sei gar nicht so einfach, vor allem bei einem Fluss wie dem Neckar, der höchst unterschiedliche Wassermengen führt. Da reicht schon ein Starkregen, und der Durchfluss in Untertürkheim erhöht sich innerhalb eines Tages von 30 Kubikmetern pro Sekunde auf mehrere Hundert. Germeier: "Bei Niedrigwasser müssen wir den Pegel hoch halten und nicht zu viel Wasser durchlassen." Das könne man durch die Turbinen regeln. Wenn mehr Wasser kommt, als die Turbinen vertragen, gibt es zusätzliche Klappen, die ferngesteuert aufgemacht werden können.

Wichtig ist der Wasserstand vor allem auch für die Schifffahrt. Der Neckar sei an den flachsten Stellen drei Meter tief ausgebaggert, die Schiffe haben, so Germeier, einen Tiefgang von 2,80 Metern bei Volllast. "Da ist nicht viel Spiel", sagt der Experte. Ein Sprung ist es von den Schiffen zu den Fischen, denn auch die haben die Kraftwerksbetreiber im Blick. Damit die Flossentiere ungehindert den Neckar hinaufschwimmen können, gibt am Rand des Untertürkheimer Kraftwerks, dort wo die Strömung am stärksten ist, eine Fischtreppe, wo die Fische von Becken zu Becken hochspringen und durch einen kleinen Kanal an dem historischen Gebäude vorbeischwimmen können. Das gehört zur umweltfreundlichen Technik mitten in der Stadt dazu.  

STROM AUS VIER STANDORTEN

Kulturdenkmal
Nach den Entwürfen des Ortsbaumeisters Lusser wurde das Wasserkraftwerk in Untertürkheim zwischen 1899 und 1902 gebaut und von der Maschinenfabrik Esslingen mit drei Wasserturbinen (Leistung 241 PS) sowie zwei Dampfturbinen (Leistung je 300 PS) ausgestattet.

Die maximale Fallhöhe des Wassers beträgt 3,65 Meter, die maximale Ausbauwassermenge 51 Kubikmeter je Sekunden. Das heutige Kulturdenkmal ist auch deshalb so wichtig, weil es das erste kommunale Wasserkraftwerk seiner Art in Württemberg war und die Neuorientierung der Kommunen dokumentiert. 1903 siedelte sich nicht nur die spätere Daimler Benz AG in Untertürkheim an, sondern auch die Residenzstadt Stuttgart schloss ihren ersten Stromlieferungsvertrag mit Untertürkheim ab.

Standorte
Außer dem Wasserkraftwerk in Untertürkheim gibt es auf Stadtgebiet noch drei weitere: In Obertürkheim am Westkai, in Bad Cannstatt bei der König-Karl-Brücke und in Hofen nach dem Max-Eyth-See. Das Cannstatter Werk ist im Rahmen der Neckarkanalisation zwischen Plochingen und Mannheim von Paul Bonatz geplant und 1930 als Flachdach-Stahlbetonbauwerk errichtet worden. cil

Wasserkraftwerk und Kohlekraftwerk
Erstes kommunales Stromerzeugungsunternehmen Württembergs

LBW6063.Wasserkraftwerk gebaut von 1899 - 1902, durch Ortsbaumeister Lusser, von der Maschinenfabriik Esslingen ausgestattet.


Zweite Bauphase 1924: Installation einer der ersten Kaplan-Turbinen, technikgeschichtliich bedeutend, - Sachgesamtheit -.



Wasserkraftwerk - Fotos von 1935 - noch mit Turm - links die Lindenschule

Wasserkraftwerk ca. 1940 mit Kanal vom Neckar - in Bildmitte der Bahnhof Untertürkheim

Menschen am Fluss - Verschmutzter Fluss liefert saubere Energie
Das Wasserkraftwerk in Untertürkheim ist über 100 Jahre alt

Stuttgarter Nachrichten 9.9.2008

Der Himmel über Untertürkheim ist grau und verhangen. Doch trübes Wetter erfreut Erhard Starz mitunter mehr als strahlender Sonnenschein. Von Berufs wegen. Denn aus dunklen Wolken fällt Regen - und der ist Wasser auf die Mühlen, Pardon Turbinen, des 47-Jährigen.

Starz ist Werkmeister beim Energieversorger EnBW. Sein Arbeitsplatz sind die Laufwasserkraftwerke am oberen Neckar zwischen den Staustufen Deizisau und Horkheim bei Heilbronn.

Sein Job: Turbinen und Generatoren, Einlaufrechen und Elektronik der Anlagen beaufsichtigen, warten und reparieren - damit möglichst viel mit Wasserkraft erzeugter Strom aus der Steckdose kommt.

Seit über hundert Jahren wird aus der Energie des Neckars Elektrizität gewonnen.

Auf den knapp 200 schiffbaren Flusskilometern von Plochingen bis zur Mündung in den Rhein bei Mannheim speisen heute an den 27 Staustufen insgesamt 26 Laufwasserkraftwerke 90 Megawatt elektrische Energie ins Netz. Ein weiteres E-Werk an der Staustufe Esslingen ist in Planung.

"Das Wasserkraftwerk Untertürkheim ist die älteste Anlage am Neckar", erklärt Starz im denkmalgeschützten Turbinenhaus, das mit seinen alten, schachbrettartigen Wand- und Bodenfliesen eher an ein mondänes Kurmittelhaus denn an eine Stromfabrik erinnert. Das malerisch an einem Neckarkanal gelegene Kraftwerk wurde zwischen 1899 und 1902 nach Entwürfen des Ortsbaumeisters Lusser errichtet. Ursprünglich trieb neben Wasser auch Dampf die Generatoren.

2003
Foto:Enslin 2002

Seit 1913 sorgt der Fluss allein für Strom und Spannung. Den Menschen am Ufer brachte das Kraftwerk Wohlstand, von dem auch heutige Generationen noch profitieren. "Hauptabnehmer war Gottlieb Daimler", erzählt Starz, dass der Autobauer 1903 sein Stammwerk neben dem Weinbauflecken Untertürkheim auch deshalb gründete, weil dort Elektrizität in ausreichender Menge verfügbar war. Vom Neckar zu Füßen des Rotenbergs ging die Industrialisierung einer ganzen Region aus, die bis ins Zeitalter der Globalisierung Arbeitsplätze und Einkommen sichert. Anno 1903 reichte die Kraftwerkleistung sogar, das weiter entfernte Stuttgart zu versorgen. Die Residenzstadt schloss ihren ersten Stromlieferungsvertrag mit Untertürkheim.

"Heute bringen wir wohl kaum alle Klimaanlagen beim Daimler zum Laufen", relativiert Starz die Verhältnisse. Bei einer maximalen Fallhöhe von 3,65 Metern erbringt der Neckar eine Stromausbeute von 1400 Kilowatt. "Das entspricht dem Strombedarf von etwa 1700 Haushalten", erläutert der Werkmeister. Im Jahresmittel erzeugt der Neckar in Untertürkheim 6,8 Gigawattstunden. 68 Millionen 100-Watt-Birnen könnten so ständig brennen.

Es könnten mehr sein, liefen alle vier Turbinen ständig unter Volllast. Oft rotiert aber nur die historische Kaplanturbine, die 1924 - zur selben Zeit, als man mit der Verlegung des Neckarflussbettes zur Schiffbarmachung begann - in Untertürkheim installiert wurde. Sie gilt als besonders leistungsfähig bei wechselnden Wasserständen. "Wir können immer nur das fahren, was der Neckar uns bringt", erklärt Starz, dass die maximale Abflussmenge von 51 000 Liter Wasser in der Sekunde nur rund 100 Tage im Jahr durch die vier Turbinenkammern rauscht. "Den Rest der Zeit arbeiten wir unter Volllast", beschreibt er die Häufigkeit von Niedrigwasser, das die Turbinen ausbremst oder ganz aufs Trockene setzt.

Die Schifffahrt hat immer Vorrang, nie darf der Wasserspiegel vor dem Kraftwerkwehr unter ein gewisses Mindestmaß sinken. In Trockenzeiten tröpfeln in Untertürkheim nur 15 000 Liter pro Sekunde den Neckar hinunter. Jahrhundertsommer wie 2003 sind keine guten Zeiten für Wasserkraftwerker. "Zu viel und zu wenig ist nichts", wünscht sich der Werkmeister durchschnittliche Abflussmengen. Doch die werden immer seltener. "Die Hochwasser haben sich verändert", bemerkt Starz, der seit zwölf Jahren am Neckar arbeitet. Extremniederschläge und die versiegelte Landschaft lassen den Neckar nach Unwettern immer schneller und gewaltiger anschwellen. Wenn es im Schwarzwald kräftig gewittert, kracht viereinhalb Stunden später in Untertürkheim die Flutwelle gegen die Wehre. "Dann schießt der Abfluss auf 800 000 Liter pro Sekunde hoch", sagt Starz und erklärt, dass der Neckar immer unbeherrschbarer wird. So schnell wie die Flut kommt, ist sie auch wieder weg.

Blitz und Donner bedeuten meist Überstunden oder Notdienste. Die Fernsteuerwarte der Wasserkraftwerke an der Schleuse Rockenau kommt dann nicht mehr ohne Menschen vor Ort klar. Etwa weil die automatischen Rechenreinigungsanlagen manuelle Baggerhilfe benötigen. Vor dem Rechen, der ein Verstopfen der Turbinenkammern verhindert, staut sich dann mehr als nur schweres Treibholz. Ölbehälter, Kinderwagen, selbst einen Tresor hat der Werkmeister schon aus den Fluten gefischt. 2000 Tonnen "Gschwemmsel" sammelt sich jährlich vor den E-Werken am oberen Neckar. "Die Menschen missbrauchen den Fluss als Müllkippe", sagt der bärtige Mann und schüttelt den Kopf. "Mehr Bewusstsein für Natur und Umwelt wäre schön", wünscht sich Starz, der mit seinen Kollegen viel dafür tut, dass es sich am Neckar weiter gut leben lässt. Im Vergleich zu einem Kohlekraftwerk erspart das Untertürkheimer Laufwasserkraftwerk der Atmosphäre jährlich rund 3500 Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid. Oder 5,6 Kilo radioaktiven Abfall, wenn ein Atomkraftwerk die gleiche Leistung erzeugen würde. "Auf unsere saubere Energie sind wir stolz", sagt Erhard Starz und blickt durch die Fenster des Turbinenhauses auf den Neckar. Ein grünlich schimmernder Fluss liefert an diesem Tag den sauberen Strom.

Jürgen Lessat

Firmenname Elektrizitätswerk Untertürkheim
Ortssitz Stuttgart
Ortsteil Untertürkheim
Art des Unternehmens
Elektrizitätswerk
Anmerkungen Gebaut von der noch selbständigen Gemeinde Untertürkheim
Quellenangaben [Haeberle: Stuttgart u.d. Elektrizität (1983) 35] [Leiner (1985) 2,1, S. 43] [Erinnerungsschrift zum 25j. Bestehen der Elektrotechn. Abt. der ME (1909)]
Unternehmensgeschichte
Zeit Ereignis
1899 Gründung als erstes kommunales Elektrizitätswerk in Württemberg
06.1899 Der Baubeschluss wird gefaßt
10.1899 Das Werk geht im Oktober mit beschränkter Leistung in Betrieb. Zum Antrieb dienen die nicht voll ausgelasteten Dampfmaschinen des Pumpwerks.
01.1901 Der Bau des Wasserkraftwerks wird Anfang Januar der Maschinenfabrik Esslingen übertragen
05.1901 Vergabe der Tiefbauarbeiten für das Wasserkraftwerk im Mai
10.1901 Der Rohbau für das Wasserkraftwerk steht im Oktober
04.03.1902 Die erste der drei Maschinen des Wasserkraftwerks geht in Betrieb [lt. Haeberle (1983), S. 35: schon "4.3.1901" - das wäre vor Fertigstellung des Rohbaus]
24.06.1903 Erstmalige Stromlieferung über eine 5 km lange Leitung nach Stuttgart
1905 Es werden weitere Generatoren mit Dampfbetrieb aufgestellt
1924 Bestellung einer weiteren Wasserturbine (Kaplanturbine, 1065 PS), da sich die Durchflußmenge vergrößerte und auch das Gefälle von 2,75 m auf durchschnittlich 3,5 m von Voith (7. Bauauftrag für eine Kaplan-Turbine mit senkrechter Welle und 1. für die öffentliche Stromversorgung)

Quelle: http://www.albert-gieseler.de/dampf_de/firmen1/firmadet17344.shtml
2003
Kraftwerk Untertürkheim 2003
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